1. Startseite
  2. Politik

Militärregierung duldet keine Kritik

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Julia Gerlach

Kommentare

Maikel Nabil
Maikel Nabil © Julia Gerlach

Heute wird das Urteil gegen den Blogger Maikel Nabil erwartet

Wer noch immer glaubt, der Arabische Frühling habe in Ägypten der freiheitlichen Demokratie zum Durchbruch verholfen, sollte einmal das Café „Die Freunde“ in Kairo besuchen. „Feldmarschall Tantawi, hau ab!“, steht dort in großen geschwungenen Buchstaben an die Wand gesprüht. Etwas kleiner daneben: „Freiheit für Maikel Nabil!“ Mohammed Hussein Tantawi ist der Mann, der im Februar als Chef eines Militärrates Präsident Husni Mubarak ablöste, und Maikel Nabil ist ein Blogger, der schon damals nicht glauben mochte, dass Militär und Volk an einem Strang ziehen.

Im Cafe „Die Freunde“ trifft sich Kairos junge Aktivistenszene. Es gibt Tee, Wasserpfeife und dazu jede Menge Politik. Es wird gestritten und diskutiert, doch in einem Punkt sind sich die Jugendlichen einig: Das Militär hat die Revolution verraten, und es wird Zeit, für einen neuen Aufstand zu mobilisieren. „Das Militär ist schlimmer, als es die Regierung Mubarak je war. Schon 16.000 Menschen wurden seit Februar von Militärrichtern verurteilt, mehr als je zuvor“, sagt der 19-jährige Mark Nabil. Sein Bruder Maikel ist einer dieser Verurteilten. Er hatte bereits im Februar in einem Artikel Menschenrechtsverletzungen der Armee aufgelistet. Im April wurde er deshalb zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Anfang Oktober wurde das Urteil zwar aufgehoben, doch freigelassen wurde er nicht, sondern in die Psychiatrie zwangseingewiesen. Seit drei Monaten befindet sich der 25-Jährige im Hungerstreik. „Er hat 20 Kilo verloren, wiegt nur noch 40 Kilo, und seine Organe versagen“, berichtet sein Bruder.

Möglicherweise wird der Militärrichter heute ein neues Urteil sprechen. Die Hoffnung auf einen Freispruch ist gering. Am Wochenende erst wurde der bekannte Blogger Alaa Abdel Fattah für 15 Tage in Untersuchungshaft genommen, weil er gegen die Armee gehetzt haben soll. Über Einschränkung der Meinungsfreiheit im neuen Ägypten klagen auch Journalisten. Mehrere Zeitungen druckten kürzlich leere Seiten, um gegen Zensur zu protestieren.

Mark Nabil ist schon dreimal verhaftet worden, weil er den Fall seines Bruders publik gemacht hat. „Zuletzt hat man mir sogar gedroht, dass man mich umbringt“, sagt der schmale junge Mann mit den langen Haaren. „Aber ich gebe nicht auf. Ich verteidige meinen Bruder, weil ich an die Freiheit glaube.“

Auch interessant

Kommentare