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Black Lives Matter 757
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Die bewaffnete Bürgerrechtsgruppe „Black Lives Matter 757“ setzt sich für Gleichberechtigung genauso ein wie für das Recht auf Waffen.

Miliz gegen Rechtsextremismus

USA: „Black Lives Matter 757“ - Die „neuen Black Panthers“ sind da

  • vonMirko Schmid
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Seit 2016 agiert mit „Black Lives Matter 757“ eine paramilitärische Untergruppe der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung, die sich Rechtsextremisten entgegen stellt.

  • Black Lives Matter 757“ stellt sich bewaffnet rechtsextremen Milizen wie den „Proud Boys“ entgegen.
  • Gegründet hat sich die Gruppe im Jahr 2016 als Antwort auf den Tod von Philando Castile, der von einem Polizisten erschossen wurde.
  • BLM757“ verteidigt das Recht auf Waffenbesitz.

Hampton Roads - Der Juni des Jahres 2016 markiert den Beginn einer paramilitärischen Gruppe radikaler Bürgerrechtsaktivisten, die sich unter dem Namen „Black Lives Matter 757“ zusammengefunden haben. Am 6. Juni 2016 nämlich wurde Philando Castile von dem Polizisten Jeronimo Yanez erschossen. Yanez zog Castile im Verlauf einer Kontrolle aus dem Straßenverkehr und forderte ihn auf, ihm seine Papiere zu zeigen.

Japharii Jones ist Gründer und Präsident von „Black Lives Matter 757“

Philando Castile teilte dem Polizisten sofort mit, dass er im Besitz einer Schusswaffe sei. Yanez forderte Castile daraufhin auf, diese nicht zu ziehen, Castile stimmte zu. Dennoch schoss Yanez sieben Mal aus kurzer Distanz auf Castile, fünf Schüsse trafen, Castile, der gemeinsam mit seiner Freundin und ihrer vier Jahre alten Tochter unterwegs war, verstarb zwanzig Minuten nach dem Vorfall im Krankenhaus.

Auch wenn Yanez umgehend entlassen wurde, gilt dieser Tag als eine der Geburtsstunden der landesweiten „Black Lives Matter“-Bewegung und als der Tag, an dem „Black Lives Matter 757“ („BLM757“) auf der Bildfläche erschien. Anführer der bewaffneten Bürgerrechtler ist Japharii Jones, er ist Präsident und Gründer von „BLM757“. Jones erzählt oft, wie der Schrecken, einen Mann zu sehen, der gerade mit einem Polizisten kooperierte und dennoch sinnlos vor den Augen seiner Freundin und Tochter getötet wurde, ihn zutiefst erschütterte.

Mit dem Tod von George Floyd wuchs die Bewegung „BLM757“ weiter an

Japharii Jones‘ eigener Sohn war zu der Zeit genauso alt wie Castiles Tochter. Jones erklärte gegenüber dem Bürgerrechts-Journalisten Wendell Lundy, dass er sich der Realität gestellt habe, wonach ihn ein übereifriger oder rassistischer Polizist auf die gleiche Weise von seinem eigenen Kind wegreißen könnte: „Ehrlich gesagt, es ist das erste Mal, dass ich geweint habe, als ich die Nachrichten gesehen habe“, soll Jones gesagt haben. Dass Yanez von einer Jury im Jahr 2017 freigesprochen wurde, ließ die Empörung der Bewegung weiter anschwellen.

Japharii Jones ist Gründer und Präsident von „Black Lives Matter 757“.

Jones spielte schon eine Weile mit dem Gedanken, seine Wut und Trauer in friedlichen Protest umzuwandeln, als ihn ein Freund gefragt haben soll: „Was werden wir dagegen tun?“ Jones gründete „Black Lives Matter 757“, die Zahlenkombination 757 steht für die Telefonvorwahl des südöstlichen Teils des Bundesstaates Virgina. Vier Jahre später sorgte die Tötung von George Floyd durch einen Polizisten dafür, dass erneut Tausende Menschen in den USA auf die Straßen gingen und Gerechtigkeit sowie das Ende des systemischen Rassismus forderten. In dieser Zeit wuchs „BLM757“ und verankerte sich aktiver denn je in der Bürgerrechtsbewegung der USA.

„BLM757“ versteht sich als eine Art Bürgerwehr und verteidigt das Recht auf Waffenbesitz

Wendell Lundy, selbst Mitglied von „Black Lives Matter 757“, beschreibt den Unterschied seiner Gruppe zur Gesamtbewegung darin, dass „BLM757“ die zweite Verfassungsänderung, welche das Recht auf den Besitz und das Tragen von Feuerwaffen garantiert, akzeptieren und verteidigen. „Wir tun darüber hinaus unser Bestes, um eine unpolitische Organisation zu bleiben, die sich mehr darauf konzentriert, Menschen zur Abstimmung zu bringen, als sie davon zu überzeugen, auf die eine oder andere Weise zu wählen“, ergänzt Lundy.

