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Kurswechsel vor der Bundestagswahl. Markus Söder warnt vor „historischem Linksrutsch“ und wirbt für Armin Laschet.
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Kurswechsel vor der Bundestagswahl. Markus Söder warnt vor „historischem Linksrutsch“ und wirbt für Armin Laschet.

Einigkeit bei der Union

Markus Söder inszeniert sich vor der Bundestagswahl als Laschet-Freund

  • VonPatrick Guyton
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Wenige Wochen vor der Bundestagswahl versucht CSU-Chef Markus Söder den Eindruck zu vermitteln, er stehe hinter Kanzlerkandidat Laschet.

Kempten - „Wir stehen zehn Minuten vor dem Schlusspfiff“, ruft Markus Söder im Kemptener Illerstadion, „und das Spiel ist noch völlig offen“. Jetzt heiße es kämpfen für die Union, um künftig eine „Linksregierung“ im Bund zu verhindern. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident ist im Wahlkampfsound an diesem Abend im Allgäu, knapp vier Wochen vor der Bundestagswahl 2021.

„Stadion-Tour“ nennen die Christsozialen ihre Veranstaltungsreihe, die Söder in jeden der sieben bayerischen Bezirke ein Mal führt. 300 Besucherinnen und Besucher sind zu den Veranstaltungen zugelassen, 300 kommen nach Kempten. Den großen, schwitzenden Bierzelt-Wahlkampf, an den Söder etwas wehmütig erinnert – es gibt ihn im Corona-Jahr 2021 nicht.

Nach Kritik an Armin Laschet: Söder schlägt vor der Bundestagswahl neue Töne an

Gerade Söder hat den CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet wie kein anderer in der Union angezweifelt. In den vergangenen Monaten hat er kaum einen Seitenhieb ausgelassen („nicht mit dem Schlafwagen ins Kanzleramt“), um zu zeigen, dass er der Bessere gewesen wäre. Nun sagt er dem CSU-Wahlvolk, das dennoch an die Urnen gebracht werden soll: Ja, er habe ein „Angebot“ gemacht. „Doch darüber zu diskutieren, ist Vergangenheit.“ Und: „Ich unterstütze Armin Laschet zu 100 Prozent.“

Laut den Umfragen befindet sich die Union auf einem historischen Tief. Und Söder erkennt: Fällt die CDU, so rauscht auch seine CSU nach unten. In Umfragen zur Bundestagswahl liegen die Christsozialen bei miserablen 35 Prozent. Seine Partei in den Vordergrund stellen und den unbeliebten Kandidaten nicht beschädigen – das ist die Kunst dieses Wahlkampfes im Freistaat.

Vor der Bundestagswahl: Umfragetief bedeutet für die CDU und CSU nichts Gutes

„Wer vertritt denn bayerische Interessen in Berlin?“, fragt er rhetorisch. Sicher nicht die FDP und auch nicht die Freien Wähler (FW), die seiner Meinung nach „keine Chance“ haben, in den Bundestag einzuziehen. Über die FW, immerhin Koalitionspartner in Bayern, sagt er: „Im Westen kennt sie keiner, und im Norden versteht sie keiner.“

Erst jetzt, meint der Wahlkämpfer, „fangen die Leute genau an, ihre Meinung zu bilden“. Söder hofft auf das späte Tor in der Schlussphase. Er schreibt sich die abgelaufenen Jahre der Kanzlerin aufs Konto: „Angela Merkel und die Union haben unser Land 16 Jahre gut beschützt.“ Und lobt das jahrzehntelange Dauer-Regieren der CSU: „Wir haben Bayern gut beschützt.“ Er redet, als wolle er das Volk umarmen und dabei keinen vergessen. Die Schülerinnen und Schüler in der Corona-Zeit lobt er etwa: „Ich bin als Ministerpräsident stolz auf unsere jungen Menschen.“

CSU warnt vor Linksbündnis: „Wer Olaf Scholz wählt, wird mit den Linksradikalen aufwachen“

Und die Gegner:innen? Das sind im Söder-Dreiklang immer und immer „SPD, Grüne und Linke“. Die wollten „mit höheren Steuern die Wirtschaft abwürgen“. Die wollten „die Vergemeinschaftung der Euro-Schulden“. CSU-Vize-Generalsekretär Florian Hahn packt in seiner Ansprache zu diesem Thema den Holzhammer aus und ruft: „Wer Olaf Scholz wählt, wird mit den Linksradikalen aufwachen.“

Söder sagt über die andere, wahrscheinlichere Koalition ohne Unionsbeteiligung: „Auch eine Ampel ist eine halbe Linksregierung.“ Ein Bündnis mit den Grünen schließt er nicht aus, aber: „Denen müssen wir noch einige Zähne ziehen.“

Schwieriger Endspurt zur Bundestagswahl - Laschet „fast nicht zu vermitteln“

Im Kemptener Regen klatscht das recht gemischte Publikum höflich. Endspurt? Schwierig. Viele Leute von der CSU-Basis klagen, dass der Kandidat Laschet fast nicht zu vermitteln sei. Kein Wunder bei dieser speziell bayerischen Vorgeschichte. Söder lässt Vorwürfe nicht auf sich sitzen, natürlich werde Laschet auch im Freistaat plakatiert.

Nur liegt das Verhältnis zwischen Söders Konterfei und dem des Aacheners Laschet dem Augenschein nach bei zehn zu eins. Auch in Kempten versucht Söder nun, das „Mia san mia“ zu entfachen: „Bayern ist ein sensationelles Land.“ Und seine Partei ruft er auf, „bitte auch etwas selbstbewusst“ aufzutreten. Gerade daran hatte es ihr ja nie gemangelt. (Patrick Guyton)

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