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Skandalpolitiker Herschel Walker von Gnade Gottes „gerettet“

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Von: Tim Vincent Dicke

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Ex-Footballspieler und Republikaner Herschel Walker kandidiert in Georgia für den US-Kongress – unterstützt von Donald Trump
Ex-Footballspieler und Republikaner Herschel Walker kandidiert in Georgia für den US-Kongress – unterstützt von Donald Trump © Michael Zarrilli/AFP

In Georgia kämpft Herschel Walker vor den Midterms um Wählerstimmen. Skandale erklärt er mit psychischen Problemen – doch er sei „gerettet“ worden.

Atlanta – Herschel Walker will bei den Midterms in den USA für die republikanische Partei in den US-Senat einziehen. Der von Donald Trump unterstütze Kandidat kämpft im Bundesstaat Georgia um die Gunst der Wählerschaft. Aber seine Kampagne ist gezeichnet von Skandalen und massiven Anschuldigungen. Seine Vergehen hat er mit mentalen Problem in seiner Vergangenheit gerechtfertigt.

Anfang Oktober waren Vorwürfe gegen den Republikaner laut geworden, er habe eine Ex-Freundin 2009 zur Abtreibung gedrängt. Besonders heikel ist dies für Walker, da er in der Öffentlichkeit als beinharter Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen auftritt – der 60-Jährige will Abtreibungen nicht einmal bei Vergewaltigungen und Inzest zulassen. Die Berichte wies er bei Fox News zurück. „Ich habe nie für eine Abtreibung gezahlt, das ist eine Lüge“, sagte er im konservativen US-Sender.

Midterms: Trump-Kandidat spricht über psychische Probleme

Doch trotz des Dementis rechtfertigte Walker sich für seine Vergangenheit, angeblich habe er lange an psychischen Problemen gelitten. „Wie jeder weiß, hatte ich einen echten Kampf mit der psychischen Gesundheit, ich habe sogar ein Buch darüber geschrieben“, sagte Walker in einem Fernsehspot, der auf dem Höhepunkt der Kontroverse um ihn veröffentlicht wurde. „Und durch die Gnade Gottes habe ich es überwunden.“

Laut New York Times enthüllte der ehemalige American-Football-Spieler in seinen Memoiren, die 2008 veröffentlicht wurden, dass bei ihm eine dissoziative Identitätsstörung festgestellt worden sei. Er habe zwölf verschiedene Persönlichkeiten, schrieb er damals, die ihm dabei helfen würden, mit seiner traumatischen Kindheit umzugehen. Eigenen Angaben zufolge habe er sogar schon russisch Roulette mit einer geladenen Pistole gespielt.

Experte zweifelt an Herschel Walkers Darstellung

Diese Dämonen habe der Republikaner mittlerweile allerdings besiegt, sagt Walker in Reden und bei Veranstaltungen, um Wähler:innen in den USA nicht zu verschrecken. Im Wahlkampf sucht er die Nähe zu Evangelikalen – erzkonservative Christen, die meist zur Anhängerschaft Trumps gehören. Bei einer Kundgebung erklärte der umstrittene Politiker, dass er von der Gnade Gottes „gerettet“ worden sei.

Laut dem aktuellen Stand der Wissenschaft kann eine dissoziative Identitätsstörung nicht geheilt werden. Dr. David Spiegel, Psychiatrieprofessor an der Stanford University, sagte er der New York Times: „Man kann sich bessern. Aber sie verschwindet nicht einfach.“ Bei einer Debatte mit seinem demokratischen Gegenkandidaten Raphael Warnock sagte Walker der Tageszeitung zufolge: „Ich hole mir Hilfe, wenn ich welche brauche, aber ich brauche keine Hilfe. Mir geht es gut.“ (tvd)

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