Sudan

Milizionäre plündern und vergewaltigen 

Zahl der Toten bei Massaker vom Montag steigt weiter an.

Nach der Eskalation im Sudan steigt die Zahl der Toten. Bei dem Überfall bewaffneter Einheiten auf ein Protestcamp der Opposition in der Hauptstadt Khartum seien am Montag 100 Menschen getötet worden, sagte ein Sprecher des Zentralkomitees sudanesischer Ärzte (CCSD) am Mittwoch im britischen Rundfunksender BBC. 40 Leichen seien aus dem Nil geborgen worden. Dazu kämen 60 Tote und 326 Verletzte in Krankenhäusern, teilte die Organisation auf ihrer Facebook-Seite mit. Bei den anhaltenden Gefechten seien am Mittwoch weitere Zivilisten verletzt und eine Frau getötet worden.

Augenzeugen sprachen am Mittwoch von andauerndem Gewehrfeuer in Khartum. Soldaten und Milizen durchkämmten demnach Stadtviertel, drangen in Gebäude ein, vergewaltigten und plünderten. Das Internet und Mobilfunknetze waren abgestellt, der Flughafen geschlossen.

Hinter der Eskalation der Gewalt vermutet die Opposition nach eigenen Angaben vor allem Einheiten der sogenannten schnellen Unterstützungstruppen (RSF), die aus den berüchtigten Dschandschawid-Milizen bestehen. Diese hatten sich im Bürgerkrieg in Darfur zahlreicher Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht. Das CCSD warf ihnen äußerste Brutalität bei ihrem Überfall auf das Protestcamp vor. So seien Zelte angezündet worden, in denen sich noch Menschen befunden hätten. Nach Angaben von Augenzeugen seien Leichen auf Lastwagen geworfen und fortgeschafft worden.

Kritik an EU-Unterstützung

Ein Antrag Deutschlands und Großbritanniens im UN-Sicherheitsrat, die Ausschreitungen zu verurteilen, war in der Nacht am Veto Russlands und Chinas gescheitert. In einer Erklärung der deutschen Vertretung in New York hieß es, die sudanesischen Sicherheitskräfte müssten umgehend jede Art von Gewalt einstellen. Die einseitige Entscheidung der seit knapp zwei Monaten regierenden Militärjunta, die bisher geführten Verhandlungen mit der Opposition aufzukündigen, sei besorgniserregend.

Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) verteidigte am Mittwoch im Bundestag die Fortführung von aus Deutschland finanzierten humanitären Projekten in dem nordostafrikanischen Land. Ein Rückzug werde den Menschen, die zwischen den Fronten zum Überleben gezwungen seien, nicht helfen.

Bereits seit Jahren umstritten ist die von der EU geleistete Unterstützung sudanesischer Grenzschutztruppen im Rahmen der sogenannten Migrationspartnerschaften. Zu ihnen gehören nach Angaben von NGOs auch die RSF-Einheiten, denen die jüngsten Massaker zur Last gelegt werden. Die EU weist eine direkte Finanzierung der RSF-Einheiten zurück.

Die Armee hatte nach monatelangen Protesten der Zivilgesellschaft am 11. April Präsident Omar al-Baschir gestürzt und einen Militärrat eingesetzt. Seither hatten sich Militärführung und Opposition nicht auf die Bildung einer Übergangsregierung einigen können. (epd)

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