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Wegen der Gewalt in ihren Dörfern haben sich Tausende Rohingyas auf den Weg gemacht.

Myanmar

Militante Rohingya lösen schwere Kämpfe aus

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Die Bevölkerungsgruppe der Rohingyas wird in Myanmar seit Jahren verfolgt. Nun hat eine militante Gruppe eine Befreiungsbewegung initiert und Sicherheitskräfte attackiert.

An der westlichen Grenze von Myanmar sind Tausende Rohingya-Familien auf der Flucht, die Sicherheit im benachbarten Bangladesch suchen. Fast 100 Menschen verloren bei heftigen Kämpfen in ihrer Heimat im Norden des Rakhine-Staats ihr Leben, nachdem eine selbst ernannte islamistische Befreiungsbewegung am Donnerstag und Freitag Wachposten und kleine Garnisonen der Sicherheitskräfte attackiert hatte. Flüchtlinge, die es bis nach Bangladesch schafften, berichten, die Streitkräfte Myanmars hätten auf sie geschossen.

Der Konflikt war wieder aufgeflammt, als sich vergangene Woche eine Gruppe militanter Rohingyas namens „Arakan Rohingya Salvation Army“ (Arsa) zu Angriffen auf Polizei- und Armeeposten bekannt hatte. Die Arsa erklärte, dies sei eine Reaktion auf die an der Rohingya-Minderheit verübten Gräuel durch Myanmars Armee. Die muslimischen Rohingya werden im buddhistisch dominierten Myanmar nicht als ethnische Minderheit anerkannt und sind systematischer Verfolgung ausgesetzt.

Nachdem es bereits im Oktober vergangenen Jahres ähnliche Angriffe auf Polizei-Grenzposten gegeben hatte, begann der jüngste Feldzug der Armee. Sowohl die UN als auch Menschenrechtsorganisationen werfen dem Militär Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberungen an den Rohingyas vor.

Jahrelange Warnungen an die Adresse der Streitkräfte in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw nutzten nichts. Appelle an die Vernunft der Regierung unter Führung der früheren Nobelpreisträgerin Aung Sann Suu Kyi, die wenig Einfluss auf die Generäle hat, verhallten ungehört. Stattdessen verweigerte ihre Regierung einer Untersuchungskommission der Vereinten Nationen, die vor Ort die Menschenrechtslage überprüfen wollte, die Einreiseerlaubnis. Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, der seit rund einem Jahr eine von Aung San Suu Kyi berufene Untersuchungskommission leitet, hatte kurz vor den erneuten Kämpfen vor einer Eskalation der Lage gewarnt.

In ghettoartigen Lagern zusammengepfercht

Radikale, nationalistisch gesinnte buddhistische Mönche hatten während der vergangenen Jahre im Verein mit den Sicherheitskräften und der lokalen Bevölkerung insbesondere im Rakhine-Staat die Rohingyas verfolgt. Zehntausende von diesen leben heute in ghettoartigen Lagern. Myanmar verweigert den Rohingyas, von Annan in einem gerade vorgelegten Bericht als „größte staatenlose Gruppe der Welt“ bezeichnet, die Staatsbürgerschaft. Rund 800.000 der auf gut bis 1,3 Millionen geschätzten Rohingyas in Myanmar leben im Rakhine-Staat. Bangladesch, das bereits Zehntausende Rohingya-Flüchtlinge beherbergt, schickte am Wochenende trotz der neuen Kämpfe 70 Menschen über die Grenze nach Myanmar zurück.

Die Attacken der vergangenen Woche bestätigen Befürchtungen, dass die radikalen Islamisten im Rakhine-Staat endgültig Fuß gefasst haben. Der Sicherheitsfachmann Phill Hynes von der auf Asien spezialisierten privaten Firma ISS Risk sagte der FR: „Die Rohingyas sind reif, um auf Extremisten reinzufallen.“ Kofi Annan blies in seinem Abschlussbericht in das gleiche Horn: „Wenn legitime Forderungen der Bevölkerung weiter ignoriert werden, wird es Extremisten leichter fallen, Leute zu rekrutieren.“

Die Angriffe drohen auch, Hoffnungen zu zerstören, Myanmars Regierung würde ihre Rohingya-Politik ändern. Kofi Annan war von Aung San Suu Kyi persönlich beauftragt worden, die Situation unter die Lupe zu nehmen. Suu Kyi hatte versprochen, die Empfehlungen nach Fertigstellung des Berichts in die Praxis umzusetzen. Annan verlangt unter anderem, alle Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der Rohingyas aufzuheben und die Lager, in denen rund 120.000 Menschen existieren, zu schließen. (mit Material des epd)

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