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Mike Lindell James Adomian Jimmy Kimmel
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Mike Lindell, Lindell-Darsteller James Adomian und Jimmy Kimmel - Protagonisten eines denkwürdigen Interviews.

USA

Mike Lindell bei Jimmy Kimmel: Trump-Fan trifft Late Show Moderator

  • vonMirko Schmid
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Mike Lindell verkauft Kissen, ist Fan von Donald Trump und verbreitet Verschwörungstheorien. Das bringt ihn bis in die Late Night Show von Jimmy Kimmel.

Los Angeles - Mike Lindell hat eine bewegte Vergangenheit. Der ehemalige Crack-Abhängige hat es geschafft, die Sucht hinter sich zu lassen und mit dem Verkauf von Kissen per Versandhandel ein geschätztes Reinvermögen von 100 Millionen Dollar aufzubauen. Mit der Politik hat sich der Unternehmer nach eigenen Worten nie außerordentlich beschäftigt - bis dann Donald Trump 2016 zum Präsidenten aufstieg.

Mike Lindell ist ein vehementer Anhänger des Republikaners. Und wie Donald Trump macht Lindell keine Anstalten, Joe Bidens Wahlsieg vom November 2020 zu akzeptieren. Der Multimillionär verbreitet beständig Verschwörungstheorien, die aus Trumps engem Umfeld stammen. Besonders häufig zog Lindell über den Wahlmaschinenhersteller Dominion her und warf dem Unternehmen vor, bewusste Möglichkeiten zur Wahlfälschung bereitgestellt zu haben, um angeblich Donald Trump aus dem Amt zu drängen.

Aktuell wehrt sich Lindell mit der Hilfe prominenter Rechtsbeistände gegen eine Verleumdungsklage. Dominion fordert aufgrund der unbewiesenen Anschuldigungen und dem damit einhergehenden Imageverlust einen Schadensersatz in Höhe von einer Milliarde Dollar.

Jimmy Kimmel und Mike Lindell: Es gärt zwischen Showmaster und Trump-Fan

Moderator Jimmy Kimmel hat einen besonderen Narren an Mike Lindell gefressen. Im Rahmen seiner in den USA beliebten Show „Jimmy Kimmel Live!“ nimmt er den Unternehmer beständig aufs Korn. Dafür nutzt er unter anderem die Figur des „MyPillow-Guy“, gespielt von Comedian James Adomian. Als trotteliger Typ mit Kissen im Arm erklärt der „MyPillow-Guy“ die Welt aus der Sicht eines völlig unkritischen Trump-Fans, der über alles Liberale herzieht und die Demokraten für die Wurzel allen Übels hält.

Lindell wiederum nennt Jimmy Kimmel seinen „schlimmsten Albtraum“ und zieht seinerseits zu jeder sich bietenden Gelegenheit über den als liberal bekannten Kimmel her. Als Ventil für seine Kritik schuf sich Lindell zuletzt ein eigenes „Soziales Netzwerk“, die Internetseite „Frank Speech“. Hier wollte er ungestört von der „BigTech-Zensur“ einen Raum für äußerst rechte Meinungsäußerungen schaffen.

Auch wenn das Projekt, das YouTuber Tommy Campbell ein „Chaos aus MAGA-Propaganda, kaputten Links und seltsamen Hashtags“ nennt, noch nicht so recht funktionieren mag und unter Server-Problemen leidet, bewirbt es Lindell offensiv. Als Teil dieser Werbeoffensive diente ein 48-stündiger TV-Marathon, moderiert von: Mike Lindell.

Jimmy Kimmel lädt „MyPillow“-Chef Mike Lindell ein - der Trump-Anhänger kommt

Im Verlauf dieser Call-In-Show kam es zu einigen witzigen Momenten. Etwa als angeblich Donald Trump am Telefon war. Worüber sich Lindell begeistert freute, nur um wenige Sekunden später zu merken, dass er einem Telefonstreich aufgesessen war. Ebenfalls im Programm: Kritik an Jimmy Kimmel („nicht mal mehr lustig“), eine E-Mail von Jimmy Kimmel (Einladung Lindells in seine Sendung) und frenetischer Jubel Lindells („das sind große Neuigkeiten. Wow. Ich bin absolut offen dafür“).

Und beide hielten Wort. Kimmel, der betonte, dass ihm viele Menschen davon abgeraten hatten, Lindell einzuladen, bot dem rechten Verschwörungstheoretiker Sendeminuten im landesweiten Abendprogramm und Lindell seinerseits folgte dem Ruf nach Hollywood. Im El Capitan Theatre trafen beide dann wenige Tage später tatsächlich aufeinander. Was folgte, war eine - auch in ihrer Schärfe - selten gesehene Auseinandersetzung zwischen Kimmel und einem seiner Gäste.

Kimmels Einleitung: „In der langen und bewegten Geschichte wurde nur ein einziger Kissen-Verkäufer ins Weiße Haus gerufen, weil der Präsident unzufrieden mit seinem Wahlergebnis war. Unser nächster Gast ist dieser Kissen-Mann und er hat einiges zu erzählen.“ Nach kurzem Geplänkel - einer kurzen Buchvorstellung und Aufarbeitung von Lindells ehemaliger Crack-Abhängigkeit - folgte das eigentliche Thema des Abends.

