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Midterms: Frust über Prognosen - „stolpern durch die Dunkelheit“

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Von: Daniel Dillmann

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Die Midterms sorgen für Frust in der Meinungsforschung der USA. Es wird immer schwieriger, Ergebnisse vorherzusagen.

Washington, D. C. – Kaum eine Wahl dürfte jemals von so vielen Analysen, Prognosen und Hochrechnungen begleitet worden sein, wie die diesjährigen Midterms in den USA. Mehrmals täglich werden von Instituten wie FiveThirtyEight Umfragen zu den Zwischenwahlen aktualisiert, ausgewertet und eingeordnet. Doch der Eindruck, als ob durch Befragungen und Berechnungen der Ausgang vorhergesagt werden könne, trügt.

Blind in die Midterms. Der Meinungsforschung geht es ähnlich wie diesem Vater in New York.
Blind in die Midterms. Der Meinungsforschung geht es ähnlich wie diesem Vater in New York. © IMAGO/Laura Brett

Denn fragt man die Fachleute selbst, klingen sie vor dem Termin für die Midterms sehr beunruhigt. Gegenüber dem Nachrichtenportal Daily Beast gaben mehrere Fachleute an, sich mit belastbaren Vorhersagen schwer zu tun. Das läge zum einen an den teils sehr engen Rennen in vielen Bundesstaaten. Vor allem der Kampf um den Senat gilt als besonders spannend. Darüber hinaus haben die falschen Prognosen, die viele Institute vor der US-Wahl 2016 gemacht hatten, die Branche vorsichtiger gemacht.

Midterms: Kaum jemand traut sich genaue Prognosen zu

Das gilt unter anderem für Dave Wasserman vom Analyse-Portal Political Report. Wer die Zwischenwahlen gewinnt, will auch er nicht vorhersagen. „Wir stolpern in vielerlei Hinsicht mit Scheinwerfern und Taschenlampen durch die Dunkelheit“, so Wasserman. Man habe bei vielen Duellen zwischen Demokraten und Republikanern höchstens „ein vages Verständnis davon“, wie die Lage kurz vor dem Wahltermin der Midterms wirklich stehe.

Dafür gebe es vor allem einen Grund. Immer weniger Leute seien bereit, an Umfragen zu den Midterms teilzunehmen. So würde das Bild, das Befragungen ergeben, immer ungenauer werden. „Wir sind selbst an einem guten Tag auf ein Prozent der Menschen gesunken, die bereit sind, kostenlos mit uns zu sprechen“, so Wasserman gegenüber Daily Beast. Nate Silver von FiveThirtyEight sieht die Meinungsforschung vor demselben Problem. Es werde immer schwerer, weil „immer weniger Leute unsere Anrufe annehmen, und selbst wenn sie es tun, ist es immer noch viel von ihnen verlangt, einen ganzen Fragebogen zu beantworten.“

Midterms in den USA: Trump-Fans erschweren genaue Prognosen

Das sinkende Vertrauen in die Arbeit der Forscher:innen in weiten Teilen der Bevölkerung der USA trage seinen Teil dazu bei. Online-Umfragen könnten da zwar helfen, doch auch diese beinhalten systemische Probleme. Und auch bei der New York Times ist man sich der Schwierigkeiten bewusst. Nate Cohn, Chef-Analyst der Zeitung, sagte, man wisse längst nicht mehr, welche Motivationen sich hinter den Antworten auf Umfragen versteckten. Oftmals sei es eben nicht die Wahrheit, sondern parteipolitisches Kalkül.

Dazu wiederum gibt es durchaus Theorien. Laut einer seien vor allem Anhänger:innen der Republikaner Umfragen zu Wahlen kritisch gegenüber eingestellt. Diese Einstellung hatte sich durch Donald Trumps Weigerung, das Ergebnis der US-Wahl 2020 anzuerkennen, noch verfestigt. Vor allem seine Anhänger:innen vertrauen Wahlen seitdem eher weniger – und das ist noch vorsichtig ausgedrückt.

Republikaner fluten den Prognosen-Markt vor den Midterms

Eine andere Theorie beleuchtet die Strategie der Republikaner kurz vor den Midterms. Konservative Institutionen sollen den Markt der Meinungsumfragen vor den Zwischenwahlen gezielt geflutet haben – mit Ergebnissen, die eher für die Republikaner sprechen. So sollen Portale wie FiveThirtyEight, die viele Umfragen in ihre Prognosen einfließen lassen, auf die falsche Fährte gelockt werden. Silver bemühte sich, diese Bedenken auf Twitter zu zerstreuen. Meinungsumfragen seien ein freier Markt, auf dem jeder politischer Akteur tätig werden könne. Seine Seite würde aber jede Umfrage einstufen – und nur zu einem gewissen Faktor einbeziehen.

Doch auch Silver musste bereits eingestehen, dass die Umfragen in manchen Fällen bis zu fünf Prozentpunkten neben den tatsächlichen Ergebnissen der Midterms liegen könnten. Das mag in Kalifornien keine Rolle spielen, wo der Demokrat Alex Padilla mit 61 Prozent deutlich vor dem Republikaner Mark Meuser mit nur 39 Prozent liegt. Doch in Nevada, Arizona, Georgia, New Hampshire, Colorado, Ohio, Pennsylvania und North Carolina könnten fünf Punkte den Unterschied machen – mehr als genug Raum, um die Mehrheitsverhältnisse im Senat durcheinanderzubringen. (Daniel Dillmann)

In unserer Berichterstattung zu den Midterms informieren wir darüber, wo Sie die Wahlen im TV und Livestream sehen und wann mit ersten Ergebnissen zu rechnen ist. Die aktuellen Entwicklungen bei den Midterms können Sie in unserem News-Ticker verfolgen.

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