1. Startseite
  2. Politik

Pastor gegen Football-Star: Georgia bleibt umkämpft – und gilt als Zünglein an der Waage

Erstellt:

Von: Nail Akkoyun

Kommentare

Unterstützer:innen jubeln dem republikanischen Senatskandidaten von Georgia, Herschel Walker, während einer Wahlkampfveranstaltung am 20. Oktober in Macon, Georgia, zu.
Unterstützer:innen jubeln dem republikanischen Senatskandidaten von Georgia, Herschel Walker, während einer Wahlkampfveranstaltung am 20. Oktober in Macon, Georgia, zu. © Jessica McGowan/AFP

Vor den Midterms schaut die USA gespannt auf Georgia: Im Südstaat will Trump-Schützling Herschel Walker Senator werden – und das Land stark beeinflussen.

Atlanta – Erstmals seit Bill Clinton gelang es bei der Präsidentschaftswahl 2020 einem demokratischen Kandidaten den Staat Georgia für sich zu entscheiden, als Joe Biden seinen Konkurrenten Donald Trump ausstach. Im Januar 2021 rückte der Südstaat wieder ins Rampenlicht, als die beiden demokratischen Senatoren Jon Ossoff und Raphael Warnock ihre jeweiligen Rennen für sich gewinnen konnten.

Letzterer will sein Amt am kommenden Dienstag (8. November) verteidigen, wenn es gegen Herschel Walker geht. Warnock ist Baptistenpastor der berühmten Gemeinde von Martin Luther King in Atlanta, sein republikanischer Konkurrent Walker verhalf als ehemaliger Football-Spieler der University of Georgia zum Gewinn einer Meisterschaft – und genießt alleine deshalb noch immer große Popularität.

Normalerweise werden Senator:innen in den USA für sechs Jahre gewählt. Für einen der Sitze stellt sich nun jedoch Amtsinhaber Warnock wieder zur Wahl, weil es vor beinahe zwei Jahren nur um den Abschluss der Amtszeit eines zurückgetretenen republikanischen Vorgängers ging. Beide Lager haben im Senat aktuell jeweils 50 Senator:innen. In Patt-Situationen gibt die Stimme von Vizepräsidentin Kamala Harris für die Demokraten den Ausschlag. Georgia könnte dabei das Zünglein an der Waage werden. Welche Partei sich hier durchsetzt, könnte sich die eigene, wenn auch wohl hauchdünne, Mehrheit sichern.

Der Trump-Effekt: Herschel Walker liegt trotz Skandalen in Midterms-Umfragen vorn

Herschel Walker gilt als eine seltene Stimme der schwarzen Konservativen, mehrfach sprach er über seine Freundschaft zum früheren US-Präsidenten Donald Trump. Trump selbst brachte laut eigener Aussage die Idee ins Spiel, dass Walker gegen Raphael Warnock antritt und für das Senatorenamt kandidiert. Dies dementierte der republikanische Kandidat vehement.

Zuletzt dominieren zudem eher negative Schlagzeilen die Wahlkampagne von Walker: Der Republikaner lehnt Abtreibungen streng ab, steht aber nach Medienberichten darüber in der Kritik, dass er mehrfach Frauen zu Schwangerschaftsabbrüchen gedrängt und diese bezahlt haben soll. Darüber hinaus entstanden Vorwürfe der häuslichen Gewalt gegen Frau. Walker hat seine „Entgleisungen“ derweil darauf zurückgeführt, dass bei ihm eine dissoziative Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde. Die Frage, ob ein mutmaßlich psychisch kranker Mensch für den Senatsposten kandidieren sollte, scheint innerhalb der Republikanischen Partei allerdings niemand zu stellen.

Aktuelle Umfragen zu den Midterms sehen die Republikaner, trotz Walkers Skandalen, knapp vor den Demokraten. Während neue Erhebungen von fivethirtyeight.com ebenfalls Walker vorne sehen, stuft der überparteiliche Cook Political Report das Rennen jedoch als „toss-up“, also als ungewisse Sache, ein. Neben Walker und Warnock kandidiert mit dem Libertären Chase Oliver darüber hinaus auch ein Dritter. Sollte kein Kandidat am Dienstag mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, würde eine Stichwahl die Politik in Georgia entscheiden – und damit auch ein Stück weit die des ganzen Landes. (nak mit dpa)

Auch interessant

Kommentare