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Mia Amor Mottley, Premierministerin von Barbados, spricht während der Eröffnungszeremonie des UN-Klimagipfels COP26 in Glasgow.
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Mia Amor Mottley, Premierministerin von Barbados, spricht während der Eröffnungszeremonie des UN-Klimagipfels COP26 in Glasgow.

COP26

COP26 - Mia Mottley warnt: „Wir wollen noch in hundert Jahren existieren“

Kleine Inselstaaten sind vom Klimawandel unmittelbar bedroht. Um nicht nur sie, sondern die ganze Welt besser zu schützen, braucht es Ehrgeiz und vor allem Geld. Ein Transkript der Rede von Mia Mottley, Premierministerin von Barbados, auf der UN-Klimakonferenz.

Eure Königliche Hoheit, Exzellenzen, verehrte Gäste, Damen und Herren. Die Pandemie hat uns gelehrt, dass nationale Lösungen für globale Probleme nicht funktionieren. Wir sind nach Glasgow gekommen mit dem weltweiten Anliegen, unsere Bevölkerungen und unseren Planeten zu retten.

Aber nun erkennen wir drei Lücken: beim Klimaschutz, den Klimazielen und den NDCs [Nationally Determinded Contributions, deutsch: national festgelegte Beiträge]. Ohne weitere Anstrengungen werden wir die Welt auf einen direkten Weg zur 2,7-Grad-Erwärmung senden. Und selbst wenn wir uns jetzt anstrengen, werden es wahrscheinlich zwei Grad sein. Viele Versprechungen basieren auf Technologie, die noch entwickelt werden muss, und das ist im besten Fall fahrlässig und im schlimmsten Fall gefährlich.

Mia Mottley auf der UN-Klimakonferenz: „Wenn Glasgow die Versprechen von Paris einlösen soll, dann müssen wir diese Lücken schließen.“

Bei der Finanzierung fehlen 20 Milliarden Dollar für unser Ziel von 100 Milliarden. Und selbst dieses Versprechen können wir frühestens 2023 erreichen. Bei der Anpassung an Klimaschäden bleibt die Finanzierung bei nur 25 Prozent und erreicht nicht die „Fifty-fifty“-Aufteilung, die versprochen wurde und angesichts der bereits geschehenen Erderwärmung auch gebraucht wird.

Die Klimafinanzierung für besonders bedrohte kleine Inselstaaten und Entwicklungsländer sank um 25 Prozent in 2019. Wenn die nötigen Finanzen nicht zur Verfügung gestellt werden, dann werden unsere Gemeinschaften diesen Preis mit Menschenleben und dem Verlust ihrer Lebensgrundlagen zahlen. Das ist unmoralisch und ungerecht. Wenn Glasgow die Versprechen von Paris einlösen soll, dann müssen wir diese Lücken schließen.

Also frage ich Sie, was sollen wir unseren Leuten sagen, die „an der Front“ in der Karibik, in Afrika, in Lateinamerika leben? Wenn sowohl der Ehrgeiz als auch viele wichtige Gesichter hier in Glasgow fehlen? Welche Ausrede sollen wir Ihnen für dieses Scheitern geben? Um die karibische Legende Eddy Grant zu zitieren: „Will they mourn us on the front line?“ [„Werden Sie uns an der Front betrauern?“]. Wann werden wir uns als Staatsoberhäupter und Regierungschefs aus aller Welt mit den dringenden Anliegen beschäftigen, die unsere Bevölkerung in Angst und Sorge versetzen – ob es um das Klima geht oder um Impfungen?

Einfach gesagt: Wann werden unsere Anführerinnen und Anführer führen? Unsere Leute schauen zu und sie merken sich, was wir tun. Werden wir Schottland wirklich ohne die Entschlossenheit und den Ehrgeiz verlassen, die es braucht, um Menschenleben und den Planeten zu retten?

Wie viele Stimmen und Bilder müssen wir hier noch sehen, ohne uns zu bewegen? Oder sind wir schon so blind und abgehärtet, dass wir die Schreie der Menschheit nicht mehr wahrnehmen? Ich habe den Menschen von Barbados schon vor Jahren gesagt: Viele Hände machen die Arbeit leichter. Heute brauchen wir die richtige Mischung aus Stimmen, Ehrgeiz und Handeln.

„Wann werden unsere Anführerinnen und Anführer führen?“ – Der eindringliche Appel von Barbados‘ Premierministerin Mia Mottley

Glauben manche Anführerinnen und Anführer in dieser Welt, dass sie allein überleben und vorankommen können? Haben sie nichts von der Pandemie gelernt? Kann es wirklich Frieden und Wohlstand geben, wenn nur ein Drittel der Welt Erfolg hat und die anderen zwei Drittel von katastrophalen Gefahren bedroht werden? Was die Welt nun braucht, meine Freundinnen und Freunde, liegt in der Hand von weniger als 200 Menschen, die bereit sind, zu führen. Anführer sollten keine Angst vor jenen haben, die sie gewählt haben.

Ich sage Ihnen, es gibt ein Schwert, das diesen Gordischen Knoten durchschneiden kann. Und dieses Schwert wurde schon einmal geschwungen.

