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Haben die USA endgültig die Schnauze voll von Trump?

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Von: Tim Vincent Dicke

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Kein Erdrutschsieg der Republikaner bei den Midterms: Nicht wenige sehen Trump in der Verantwortung. Gerät sein 2024-Plan ins Wanken?

Washington, D.C. – Die USA haben gewählt. Zwar sind noch nicht alle Stimmen ausgezählt und wichtige Rennen nicht entschieden, fest steht allerdings jetzt schon: Eine „rote Welle“, wie es sich die Republikaner im Voraus gewünscht haben, ist ausgeblieben. Donald Trump hatte sich früh in den Wahlkampf für die Midterms eingemischt. Trägt er die Schuld am schlechten Abschneiden der Konservativen?

So zumindest sieht es eine ehemalige Mitarbeiterin von Trump. Sarah Matthews fungierte unter dem umstrittenen Politiker als stellvertretende Pressesprecherin des Weißen Hauses. Sie sprach sich bei CNN gegen eine Kandidatur ihres früheren Chefs bei der Präsidentschaftswahl 2024 aus. Matthews zufolge trage Trump die Verantwortung für nicht gewonnene Sitze im Senat und Repräsentantenhaus. „Meiner Ansicht nach war die letzte Nacht der größte Indikator dafür, dass Donald Trump nicht der republikanische Kandidat im Jahr 2024 sein sollte. Er hat den Republikanern Sitze gekostet, die man hätte gewinnen können, indem er fragwürdige Kandidaten gefördert hat“, sagte Matthews bei dem TV-Sender.

Zweifelhafte Trump-Kandidaten bei den Midterms

Fragwürdige Kandidaten: Wen meint die Ex-Mitarbeiterin Trumps damit? Offenbar unter anderem den Republikaner Herschel Walker, der im Bundesstaat Georgia mit dem demokratischen Amtsinhaber Raphael Warnock um den hart umkämpften Senatsposten ringt. Es sieht danach aus, dass die beiden Politiker am 6. Dezember in eine Stichwahl gehen müssen. Sollte Walker verlieren, behalten die Demokraten ihre Mehrheit im Senat – für die Republikaner wäre das ein Schock.

Walker, ein ehemaliger American-Football-Spieler, gibt sich in der Öffentlichkeit als streng konservativer Abtreibungsgegner und ist auch sonst ganz auf Trump-Linie. Dieser unterstütze ihn im Wahlkampf, wie er es mit so vielen Loyalist:innen machte. Doch schnell kamen Details seines bewegten Privatlebens ans Licht, die Walker plötzlich ganz anders aussehen ließen.

Trump
Was ist denn hier los? Die „rote Welle“ von Trumps Republikanern ist bei den Midterms ausgeblieben. © Joe Raedle/AFP

Das US-Portal The Daily Beast berichtete knapp einen Monat vor den Zwischenwahlen, der 60-Jährige habe 2009 für seine damalige Freundin die Kosten für die Abtreibung übernommen. Die Frau zeigte eine Rechnung für den Schwangerschaftsabbruch und das Bild eines Schecks über 700 Dollar, den ihr Walker fünf Tage nach der Abtreibung schickte, zusammen mit einer Karte mit Besserungswünschen. Walker habe sie damals zu der Abtreibung gedrängt, gab die nicht namentlich genannte Frau an.

Wollen die Republikaner Trump nun hinter sich lassen?

Später meldete sich eine zweite Frau zu Wort – sie sagte, dass der Ex-Footballstar sie im Jahr 1993 zu einem Schwangerschaftsabbruch gedrängt habe. Er soll die Frau damals sogar in eine Abtreibungsklinik nach Dallas im Bundesstaat Texas gefahren und anschließend die Medikamente bezahlt haben. „Herschel Walker ist ein Heuchler, und er ist nicht geeignet, US-Senator zu werden“, klagte sie an.

Doch diese Skandale waren Trump egal, er stand weiter treu zu seinem Schützling. Georgias Vizegouverneur Geoff Duncan zeigt dafür kein Verständnis. „Ich denke, dass viele Republikaner wie ich heute Morgen aufgewacht sind und sich gefragt haben, was möglich gewesen wäre, wenn wir einen besseren Kandidaten ausgesucht hätten“, erklärte er bei CNN. Trump sei eine Figur, die die Republikaner nun hinter sich lassen müssten. „Es ist eine Botschaft an das ganze Land (...), dass dies ein Wendepunkt für die Republikanische Partei ist“, so Duncan.

Gefährlich ist für Trump insbesondere Floridas Gouverneur Ron DeSantis, der seinen Posten im Sunshine State bei den Midterms verteidigen konnte. Einer CNN-Umfrage zufolge wollen nur ein Drittel der republikanischen Wähler:innen, dass Trump 2024 antritt. DeSantis machte gleich in seiner Siegesrede klar, dass er noch lange nicht am Ziel sei: „Für mich hat der Kampf gerade erst begonnen“, sagte der 44-Jährige am Dienstag (8. November). „Ich glaube, dass wir für das Überleben des amerikanischen Experiments die wahren amerikanischen Prinzipien wiederbeleben müssen. Florida hat bewiesen, dass das möglich ist“, sagte DeSantis unter dem Jubel seiner Anhängerschaft. Trump erwähnte er mit keinem Wort.

Wahlen in den USA: Trump sieht sich so oder so nicht als Verlierer

Die Misstöne in den USA scheinen für Trump allerdings kein Problem zu sein – so stellt er es zumindest dar. Stunden bevor erste Ergebnisse der Zwischenwahlen vorlagen, hatte Trump dem Sender Newsnation ein bizarres Interview gegeben. „Nun, ich denke, wenn sie gewinnen, sollte ich den ganzen Ruhm ernten. Wenn sie verlieren, sollte ich überhaupt nicht beschuldigt werden“, so der ehemalige Präsident mit Blick auf die Republikaner. „Aber wahrscheinlich wird genau das Gegenteil der Fall sein.“

Trump prophezeite, dass er, wenn die Republikaner gewinnen, „wahrscheinlich sehr wenig Anerkennung bekommen wird“, obwohl er an vielen der großen Rennen beteiligt gewesen sei. „Wenn sie schlecht abschneiden, werden sie alles auf mich schieben“, beklagte sich Trump. (tvd)

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