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Die Soldaten der Bundeswehr sind verunsichert.
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Die Soldaten der Bundeswehr sind verunsichert.

Bundeswehr

Miese Stimmung in der Truppe

  • VonSteffen Hebestreit
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Der Wehrbeauftragter des Bundestages hält die deutschen Soldaten für überlastet. Die Ursachen dafür sieht er unter anderem in der hohen Einsatzbelastung der Männer und Frauen. Als großes Problem stellte er die Vereinbarkeit von Dienst und Familie fest.

Die Soldaten der Bundeswehr sind tief verunsichert, die Stimmung in der Truppe ist gedrückt. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), hat am Dienstag ein besorgniserregendes Bild der Bundeswehr gezeichnet, was sich kaum von dem Befund unterscheidet, den er zwölf Monate zuvor ausgestellt hat.

Als Ursachen für die schlechte Stimmung in der Truppe führte der Wehrbeauftragte unter anderem die hohe Dienst- und Einsatzbelastung der Soldatinnen und Soldaten an. Hier seien vielfach die Grenzen der Belastbarkeit erreicht, teilweise sogar überschritten, kritisierte Königshaus.

So gelinge es immer seltener, nach einem viermonatigen Einsatz in Afghanistan beispielsweise die vereinbarte Regenerationszeit von 20 Monaten am Heimatstandort einzuhalten. Immer häufiger müssten Einheiten früher zurück in den Einsatz. Die große Verunsicherung der Soldaten werde durch die laufende Neuausrichtung der Bundeswehr verstärkt, erklärte der Wehrbeauftragte. Das neue Stationierungskonzept führe in immer stärkerem Maße dazu, dass Bundeswehrangehörige weite Strecken pendeln müssten, was viele Soldatenfamilien stark belaste. Etwa sieben von zehn Bediensteten der Bundeswehr würden regelmäßig an Wochenende pendeln.

Überdies herrsche für viele Soldaten nach wie vor Unklarheit darüber, wie sich ihre Laufbahn in der schrumpfenden Truppe entwickeln werde. Die Karriereaussichten seien nach der Reform der Bundeswehr unübersichtlich.

Als besonderes Problem markierte der Wehrbeauftragte in seinem Jahresbericht die schwierige Vereinbarkeit von Dienst und Familie bei der Bundeswehr. So fördere Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) zwar ausdrücklich die Elternzeit und setze vielfältige finanzielle Anreize für junge Väter, mindestens zwei Monate Elternzeit zu nehmen. In der Personalplanung der Bundeswehr sei dies aber weder vorgesehen noch künftig beabsichtigt. Jungen Eltern erschwere dies, von ihrem Recht auf Elternzeit Gebrauch zu machen. Königshaus forderte deshalb Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) auf, die Initiative seiner Kabinettskollegin Schröder in seiner Truppe zu unterstützen.

Mangelhaft sei des Weiteren auch die Versorgung mit Kindergartenplätzen. Die Streitkräfte seien nur sehr zögerlich dabei, Kindergärten oder Krippen einzurichten. Der Wehrbeauftragte führte den vergleichsweise geringen Anteil von Frauen in der Bundeswehr von knapp zehn Prozent unter anderem auf solche fehlenden Betreuungsplätze zurück.

Verbesserte Ausrüstung

Der Wehrbeauftragte berichtete über 50 Fälle von sexuellen Übergriffen, zumeist habe es sich um unerwünschte Berührungen gehandelt. In einem Fall soll es zur Vergewaltigung einer Soldatin gekommen sein ? die Staatsanwaltschaft ermittele noch. Vergewaltigungen stellten „glücklicherweise die absolute Ausnahme dar“, betonte Königshaus.

Die Zahl rechtsextremer Vorkommnisse stieg im abgelaufenen Jahr erstmals seit Jahren leicht an ? auf 67 Fälle. Zumeist waren es sogenannte Propagandadelikte, also das Hören rechtsextremistischer Musik oder das Zeigen verfassungsfeindlicher Abzeichen.

Königshaus lobte, dass sich die Ausrüstung und Bewaffnung der Truppen, insbesondere bei Auslandseinsätzen, nicht zuletzt durch seine Forderungen in den vergangenen Monaten deutlich verbessert habe. Es fehle allerdings in Afghanistan nach wie vor an Fahrzeugen, mit denen Straßen sicher von Sprengfallen gesäubert werden könnten.

Besorgt zeigte sich Königshaus, dass die Zahl der Soldaten steigt, die nach einem Einsatz mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. Die Zahl der Traumatisierten habe 2012 einen neuen Höchststand von 1143 erreicht. Es fehle an adäquaten Betreuungsplätzen. In rund der Hälfte der Fälle würden hier schon vor dem Einsatz vorhandene Vorbelastungen nicht erkannt.

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