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Die Kaltmiete liegt bei 8,50 Euro, die Wohnungen der anderen Investoren kosten teils vier oder sechs Euro mehr.
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Die Kaltmiete liegt bei 8,50 Euro, die Wohnungen der anderen Investoren kosten teils vier oder sechs Euro mehr.

Wohnungsbau

Der Spekulation einen Dämpfer versetzen

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Günter Bergmann, Bewohner des „Mietshäuser-Syndikats“ über sozial und nachhaltig verträgliches Wohnen und die Möglichkeiten einer neuen Regierung

Unser Projekt „Umbau²“ ist eins von drei Gebäuden des Mietshäuser-Syndikats auf Turley. Der Neubau gehört einer GmbH mit zwei Gesellschaftern. Das sind einerseits der Hausverein, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner organisiert sind, und andererseits die GmbH des Mietshäuser-Syndikats, die an allen angeschlossenen Projekten bundesweit beteiligt ist.

Diese Konstruktion hat den Zweck zu verhindern, dass eine Hausgemeinschaft entgegen den Zielen des Syndikats irgendwann sagt: „Die Preise sind gestiegen, wir verkaufen und gehen nach Mallorca.“ Außerdem unterstützt das Syndikat neue Projekte, wir zahlen dafür einen Soli-Beitrag.

Mehr gemeinschaftliche Wohnprojekte gegen Spekulation mit Immobilien

Zur Person

Günter Bergmann, 62, ist Anwendungsberater für Bautechnik. Er lebt mit seiner Freundin in dem Wohngebiet Turley auf einem ehemaligen US-Kasernengelände in Mannheim. Das Haus ist Teil des „Mietshäuser-Syndikats“, das sich bundesweit an gemeinschaftlichen Wohnprojekten beteiligt. 

Unser Haus ist aus Holz und Beton gebaut und fast klimaneutral. Von den zwölf Wohnungen nutzen wir eine gemeinsam, zum Beispiel für Gäste oder Homeoffice. Es gibt hier Familien mit bis zu drei Kindern, Paare, Alleinerziehende – auch zwei syrische Familien. Darunter sind Lehrer und Gewerkschafter, aber auch Krankenschwestern und Ergotherapeutinnen. Wir wollten eigentlich zwei Einheiten als Sozialwohnungen vermieten, sind 2015 aber an der Bürokratie gescheitert. Heute ist das in Baden-Württemberg möglich.

Schluss mit Spekulation bei Wohnraum

Für uns ging es darum, uns angesichts steigender Mietpreise eine Wohnexistenz zu sichern. Im Zuge der Konversion des ehemaligen Kasernengeländes gab es dann die Möglichkeit, das Grundstück für einen vergünstigten Preis von der Stadt zu kaufen. Unsere Kaltmiete liegt bei 8,50 Euro, die Wohnungen der anderen Investoren kosten teils vier oder sechs Euro mehr.

Die nächste Regierung sollte beschließen, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die solche Flächen verwaltet, die Grundstücke kostenlos an Städte und Gemeinden weitergibt, wenn dort gemeinwohlorientiert gebaut wird. Das wäre ein Dämpfer für die Bodenspekulation.

Die Serie

Zur Bundestagswahl am 26. September will die FR denjenigen Gehör verschaffen, die sich auch jenseits der Parteien engagieren: für neue Formen des Wirtschaftens, die den Planeten nicht zerstören. Für wohnliche Städte, gesunde Ernährung, umwelt- freundliche Mobilität. Für mehr politische Teilhabe und Gleichberechtigung.

Diese Menschen haben den Mut , auch das zu wählen, was nicht zur Wahl steht. Oft sind es nachdenklich-leise Töne, die von den Mächtigen in Politik und Wirtschaft arrogant ignoriert und von rechtspopulistischen Lautsprechern übertönt werden. Die FR-Serie „Wir können auch anders“ soll ein Verstärker für diese inspirierenden Stimmen sein.

Auch Sie, die Leserinnen und Leser, können sich an unserer Serie beteiligen. Was wäre das Erste, das die nächste Bundesregierung tun sollte? Schreiben Sie Ihre Antwort in einem bis drei Sätzen auf und schicken Sie sie an bundestagswahl21@fr.de . Eine Auswahl veröffentlichen wir im Rahmen der Serie.

Im Begleitstück zu diesem Text geht es um den Städtebau der Zukunft.

In der nächsten Folge geht es um soziale Ungleichheit. Sie erscheint am Freitag, 21. Mai.

Bisher erschienen: Der Auftakt der Serie zum Thema Demokratie am Samstag, 15. Mai.

Alle Teile zum Nachlesen unter fr.de/bundestagswahl

Ich könnte mir vorstellen, dass diese Forderung sowohl von einer grün-rot-roten Bundesregierung erfüllt werden könnte als auch von Schwarz-Grün. Jedenfalls wenn die Grünen stärker wären. Nur wenn die FDP dabei wäre, bin ich nicht so sicher.

Gemeinwohlorientierter Wohnungsbau mit rot-rot-grüner Bundesregierung?

Am besten wäre, die Grundstücke blieben bei den Kommunen und würden in Erbpacht vergeben. Dann wäre es gar nicht mehr möglich, dass Investoren günstig kaufen und später teuer weiterverkaufen. Und es sollte beim Wohnungsbau auf öffentlichem Grund ein Kontingent von 30 oder 40 Prozent an genossenschaftsähnlichen Projekten geben. In Wien, wo der Genossenschaftsanteil hoch ist, wird heute zu Quadratmeterpreisen von sechs Euro gebaut.

Was das Utopische betrifft: Ich sehe an unserem Projekt, dass es möglich ist, klimaneutral, sozial und nachhaltig zu bauen. Das gelingt mit Orientierung aufs Gemeinwohl. Wenn man den Klimaschutz nicht sozial gestaltet, auch beim Bauen, hat er keine Chance.

Aufgezeichnet von Stephan Hebel

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