BLM757“ versteht sich als eine Art Bürgerwehr, die beispielsweise nach Vermissten sucht, sobald deren Familien um Hilfe rufen, während gesetzliche Ordnungshüter in den USA erst 48 Stunden nach der Meldung eines oder einer Vermissten aktiv werden dürfen. Wendell Lundy sagt: „Unter der Führung von Japharii Jones hat unsere Organisation an Zahl und Umfang entsprechend der Probleme zugenommen, die wir seit vier Jahren angehen. Wir arbeiten unter dem Ethos, nach dem Willen der Gemeinschaft zu agieren und die Veränderung zu sein, die die Menschen sehen wollen.“

Viele Bürgerrechtsbewegte schauen skeptisch auf „Black Lives Matter 757“

Inzwischen gilt „Black Lives Matter 757“ als der bewaffnete und paramilitärische Arm der Black Lives Matter“-Bewegung, der dort auftaucht, wo es hart auf hart zugehen könnte. „BLM757“ stellt somit eine Art Gegengewicht zu den rechtsextremen Paramilitärs wie den „Proud Boys“ und den „Oath Keepers“ dar, was Jones und seine Mitstreiter nicht ausschließlich beliebt macht in den eigenen Reihen. Vielen Bürgerrechtsbewegten gilt die Gruppe als zu aggressiv und schädlich für die friedlichen Ziele der Bewegung.

Dem widerspricht der 28-jährige Ifeoma Ozoma, der sich der „BLM757“-Bewegung angeschlossen hat und schon vor den landesweiten Protesten Waffen besessen hatte: „Philando Castile wollte gerade seine Lizenz beantragen, um zu zeigen, dass er das Recht hatte, eine Waffe zu haben. Breonna Taylor lag mit ihrem Partner im Bett, der seine Waffe rechtmäßig gegen Leute einsetzte, die in ihre Wohnung eingebrochen waren und nicht bekannt gaben, wer sie waren“, sinniert Ozoma, „also ist es egal, ob ich bewaffnet bin oder nicht, ich könnte getötet oder angegriffen werden. Und in einem solchen Fall wäre ich lieber bewaffnet.“

„Black Lives Matter 757“ steht in der Tradition der „Black Panthers“

Black Lives Matter 757“ steht somit in einer historischen Linie mit den „Black Panthers“. Diese gehörten zu den lautstärksten Befürwortern des Rechts, Waffen in der Öffentlichkeit zu tragen, insbesondere aus Gründen des Selbstschutzes. Ihr Anführer Malcolm X betonte zu dieser Zeit, Afroamerikaner müssten sich „mit allen notwendigen Mitteln verteidigen“. Und selbst Martin Luther King Jr. beantragte 1956, kurz nachdem sein Haus bombardiert worden war, die Erlaubnis, eine versteckte Feuerwaffe zu tragen. Sein Antrag wurde abgelehnt, jedoch ließ er sich und sein Haus von da an von bewaffneten Anhängern bewachen.

Die Mitglieder von „BLM757“ sehen sich als legitime Nachfolger der „Black Panthers“.

Philip Smith, der Präsident der National African American Gun Association, erkennt einen Anstieg der Zahl von bewaffneten Schwarzen in den USA. Hätte seine Organisation vor einem Jahr noch nur rund zehn Neuanmeldungen täglich bekommen, seien es nun „stündlich zehn“. Dennoch besitzen bis heute nur 28 Prozent der Schwarzen US-Bevölkerung eine Waffe, wohingegen 36 Prozent aller Weißen Amerikaner eine Waffe registriert haben.

Bisher kam es noch nicht zu größeren Zusammenstößen zwischen „BLM757“ und Rechtsextremisten

Dieses Ungleichgewicht auch am Rande von Demonstrationen aufzuheben, wo waffenstarrende Milizen der „White Supremacists“ mit ihren stetigen Drohgebärden einschüchtern wollen, ist das Ziel von „BLM757“. Bisher kam es noch zu keinen größeren Auseinandersetzungen zwischen den so verschiedenen paramilitärischen Spektren. Präsident Joe Biden, der im Gegensatz zu Donald Trump auf eine Einheit der USA setzt und die Volksgruppen versöhnen will, hatte zu seinem Amtsantritt dazu aufgerufen, die Gräben wieder zuzuschütten.

Unterdessen kündigen die „Proud Boys“ an, sich von Donald Trump abzuwenden und ihren Fokus von nun an auf Konflikte vor Ort zu richten. Eine Ansage, die sicher auch in den Reihen von „Black Lives Matter 757“ vernommen wurde. (Mirko Schmid)

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