Die Zentralbanken der wohlhabendsten Länder haben in den vergangenen 13 Jahren durch eine expansive Geldpolitik zusätzliche Mittel von 25 Billionen Dollar geschaffen. 25 Billionen. Davon galten neun Billionen dem Kampf der Pandemie in den vergangenen 18 Monaten. Hätten wir diese 25 Billionen genutzt, um Anleihen zu kaufen, um damit die Energiewende oder einen Wandel in unserer Ernährung und dem Transport zu finanzieren, dann würden wir heute unser lebensnotwendiges 1,5-Grad-Ziel erreichen.

Zur Person

Mia Mottley (56) ist die Premierministerin von Barbados. Als Vorsitzende der Barbados Labour Party (BLP) wurde sie im Mai 2018 als erste Frau in das Amt gewählt. Mottley stammt aus einer politisch sehr aktiven Familie und bekleidet neben ihrer Position als Premierministerin auch das Amt der Finanzministerin von Barbados.

In ihren Reden hat sich Mottley als Vertreterin von Barbados und anderen Inselstaaten schon mehrfach lautstark für eine weltweit bessere Klimapolitik ausgesprochen.

Barbados ist ein Inselstaat in der Karibik und gehört zu der Inselkette der Kleinen Antillen. Das Land ist Teil der Commonwealth of Nations. vale

Ich sage Ihnen heute, hier in Glasgow, dass eine jährliche Steigerung von 500 Milliarden Dollar zur Finanzierung der SDIs [Sustainable Development Initiatives] in einer Treuhand für die nächsten 20 Jahre die wahre Lücke ist, die wir heute schließen müssen, Herr Generalsekretär. Nicht die 50 Milliarden, die hier für die Anpassung vorgeschlagen wurden. Und wenn 500 Milliarden für Sie nach viel klingt, dann denken Sie mal nach, denn es sind nur zwei Prozent der 25 Billionen. Das ist das Schwert, das wir brauchen.

Unsere Begeisterung nach nur einer Stunde auf dieser Veranstaltung ist schon viel geringer als sie noch vor sechs Monaten war. Haben wir es nach all den Reden und diesen Bildern von Sir David [Attenborough, Vorredner] in uns, diese Resultate zu erzielen? Glasgow wieder auf Kurs bringen? Oder werden wir diese Veranstaltung verlassen in dem Glauben, dass wir noch vor dem Start gescheitert sind?

Zwei Grad sind ein Todesurteil für die Menschen von Antigua und Baruda, für die Menschen auf den Malediven, für die Menschen von Dominica und Fidschi, für die Menschen von Kenia und Mosambik. And ja, für die Menschen auf Samoa und Barbados. Wie wollen dieses Todesurteil nicht. 

Mia Mottley, PM von Barbados auf der UN-Klimakonferenz

Die ganze Welt, werte Freundinnen und Freunde, steht vor einer Kreuzung. Eine, die nicht weniger wichtig ist als die Gründung der Vereinten Nationen 1945. Aber damals existierte eine Mehrzahl der Länder hier noch nicht. Nun existieren wir. Der Unterschied ist, dass wir noch in hundert Jahren existieren wollen. Und sollte unsere Existenz etwas bedeuten, dann müssen wir im Interesse aller Menschen handeln, die sich auf uns verlassen.

Und wenn wir das nicht tun, erlauben wir der Gier und dem Geiz, die Saat für unsere gemeinsame Zerstörung zu säen. Die Anführerinnen und Anführer von heute, nicht von 2030, nicht von 2050, müssen diese Wahl treffen. Es liegt in unserer Hand. Und unsere Leute, unser Planet brauchen es mehr denn je.

Wir können mit denen zusammenarbeiten, die bereit sind. Denn der Zug ist bereit für die Abfahrt. Und jene, die nicht bereit sind, müssen wir weiter daran erinnern, dass ihre Bevölkerungen, nicht unsere, sondern ihre eigenen Bürgerinnen und Bürger, sie so schnell wie möglich an Bord brauchen.

Alarmstufe Rot. Alarmstufe Rot für die G7-Länder. Alarmstufe Rot. Alarmstufe Rot für die G20-Länder. Erde an COP [Klimakonferenz]. Das ist die Lage. Für alle, die Augen haben, um sie zu sehen. Für alle, die Ohren haben, um zuzuhören. Und für alle, die ein Herz haben, es zu fühlen.

1,5 Grad brauchen wir zum Überleben. Zwei Grad sind ein Todesurteil für die Menschen von Antigua und Baruda, für die Menschen auf den Malediven, für die Menschen von Dominica und Fidschi, für die Menschen von Kenia und Mosambik. And ja, für die Menschen auf Samoa und Barbados. Wie wollen dieses Todesurteil nicht. Wir sind hergekommen, um zu sagen: Strengt euch an! Strengt euch an!

Denn unsere Bevölkerungen, die Welt, der Planet braucht jetzt unser Handeln. Nicht nächstes Jahr. Nicht in den nächsten zehn Jahren. Vielen Dank! (Übersetzung: Valérie Eiseler)

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