Sudan

Miliz mordet in Khartum

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Mehr als 100 Tote in der sudanesischen Hauptstadt - die Opposition will aber nicht klein beigeben.

Drei Tage nach der Räumung der „Revolutionsmeile“ in Sudans Hauptstadt Khartum kommt das wahre Ausmaß der mit äußerster Härte durchgeführten Militäraktion immer deutlicher zum Vorschein. Das der Opposition nahestehende „Zentralkomitee der Ärzte“ spricht inzwischen von weit über 100 Toten, nachdem mindestens 40 Leichen aus dem Nil geborgen wurden: Sie waren entweder erschossen, mit Macheten verstümmelt oder totgeschlagen worden, bevor sie von den Milizionären der Rapid Supply Forces (RSF) in den Fluss geworfen wurden. Selbst offizielle Quellen wie das sudanesische Gesundheitsministerium sprechen inzwischen von 46 Toten, mehr als 500 Menschen wurden nach Angaben der Opposition zum Teil schwer verletzt.

Trotz der über das Land verhängten Nachrichtensperre werden über die sozialen Netzwerke doch immer mehr Einzelheiten der Grausamkeiten der RSF bekannt. Sie soll etwa einen jungen Mann, der einen verletzten Freund ins Krankenhaus bringen wollte, ins Bein geschossen haben. Dann schossen die Milizionäre dem anderen aus nächster Nähe in den Kopf: „Nun kannst Du ihn gleich beerdigen“, sollen die Milizionäre gespottet haben. Einem weiteren Bericht zufolge erschossen die Marodeure einen Ladenbesitzer, von dem sie Wasser verlangten und für das er Geld wollte. In mehreren Videoaufnahmen sind RSF-Mitglieder zu sehen, die Autos anhalten und die Insassen auf die Straße beordern, um sie dort zusammenzuschlagen. Selbst ältere Frauen und Männer wurden von den Milizionären verprügelt. Ein Pharmazeut wurde offenbar daran gehindert, Arzneimittel in Hospitäler zu bringen: Uniformierte sperrten den Zugang zu mehreren Krankenhäusern ab und brachen einem Arzt des Royal Care Hospitals mit Stockschlägen einen Arm.

Saudis fördern den Terror

Vereinzelt waren auch am Donnerstag noch Demonstranten auf den Straßen von Khartum: Meist wurden sie von der RSF gleich wieder auseinandergetrieben. Die Armeeführung bot bereits am Mittwoch wieder Gespräche mit der Opposition an, die sie just abgebrochen hatte. Ein Oppositionssprecher lehnte das aber ab: Das sudanesische Volk habe das Vertrauen in die Armee vollends verloren. Solange die Verantwortlichen des Massakers nicht vor Gericht gestellt würden, seien Gespräche sinnlos.

Unterschiedlich wird in Khartum das Verhältnis der regulären Armee zur RSF eingeschätzt. Manche Beobachter sprechen von einem „tiefen Zerwürfnis“ innerhalb des Militärischen Übergangsrats (TMC), in dem sowohl Armeechef Abdel Fattah al-Burhan wie RSF-Chef Mohamed Hamdan Dagalo, alias Hemiti, eine führende Rolle spielen. Während Hemiti als Scharfmacher mit Präsidentschafts-Ambitionen gilt, seien Teile der Armee, vor allem Offiziere niederer Ränge, mit der Eskalation unzufrieden, heißt es: Selbst eine militärische Konfrontation der beiden Flügel und ein regelrechter Bürgerkrieg könnten nicht ausgeschlossen werden.

Andere betrachten die scheinbaren Differenzen als abgekartetes Spiel, mit dem der zunächst gute Ruf der Armee während des Aufstands gerettet werden soll. Ihrer Auffassung nach hat sich Hemiti längst als bestimmende Kraft durchgesetzt: Die rund 30 000 RSF-Milizionäre des einstigen Kamelhändlers haben sich in den Bürgerkriegen im Darfur wie in den Provinzen Weißer Nil und Süd-Kordofan den Ruf einer „gnadenlosen Truppe“ (Human Rights Watch) zugezogen. Hemiti bereicherte sich an den Goldvorkommen im Darfur – und dadurch, dass er seine Kämpfer zur Unterstützung Saudi-Arabiens in den Bürgerkrieg im Jemen schickte. Er soll inzwischen Dollar-Milliardär sein.

Hemiti kann mit Unterstützung aus Riad, Dubai und Kairo rechnen: Das saudische Königshaus hat dem TMC bereits Hilfe in Höhe von drei Milliarden Dollar zugesagt.

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