Mike Lindell war Crack-abhängig - jetzt macht er Millionen mit „MyPillow“-Kissen

Jimmy Kimmel: „Sie waren abhängig von Kokain und Crack. Sie haben in Kasinos betrogen, wurden herausgeworfen und saßen mehrmals in Haft. Dann haben Sie angefangen, Kissen herzustellen, haben aufgehört, Crack zu rauchen, haben Millionen von Dollar verdient. Dann haben Sie sich in Donald Trump verliebt und deswegen sitzen wir uns jetzt hier gegenüber. Habe ich was vergessen?“ Lindells Ergänzung: „Sie haben vergessen, dass Gott mich 2009 von allen Süchten befreit hat. Damals wusste ich noch absolut gar nichts über Politik.“ Ein Steilpass für Jimmy Kimmel: „Manche würden sagen, dass Sie das noch immer nicht tun, wenn ich ehrlich bin.“

NameMichael James Lindell
Alter59 Jahre (*28. Juni 1961 in Mankato, Minnesota)
UnternehmenMyPillow
Geschätzes Vermögen100 Millionen US-Dollar (Stand 2021)

Anschließend holte Kimmel aus: „Es wichtig, dass wir miteinander reden. Sie wissen, dass ich in nichts von all dem Zeug, das Sie behaupten, mit ihnen übereinstimme. Ich habe Sie studiert. Ich habe mir ihre Show angesehen und habe viel gelacht. Aber wissen Sie was? Manchen ist es nicht zum Lachen zumute.“

Mike Lindell distanzierte sich bei Jimmy Kimmel von dem Aufruhr am 6. Januar. Umgehend ging er zum Gegenangriff über. Er will Beweise haben für einen angeblichen Wahlbetrug, die er nach einer ausführlichen Überprüfung durch die besten IT-Experten an den Supreme Court geben möchte. Kimmel: „Finden Sie das nicht seltsam? Haben Sie sich nicht einmal gefragt, wie es sein kann, dass die einzige Person in diesem Land, die diesen Beweis hat, jemand ist, der Kissen im Kabelfernsehen verkauft?“

Mike Lindell auf dem Weg zu Donald Trump: Überbringer brisanter Papiere

Anschließend präsentierte Kimmel ein Bild, das Lindell im November 2020 auf dem Gelände des Weißen Hauses zeigt. Mit geschäftigem Blick und ein paar Blättern Papier in der Hand eilt er dabei zum Meeting mit Donald Trump. Kimmel: „In all der Hektik damals wurden Sie also ins Weiße Haus gerufen.“ Der Moderator ließ auf den kleinen Papierstapel in Lindells Hand zoomen: „Sehe ich es richtig, dass da etwas von Kriegsrecht steht, das, falls notwendig, angewendet werden soll?“

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„Das waren nicht meine Papiere. Ich wurde darum gebeten, sie dem Präsidenten zu bringen“, verteidigte sich Lindell. Kimmel: „Das waren nicht ihre Papiere und sie haben sie auch nicht gelesen?“ Lindell: „Nein.“ Kimmel: „Sie wollen also sagen, dass man Sie quasi als Schleppesel für Papiere genutzt hat?“ Der Kissen-Verkäufer ging nicht darauf ein. Inhalt des Meetings seien die Beweise gewesen, die ihm seit dem 9. Januar vorlägen - und sonst nichts.

Dann ging es um eine Summe von 50.000 US-Dollar, die Mike Lindell einem Rechtsfonds des kontroversen Anwalts Lin Wood gespendet haben soll. Dabei geht es um Mittel für die Verteidigung von Kyle Rittenhouse. Rittenhouse, ein rechtsextremer Teenager, soll von Illinois nach Kenosha in Wisconsin gereist sein, um dort auf Teilnehmende einer Black Lives Matter-Demonstration zu schießen. Zwei Menschen kamen dabei zu Tode, Donald Trump sprach von Notwehr.

Mike Lindell streitet Spende für rechtsextremen Todesschützen ab

„Das stimmt nicht“, wehrte sich Lindell. Er habe das Geld einfach an Lin Wood überwiesen, der mache verschiedene Sachen damit. Kimmel: „Als Sie herausgefunden haben, dass Wood das Geld einsetzt, um Rittenhouse zu verteidigen - haben Sie es zurückgefordert?“ Lindell: „Er hat es nicht dafür genutzt, sondern für Prozesse gegen den Wahlbetrug.“ Kimmel ließ es so stehen.

Anschließend fragte er den Unternehmer, ob er beabsichtige, als Gouverneur von Minnesota zu kandidieren. Bevor Lindell antworten konnte, platzte „MyPillow-Guy“ James Adomian ins Gespräch. Als Mike Lindell-Darsteller forderte er Mike Lindell zur Kissenschlacht auf. Diesen Sommer auf dem Jahrmarkt in Minnesota. Lindell stimmte zu. (Mirko Schmid)

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