1. Startseite
  2. Politik

Midterms in den USA: Republikaner machen Wahlwerbung mit transfeindlicher Hetze

Erstellt:

Von: Christian Stör

Kommentare

Stephen Miller winkt vor einem Abflug von Marine One vom South Lawn des Weißen Hauses in Washington, DC.
Der frühere Trump-Berater steckt hinter einer Kampagne, die sich gegen trans Menschen richtet. © Olivier Douliery/AFP

Vor den Zwischenwahlen gehen Rechte in vielen Bundesstaaten der USA mit transfeindlichen Sprüchen auf Stimmenfang.

Washington, D.C. – Der Tonfall ist eindeutig. „Die Biden-Regierung forciert radikale Gender-Experimente an Kindern“, heißt es in einem Radiospot. „Sagen Sie Joe Biden und den linken Fanatikern in ganz Amerika: ‚Hände weg von unseren Kindern.‘“ Oder: „Sie drängen Mädchen, Testosteron zu nehmen, damit ihnen Gesichtsbehaarung wächst.“ Und einmal ist die Rede davon, dass die Regierung Kindern den Weg ebnen wolle, Brüste und Genitalien zu entfernen: „Vor nicht allzu langer Zeit wusste jeder, dass man entweder als Junge oder als Mädchen geboren wird“, sagt der Erzähler. „Jetzt nicht mehr.“

Die Behauptungen in diesen Werbespots sind absolut grotesk und absurd. Einmal heißt es gar, die Biden-Regierung würde „Operationen zur Geschlechtsumwandlung bei Minderjährigen“ anordnen und „chemische und chirurgische Kastration von Jungen und Mädchen“ fördern. Doch den Republikanern in den USA ist kurz vor den Midterms 2022 (Zwischenwahlen) offenbar jedes Mittel recht, um im Wahlkampf punkten zu können. Das kommt nicht unerwartet, immerhin machen sie trans Menschen und vor allem trans Kinder schon seit geraumer Zeit zur Zielscheibe.

Republikaner kämpfen gegen Rechte für trans Menschen

Der Aufwand, den die Rechten betreiben, erscheint auf den ersten Blick erstaunlich. Denn das Thema hat bei den Wahlberechtigten keinerlei Priorität. Den Menschen in den USA ist am wichtigsten, wie sich ihre wirtschaftliche Lage entwickelt. Alles anderes spielt nur eine untergeordnete Rolle. Doch es könnte ein höheres Ziel dahinterstecken. Im Grunde geht es darum, langfristig die Rechte für trans Menschen abzuschaffen.

Hinter der großangelegten Kampagne steckt zum einen die Organisation America First Legal, die von Stephen Miller gegründet wurde, einem langjährigen Berater von Donald Trump. Dem Vorstand gehören auch Trump-Freunde wie Mark Meadows und Matthew Whittaker an. America First Legal hat in mindestens 25 Bundesstaaten entsprechende Anzeigen geschaltet. Eine weitere extremistische und entschieden gegen LGBTQ+ gerichtete Organisation, die Werbung gegen trans Menschen macht, ist das American Principles Project – eine Gruppe, die laut dem Southern Poverty Law Center „die Verschwörungstheorien der radikalen Rechten widerspiegelt“.

Ein weiterer Radiospot stammt von den Citizens for Sanity, einer Gruppe, deren Vorstand Gene Hamilton, Ian Prior und John Zadrozny umfasst, alles ehemalige Beamte der Trump-Regierung. Deren Anzeige warnt davor, dass „sogenannte Gesundheitsorganisationen experimentelle, gefährliche und irreversible Medikamente und Operationen fördern“, die „kleine Kinder lebenslang unfruchtbar, unfruchtbar und sexuell unentwickelt“ zurückließen: „Stoppt den Woke-Krieg gegen unsere Kinder“, sagt der Erzähler. „Stoppt den Angriff der extremen Linken auf unsere Jugend. Stoppen Sie den Wahnsinn.“

Menschenrechtler warnt vor Gewalt gegen trans Menschen

Justin Unga von der landesweit größten LGBTQ-Interessenvertretung Human Rights Campaign, sprach gegenüber der New York Times davon, dass die Anzeigen dazu gedacht seien, „die extremsten und gefährlichsten Elemente“ der konservativen Basis mit falschen Darstellungen aufzuheizen. Er warnte davor, dass eine solche Sprache „reale Konsequenzen“ habe. Zugleich wies er auf den Anstieg tödlicher Gewalt gegen schwarze trans Frauen hin.

Dass die Spots außer bei konservativen Talk-Radiosendern auch bei schwarzen und hispanischen Radiosendern gesendet werden, ist für Unga der Versuch, die Frustration unter der traditionell demokratischen Wählerschaft zu schüren, sodass sie erst lieber gar nicht wählen gehen. „Es ist ein zynischer Trick, Menschen davon abzubringen, an unserer Demokratie teilzunehmen.“ (cs)

Auch interessant

Kommentare