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Frontansicht einer Wohnungsblocks.
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„Wir müssen darüber reden, wie viel Prozent des Einkommens maximal für eine Wohnung aufgewendet werden darf“, sagt Bruder Paulus Terwitte.

AUFGEZEICHNET

Wie könnte eine neue Regierung bezahlbaren Wohnraum schaffen? 

  • Tobias Schwab
    VonTobias Schwab
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Könnte eine neue Regierung die Miete an das Gehalt de Bewohnerinnen und Bewohner anpassen? Der Kapuzinermönch Bruder Paulus Terwitte überlegt sich wie.

Bruder Paulus Terwitte, Kapuzinermönch, ist in Frankfurt in der Obdachlosenarbeit engagiert.

Tief beeindruckt hat mich, dass Kanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingsfrage im Jahr 2015 eine klare Position vertreten hat und Zehntausende einreisen ließ. Deutschland am Hindukusch zu verteidigen, ist das eine. Aber sich der Verantwortung zu stellen, wenn die Menschen vor der Tür stehen, ist das andere. Das war für mich ein Wendepunkt in der Kanzlerschaft. Unser Grundgesetz, die soziale Marktwirtschaft und die Tatsache, dass wir ein so reiches Land sind, all das bringt eine globale Sozialverantwortung mit sich.

Bei uns stehen Hunderttausende Feriendomizile in weiten Teilen des Jahres leer, viele Dörfer sind geradezu ausgeblutet. In dieser Situation hat Merkel 2015 auch aus ihrem christlichen Grundverständnis heraus gesagt: „Wir schaffen das.“ Das hat in der Folge eine Menge an braunem Schmutz in unserer Gesellschaft hervorgewirbelt. Und damit aber auch eine Scheidung der Geister bewirkt.

Nach Merkel ist Zeit für einen Generationswechsel - auch in der Wohnungspolitik, sagt Bruder Paulus Terwitte.

Mit der Bundestagswahl ist jetzt einfach ein Generationswechsel dran, das spürt man. Ich erhoffe mir, dass eine neue Regierungskonstellation Menschen, die benachteiligt, arm und obdachlos sind, mehr soziale Teilhabe an den Errungenschaften unserer Gesellschaft verschafft. Dass wir über die Sozialpflichtigkeit des Eigentums neu diskutieren. Wir brauchen neue Formen des gesellschaftlichen Dialogs und dadurch eine Stärkung des demokratischen Handelns. Deshalb ist es auch ein ermutigendes Zeichen, dass jetzt beispielsweise die Grünen mehr Parteieintritte haben. Hoffentlich werden dann auch die grundsätzlichen Diskussionen geführt und es wird nicht nur an der Oberfläche gekratzt.

Weiterlesen: Halb Deutschland strampelt sich ab und kommt doch nie auf die sichere Seite, sagt Julia Friedrichs. Die künftige Regierung sollte den Kampf gegen Ungleichheit ganz oben auf ihre Agenda setzen.

In einem ersten Schritt müsste eine neue Regierung das Thema Zugang zu bezahlbarem Wohnraum auf die Agenda setzen. Wir müssen darüber reden, wie viel Prozent des Einkommens maximal für eine Wohnung aufgewendet werden darf. Eine gehaltsorientierte Miete – wie wäre das denn? Bei der Ausweisung neuer Wohngebiete sollte grundsätzlich mitgedacht werden, dass es immer Menschen gibt, die obdachlos und bedürftig sind und sich eine Wohnung nicht leisten können. Nach dem Housing-First-Konzept, wie es beispielsweise Finnland verfolgt, sollte eine Unterbringung solcher Menschen sozialpolitisch bei neuen Bauland-Projekten immer mitgedacht werden.

Die Serie

Zur Bundestagswahl am 26. September will die FR denjenigen Gehör verschaffen, die sich auch jenseits der Parteien engagieren: für neue Formen des Wirtschaftens, die den Planeten nicht zerstören. Für wohnliche Städte, gesunde Ernährung, umweltfreundliche Mobilität. Für mehr politische Teilhabe und Gleichberechtigung.

Diese Menschen haben den Mut, auch das zu wählen, was nicht zur Wahl steht. Oft sind es nachdenklich-leise Töne, die von den Mächtigen in Politik und Wirtschaft arrogant ignoriert und von rechtspopulistischen Lautsprechern übertönt werden.Die FR-Serie „Wir können auch anders“ soll ein Verstärker für diese inspirierenden Stimmen sein.

Auch Sie, die Leserinnen und Leser, können sich an unserer Serie beteiligen. Was wäre das Erste, das die nächste Bundesregierung tun sollte? Schreiben Sie Ihre Antwort in einem bis drei Sätzen auf und schicken Sie sie an bundestagswahl21@fr.de. Eine Auswahl veröffentlichen wir im Rahmen der Serie.

In der nächsten Folge geht es um Digitalisierung. Sie erscheint am Dienstag, 25. Mai.

Zuletzt erschienen: eine Folge zum Thema Städtebau und Verkehrsberuhigung am Dienstag, 18. Mai.

Alle Teile zum Nachlesen unter fr.de/Bundestagswahl

Bruder Paulus Terwitte: Eine neue Regierung muss die Pflege muss bei neuen Wohngebieten mitdenken.

Das gilt auch für alte Menschen. Wenn ich beispielsweise auf das neue Europaviertel in Frankfurt, mit all den schicken neuen Wohnungen schaue, frage ich mich, ob in neu geplanten Wohngebieten beispielsweise auch Pflegeeinrichtungen entstehen. Oder müssen wir kranke und pflegebedürftige Menschen dann in stadtferne Bezirke verfrachten? Eine neue Bundesregierung müsste schnell darauf hinwirken, dass die Lösungen für die sozialen Fragen wieder vor Ort, in den kleinen Einheiten, mitgedacht und gesucht werden.

Aufgezeichnet von Tobias Schwab

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