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Michael Cohen sagt vor dem US-Kongress aus.

Vernehmung von Michael Cohen

Cohen über Trump: „Ein Rassist. Ein Betrüger. Ein Schwindler“

Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen sagt vor dem Kongress aus - und lässt kein gutes Haar am Präsidenten.  

Michael Cohen wirft Donald Trump bei Anhörungen im US-Kongress vor, ein „Rassist“, „Blender“ und „Betrüger“ zu sein. Der langjährige Hausanwalt des Präsidenten rechnet im Kongress mit seinem früheren Chef ab und erhebt schwere Vorwürfe in der Russland-Affäre.

Der ehemalige „Pitbull“ Donald Trumps tritt vor dem Kongress wie ein geprügelter Hund auf. Dicke Ringe unter den Augen, heisere Stimme und blasse Hautfarbe - die Ereignisse der vergangenen Monate haben Michael Cohen mitgenommen. Sichtbar nervös steht er Punkt 10 Uhr 25 vor den Mitgliedern des „Oversight Committees“ auf, hebt die Hand und schwört die Wahrheit zu sagen.

Das hatte er schon einmal getan, um die Abgeordneten dann über zu belügen. Seitdem hat sich einiges geändert. Das FBI durchsuchte im Frühjahr 2018 Cohens Büros, Sonderermittler Robert Mueller vernahm ihn und ein Bundesgericht im südlichen Gerichtsbezirk von Manhattan verurteilte Cohen im Dezember zu einer mehrjährigen Haftstrafe.

Im November wechselte im Repräsentantenhaus die Mehrheit. Der neue Vorsitzende des für die Kontrolle der Regierung zuständige Komitees, der Demokrat Elijah Cummings, zitierte Cohen erneut zur Aussage und schärfte ihm ein, er werde keine Lügen dulden. „Verstehen sie das?“

Cohen antwortet kleinlaut mit „Ja“. Das letzte Mal sei er gekommen, um den Präsidenten zu schützen. „Diesmal komme ich, um die Wahrheit zu sagen.“

Nachdem die Republikaner erfolglos versuchten, die Anhörung zu stoppen, zielten sie darauf ab, Cohens Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen. Es sei eine Schande, dass die neue Mehrheit „als ersten Zeugen von jemanden hört, der den Kongress belogen hat“, beschwert sich der ranghöchste Republikaner im Komitee Jim Jordan.

Cohen ist auf diesen Moment vorbereitet. Er hat eine Reihe schriftlicher Dokumente mitgebracht, die seine brisanten Vorwürfe gegen Trump belegen sollen. Schecks mit der Unterschrift des Präsidenten, Finanzdokumente und Artikel. Harte Beweise, die für den Präsidenten noch gefährlich werden können.

Die himmelblaue Krawatte des Zeugen kontrastiert mit dem dunklen Bild, das Cohen von dem Mann zeichnet, für den er zehn Jahre lang tätig war. „Er ist ein Rassist. Er ist ein Blender. Er ist ein Betrüger“, setzt Cohen zu einer brisanten Litanei an handfesten Vorwürfen an.

Trump wusste von den Wikileaks-Emails

Cohen sagt unter Eid aus Cohens, Trump habe vor der Veröffentlichung der von russischen Hackern bei den Demokraten erbeuteten Emails Hillary Clintons gewusst.

Er sei im Juli 2016 in Trumps Büro gewesen als dieser einen Anruf von dessen langjährigen Vertrauten Roger Stone erhalten habe. Dieser habe ihm gesagt, er habe am Telefon gerade mit Julian Assange gesprochen. Der Wikileaks-Gründer habe ihm gesteckt, innerhalb der kommenden Tage werde es einen „massiven Abwurf“ an Emails geben, die Hillary Clinton schwer belasteten. Daraufhin habe Trump geantwortet: „Wäre das nicht großartig.“

Trump verfolgte Geschäftsinteressen in Russland bis vor die Wahl

Cohen behauptet, er habe noch bis weit in den Wahlkampf hinein in Moskau für den Bau eines Trump-Wolkenkratzers geworben. Zwischen den ersten Vorwahlen in Iowa und dem Krönungsparteitag der Republikaner im Sommer habe Trump ihn „mindestens ein halbes Dutzend Mal gefragt“, wie die Dinge in Russland liefen. „Trump wusste und leitete die Moskauer Verhandlungen während des Wahlkampfs und log darüber“.

