Militante Gegner des Gaza-Abzugs attackieren Soldaten

Israelische Sicherheitskräfte beseitigen gegen Widerstand Barrikaden bei Newe Dekalim / "Hügeljugend" stiftet Unruhe

Jerusalem · Wenn am heutigen Mittwoch nach Ablauf der 48-Stunden-Frist die eigentliche Zwangsräumung beginnt, wollen Armee und Polizei ihre Samthandschuhe ablegen - vor allem im Umgang mit radikalen Protestlern. Man werde "mit harter Hand" gegen jeden vorgehen, der den Abzug aus dem Gaza-Streifen vereiteln wolle, sagte Israels Verteidigungsminister Schaul Mofas.

Die Sicherheitskräfte seien angewiesen, alle Anstrengungen zu unternehmen, um den von Regierung und Knesset verabschiedeten Abkoppelungsplan auch durchzusetzen. "Wer gegen das Gesetz verstößt, wird entsprechend behandelt."

Dass sich die Truppen nicht nur auf ihre Überredungskünste verlassen, zeigte sich bereits am Dienstag, als sie das verbarrikadierte Haupttor zur Siedlung Newe Dekalim, der größten in Gusch Katif, mit Elektrosägen öffneten. Am Vortag hatte es der militanteren Abteilung unter den Abzugsgegnern als Symbol ihres Widerstands gedient. Entsprechend heftige Zusammenstöße lieferten sie am Dienstag den Spezialeinsatzkräften, die die Zufahrt wieder für die Umzugswagen freimachten.

Nicht wenige Siedlerfamilien, die auf gepackten Sachen saßen und stundenlang auf die Container für den Abtransport ihres Mobiliars warten mussten, zeigten sich erleichtert. Selbst sie hatten von der Polizei ein härteres Durchgreifen verlangt.

Ein Problem sind immer mehr jene Störer, die sich unter Vorgabe falscher Tatsachen oder versteckt im Kofferraum nach Gusch Katif eingeschlichen haben. Ihre Zahl wird auf 5000 geschätzt. Sicher ist, dass sich einige Gewalttäter unter ihnen befinden. Sie machten am Montag nicht nur mit Nagelbrettern Armeereifen platt, sondern griffen auch einen prominenten Rabbiner an, der passiven Widerstand predigte.

Protest in Würde

Wenn die Polizei nicht bald etwas gegen die Eindringlinge unternehme, werde noch Blut fließen, zitierte die Zeitung Yedioth Achronoth Bewohner aus Gusch Katif. "Das sind rastlose junge Leute, die weder auf ihren Vater noch auf ihre Mutter hören. Wir sind für den Protest, aber in Würde." Viele Unruhestifter gehören der "Hügeljugend" an, die sich in den rechtsradikalen Hochburgen im Westjordanland formiert und sich zum Beispiel durch das Abbrennen palästinensischer Olivenhaine hervorgetan hat.

Der Siedlerrat Yesha (Samaria, Judäa und Samaria) hat solche Aktionen offiziell zwar nie gutgeheißen, aber die "Hügeljugend" mitunter als "Salz der Erde" gepriesen. Nicht von ungefähr ging der Aufruf, sich massenweise in Gusch Katif zu verschanzen, von einigen Yesha-Führern aus.

Drei von ihnen, darunter Pinhas Wallerstein, ertappten die Sicherheitsbehörden am Dienstag beim Versuch, über die Kissufim-Kreuzung nach Gaza vorzudringen. Dort oder nahebei wurden in der Nacht 200 weitere nationalrechte Aktivisten vorübergehend festgenommen. Zahlreiche andere Demonstranten scheiterten am Sicherheitskordon der Polizei auf den Straßen im Negev. "Von nun an geht es nur noch raus": Diese Losung gab Ejwal Giladi aus, der strategische Berater im Premiersbüro und Vordenker des Abzugskonzepts. Die zugereisten Demonstranten sollten sich darauf gefasst machen, dass die Sicherheitskräfte gegen sie "weit entschiedener vorgehen als gegen Siedlerfamilien mit Kindern".

Die Hoffnung, dass Letztere freiwillig gehen, hat einen handfesten Grund. Wer am Mittwoch noch in Gaza bleibt, verliert 30 Prozent der ihm zustehenden finanziellen Entschädigung. Inge Günther

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion