Flug MH17

MH17-Abschuss in der Ostukraine - Vorwürfe gegen Russland

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Mehr als fünf Jahre hat es gedauert: Nun beginnt der Prozess um den Abschuss von Flug MH17 über dem Osten der Ukraine. Die Staatsanwaltschaft macht Russland neue Vorwürfe und spricht von Sabotage.

  • Abschuss von Flug MH17 über dem Osten der Ukraine
  • Prozess gegen drei Männer aus Russland und einen Ukrainer in den Niederlanden
  • Ermittler: MH17 wurde von russischer Buk-Rakete abgeschossen

Update vom 10.02.2020, 15.01 Uhr:

Im Prozess um den Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine wirft die niederländische Staatsanwaltschaft Russland vor, die Ermittlungen zum Absturz sabotieren zu wollen. Russland versuche "aktiv", die Ermittlungen "zu behindern", sagten die Staatsanwälte am Dienstag im Gericht im niederländischen Schiphol.

Die Staatsanwaltschaft warf Russland unter anderem Hacking-Versuche gegen die Ermittler vor und sprach über Befürchtungen, dass Moskau versuchen könnte, Zeugen aufzuspüren. Britische und niederländische Behörden hätten festgestellt, dass Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU an Versuchen beteiligt waren, "sich in die Systeme der malaysischen Ermittlungsbehörden zu hacken", sagte Staatsanwalt Thijs Berger vor den Richtern und erwähnte ähnliche Versuche bei den niederländischen Ermittlern.

Außerdem hätten mehrere Zeugen in dieser Untersuchung gesagt, sie würden "um ihr Leben fürchten, wenn ihre Identität aufgedeckt wird", führte Berger weiter aus.

Flug MH17: Prozess nach Abschuss beginnt ohne Angeklagte

Erstmeldung vom 09.03.2020: Mehr als fünfeinhalb Jahre nach dem Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine hat am Montag in den Niederlanden der Prozess gegen drei Russen und einen Ukrainer in Abwesenheit begonnen. Richter Hendrik Steenhuis erklärte das Verfahren vor einem Gericht in der Nähe des Amsterdamer Flughafens Schiphol für eröffnet.

Von Schiphol aus war die Maschine der Malaysia Airlines am 17. Juli 2014 gestartet. Bei dem Abschuss über dem Konfliktgebiet im Osten der Ukraine wurden 298 Menschen getötet, unter ihnen 196 Niederländer und 38 Australier. Auch vier Deutsche waren unter den Opfern.

Ermittler: MH17 von russischer Rakete abgeschossen

Der Absturz von MH17 über der Ostukraine

Ein internationales Ermittlerteam kam im Mai 2018 zu dem Schluss, dass die Maschine von einer russischen BUK-Rakete abgeschossen wurde, die von der 53. Luftabwehrbrigade in Kursk stammte. Bei den vier Angeklagten handelt es sich um die Russen Sergej Dubinski, Igor Girkin und Oleg Pulatow sowie um den Ukrainer Leonid Chartschenko. Sie sollen in den Reihen der prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine hohe Ränge bekleidet haben.

Die Anklage beschuldigt sie unter anderem, die Rakete in die Ostukraine gebracht zu haben. Wer sie letztlich abfeuerte, ist noch unklar. Da Russland und die Ukraine ihre Staatsbürger nicht ausliefern, wird nicht damit gerechnet, dass die Angeklagten in dem womöglich fünf Jahre dauernden Verfahren vor Gericht erscheinen werden.

Prozess um MH17: „Welche Rolle spielte Russland?“

Im Gerichtssaal waren zum Auftakt zahlreiche Angehörige der MH17-Opfer, Anwälte und Journalisten versammelt. Richter Steenhuis sprach von einer „grauenhaften Katastrophe“, die zu „einem tragischen Verlust von Menschenleben“ geführt habe.

Der Vorsitzende eines niederländischen Opferverbandes, Piet Ploeg, sagte, der Auftakt des Prozesses sei ein „sehr wichtiger Tag“ für die Angehörigen. „Es ist der erste Tag, an dem man uns sagen wird, was passiert ist, wer verantwortlich war und warum das Flugzeug abgeschossen wurde“, sagte Ploeg, der bei dem Abschuss von MH17  seinen Bruder, seine Schwägerin und seinen Neffen verloren hat. „Wir werden auch eine Antwort auf die Frage erhalten: ‚Welche Rolle spielte Russland?‘“, sagte Ploeg.

Nachdem das internationale Ermittlerteam 2018 seine Ergebnisse vorgelegt hatte, machten die Niederlande und Australien Russland für den Abschuss der Maschine und den Tod der 298 Insassen verantwortlich. Moskau bestritt stets jede Verwicklung und beschuldigte seinerseits die Führung in Kiew.

afp/dpa/sbh

Das Urteil beim MH17-Prozess in den Niederlanden könnte Russlands geleugnete Militärintervention im Donbas in eine Tatsache verwandeln. Die Analyse.

Rubriklistenbild: © AFP

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