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Republikaner lässt abtreiben – Trump-Vertrauter im Kreuzfeuer der Kritik

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Von: Tim Vincent Dicke

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Herschel Walker und Donald Trump.
Herschel Walker (r) will US-Senator werden. Unterstützung bekommt der Republikaner von Donald Trump. (Archivbild) © Kevin Dietsch/imago

Herschel Walker ist gegen Abtreibungen – und will den US-Wahlen in den US-Senat. Seine Freundin soll er zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt haben.

Washington D.C. – Der Republikaner Herschel Walker will bei den Midterms am 8. November in den US-Senat gewählt werden. Der frühere American-Football-Star ist ein Anhänger des Ex-Präsidenten Donald Trump – und radikaler Abtreibungsgegner. Doch nun ist er durch einen Bericht massiv unter Druck geraten. Demnach soll er einst einer Freundin einen Schwangerschaftsabbruch bezahlt haben.

Das US-Portal The Daily Beast berichtet, der 60-Jährige habe 2009 für seine damalige Freundin die Kosten für die Abtreibung übernommen. Die Frau zeigte demnach eine Rechnung für den Schwangerschaftsabbruch und das Bild eines Schecks über 700 Dollar, den ihr Walker fünf Tage nach der Abtreibung schickte, zusammen mit einer Karte mit Besserungswünschen. Walker habe sie damals zu der Abtreibung gedrängt, gab die nicht namentlich genannte Frau an.

Trump-Loyalist Herschel Walker wehrt sich: „Habe nie für eine Abtreibung gezahlt“

Walker tritt bei den Kongresswahlen in einem Monat an und bewirbt sich im Südstaat Georgia um einen Sitz im Senat. Das Rennen gegen den amtierenden Senator Raphael Warnock von der Demokratischen Partei gilt als eines der landesweit engsten Senatsrennen – und könnte darüber entscheiden, ob die Demokrat:innen ihre derzeitige hauchdünne Mehrheit in der Kongresskammer verteidigen oder sie an die Republikaner:innen verlieren.

Der 60-Jährige tritt mit einer stramm konservativen Agenda an und ist gegen das Recht auf Abtreibungen. Walker ist auch strikt gegen Ausnahmen bei Vergewaltigungen und Inzest. Er wies den Bericht in einem Interview bei Fox News zurück. „Ich habe nie für eine Abtreibung gezahlt, das ist eine Lüge.“ Er habe auch nie jemanden zu einer Abtreibung gedrängt.

Auf den Scheck angesprochen, sagte der Kandidat: „Ich sende vielen Menschen Geld.“ Walker hat im Wahlkampf schon für einige Aufreger gesorgt. Unter anderem gab es Vorwürfe der häuslichen Gewalt und des Aufblasens seines Lebenslaufes. Der Politik-Neuling musste zudem einräumen, dass er drei außereheliche Kinder hat.

Streit um Abtreibung: Donald Trump stellt sich auf Walkers Seite

Sein Sohn Christian reagierte auf den jüngsten Medienbericht zu der Abtreibung mit scharfen Attacken gegen seinen Vater. Er warf ihm in einem Online-Video unter anderem vor, die Familie zum „Gespött“ zu machen. „Du bist kein Familienmensch. Jedes Familienmitglied von Herschel Walker hat ihn gebeten, nicht bei der Wahl anzutreten, weil wir alle seine Vergangenheit kannten.“ Walker habe sich aber entschieden, seiner Familie den „Mittelfinger“ zu zeigen.

An Walkers Seite stellte sich dagegen Donald Trump, der einen entscheidenden Anteil an der Kandidatur des früheren Footballstars hat. „Sie versuchen einen Mann zu zerstören, der wahre Großartigkeit in seiner Zukunft hat“, erklärte Trump. Die Wähler in Georgia rief Trump auf, im November für Walker zu stimmen.

„Trump wird durch jeden Skandal geschwächt“

Fachleute wundert es nicht, dass vor den Midterms in den USA Skandale von Trump-loyalen Kandidat:innen ans Licht kommen. „Trump hat rund 200 republikanische Kandidaten unterstützt, die bei den Zwischenwahlen im ganzen Land aktiv sind“, sagte Mark Shanahan, Politik-Professor an der britischen University of Surrey, dem Magazin Newsweek.

Trump sei es nur darum gegangen, dass die von ihm unterstützten Politiker:innen bedingungslose Loyalität zeigten, wirklich nachgeforscht, wen er da eigentlich unterstützt, habe er nicht. „Die Trump-Basis bleibt stark – aber die Marke Trump wird durch jeden Skandal in der Boulevardpresse geschwächt, in den seine Kandidaten verwickelt sind, und noch mehr durch den schleichenden Prozess des Gesetzes“, so Shanahan. (tvd/AFP)

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