Vor der ersten Anhörung vor dem Kongress habe er verstanden, dass Trump von ihm erwartete, über die Kontakte zu lügen. Unter anderen deshalb müsse er jetzt ins Gefängnis.

Trump wusste über das konspirative Treffen im Trump-Tower Bescheid

Cohen sagt, er sei Anfang Juni 2016 in Trumps Büro gewesen als Donald Junior hineinstürmte und zu seinem Vater hinter den Schreibtisch ging und ihm etwas zuflüsterte. Er habe dennoch deutlich gehört, was der älteste Sohn seinem Vater sagte. "Das Treffen ist in trockenen Tüchern". Trump habe daraufhin geantwortet: „Ok, gut ... halt mich auf dem Laufenden.“

Er habe sich an diese Begegnung erinnert als er von dem Geheimtreffen später im Juni aus den Medien erfahren habe. Dieses war mit einer Email mit dem Betreff „Schmutz über Hillary“ avisiert worden. Daran nahmen neben Trump Junior, Wahlkampfmanager Paul Manafort, Jared Kushner, Mittelsmänner in Moskau und eine Vertreterin der russischen Regierung teil.

Trump wies die Schweige-Geldzahlungen für Stormy Daniels persönlich an

Cohen präsentierte dem Kongress einem Kontoauszug, der die Schweigegeld-Zahlungen kurz vor den Präsidentschaftswahlen in Höhe von 135.000 US-Dollar an die Porno-Darstellerin Stormy Daniels von seiner Kreditlinie dokumentiert. Ein weiterer Scheck mit der Unterschrift belegt, dass Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von seinem Privatkonto Cohen einen Teilbetrag in Höhe von 35.000 zurückerstattet. Elf weitere Schecks folgen, die von Don Junior oder dem Finanzchef der Trump-Organisation Allen Weisselberg unterschrieben sind.

Trump habe die Zahlungen angewiesen und den Plan der verdeckten Rückzahlung abgesegnet. „Ich gehe auch deshalb ins Gefängnis, weil ich die Entscheidung getroffen hatte, Trump zu helfen, die Zahlung vor dem amerikanischen Volk vor den Wahlen zu verstecken.“

Trump ist ein Rassist

Cohen sagt vor dem Kongress aus, Trump habe über Farbige privat noch schlimmere Dinge gesagt als öffentlich. So hätte er ihn einmal gefragt, ob er ein einziges Land kenne, das von Schwarzen regiert werde, das kein „Shithole“ (Drecksloch) sei? „Das war als Barack Obama Präsident war.“ Als Grund, warum Schwarze nicht für ihn stimmen würde, habe Trump auch eine abfällige Erklärung gehabt. „Die sind zu dumm.“

Der Sohn eines Holocaust-Überlebenden hält seinem früheren Chef vor, mit einem Programm aus „Hass und Intoleranz“ angetreten zu sein. Er schäme sich, nicht vorher ausgestiegen zu sein.

Außerdem hielt Cohen Trump während der Anhörungen vor, er habe einen Strohmann vorgeschickt, ein Porträt von sich selber zum höchsten Preis der Auktion ersteigert zu haben. Die Kosten seien dann seiner angeblich „gemeinnützigen Stiftung“ in Rechnung gestellt und beglichen worden. Das Bild hänge heute in einem seiner Country Clubs.

Trump hatte bereits im Vorfeld der Anhörung versucht, das Zeugnis seines einmal als „sechsten Kindes“ bezeichneten Adlatus als „Lügner“ zu diskreditieren.

Cohen feuerte mit einer persönlichen Note zurück, indem er daran erinnerte, wie Trump ihn seinerzeit anwies die Wahrheit über seine Drückebergerei während des Vietnamkriegs zu lügen. „Ist das nicht eine Ironie, dass Du jetzt in Vietnam sitzt“, wandte er sich direkt an den Präsidenten, der die Anhörung zu nächtlicher Stunde in seinem Hotel in Hanoi am Fernsehen verfolgte. 

Autor: Thomas J. Spang

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