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Ermittlungen laufen

Messerangriff in Würzburg: Täter angeblich von Neonazis angegriffen

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Nach der Messerattacke von Würzburg gibt es Vermutungen über das Motiv. Einige Spuren führen nach Chemnitz.

  • Am Freitag (25.06.2021) ereignete sich im unterfränkischen Würzburg ein Messerangriff. Drei Personen kamen ums Leben.
  • Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft.
  • Die aktuelle Nachrichtenlage zur Tat finden Sie hier.

+++ Update, 10:35 Uhr: Es sind noch viele Fragen offen, was das Motiv und die Hintergründe des Anschlags mit drei Todesopfern vom vergangenen Freitag (25.062021) betrifft. Bis 2019 wohnte der aus Somalia stammende mutmaßliche Täter in Sachsen, das ist bekannt. Nun kommt ans Licht, dass er dort eigenen Angaben zufolge Attacken von Rechtsextremen erlebte, wie die Deutsche Welle berichtet.

Der mutmaßliche Täter sprach 2018 mit einer Journalistin, die heute bei der Deutschen Welle arbeitet. Sie war in Chemnitz, um über die rechtsextremen Demonstrationen zu berichten. In Chemnitz hatte es nach der tödlichen Messerattacke auf den 35 Jahre alten Deutschen Daniel H. im August 2018 mehrfach Kundgebungen rechter Gruppen gegeben, darunter die AfD, Pegida und der rechtsextreme Verein Pro Chemnitz. Dabei wurden auch Migrant:innen und Journalist:innen angegriffen.

Blumen und Kerzen liegen am frühen Morgen in der Innenstadt von Würzburg, nahe des Tatorts.

Messerangriff in Würzburg: Täter schildert Angriff in Chemnitz

Der Somalier erzählte der Journalistin bei einem Treffen, wie er und ein afghanischer Freund in Chemnitz von vermummten, mutmaßlich rechtsextremen Schlägern angegriffen worden seien. Er habe weglaufen können, deshalb sei ihm nichts geschehen, doch sein afghanischer Freund sei von den rechtsextremen Schlägern verletzt worden. Die Journalistin berichtet, dass sie die Verletzungen des Mannes bei dem Treffen noch sehen konnte.

Der Journalistin erzählte der mutmaßliche Täter von Würzburg: „Wir haben Angst, große Angst, in Chemnitz zu leben.“ Er könne nicht einmal alleine einkaufen gehen. Er wolle deshalb nach Westdeutschland. Auf die Frage der Reporterin, ob er das Gefühl habe, dass die Rechten in der Stadt Hetzjagd auf Flüchtlinge machen würden, antwortet er: „Ja, immer, immer, immer, immer, immer.“

Ein netter Kerl, kommunikativ, überhaupt nicht schüchtern. So erlebte die heutige Deutsche Welle-Redakteurin den Attentäter von Würzburg. 

Würzburger Messerangriff: Seehofer spricht von gescheiterter Integration

Update vom Mittwoch, 08.10 Uhr: Nach der tödlichen Messerattacke von Würzburg hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) politische Defizite bei der Flüchtlingsintegration beklagt. „Wenn ein junger Mann sechs Jahre in einem Obdachlosenheim lebt, ohne dass jemand hinschaut und sich kümmert, dann kann ich mit unserer Politik nicht zufrieden sein, da fehlt es am Bewusstsein“, sagte Seehofer der Augsburger Allgemeinen (Mittwoch) mit Blick auf den tatverdächtigen 24-jährigen Somalier, der in Deutschland unter subsidiärem Schutz steht. „Da müssen wir, Bund und Länder, gemeinsam überlegen, ob unsere Integrationsbemühungen verstärkt werden müssen.“
 

Würzburger Messerangriff: Bislang kein Propagandamaterial beim Tatverdächtigen gefunden

Update vom Dienstag, 29.06.2021, 11.30 Uhr: Ermittler haben in der Unterkunft des mutmaßlichen Täters von Würzburg nach eigenen Angaben bisher kein Hinweise für ein islamistisches oder extremistisches Motiv entdeckt. „Bislang sind beim Tatverdächtigen noch keine Hinweise auf Propagandamaterial oder sonstige extremistische Inhalte gefunden worden“, teilten Generalstaatsanwaltschaft München und Landeskriminalamt am Dienstag mit.

Dennoch halten die Ermittler einen islamistischen Hintergrund der Tat für naheliegend. Die Generalstaatsanwaltschaft München begründete dies mit den zweimaligen Ausrufen von „Allahu akbar“ durch den 24-jährigen Tatverdächtigen während der Tat und einem Hinweis auf den sogenannten Dschihad nach seiner Festnahme im Krankenhaus.

Das Ermittlungsverfahren dauere an. Im Zuge dessen soll es ein psychiatrisches Gutachten geben, um zu klären, ob der 24-Jährige bei der Tat am Freitag schuldfähig war oder in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.
 

Messerangriff von Würzburg: Mutmaßlicher Täter war polizeilich bekannt

+++ 20.18 Uhr: Die Ermittlungen zum Messerangriff in Würzburg gehen weiter. Nun wurde bekannt, dass der Verdächtige schon 2015 polizeilich auffiel. Bereits damals ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn. Das teilte das Landeskriminalamt Sachsen der Welt auf Anfrage mit. Neben der Frage der Zurechnungsfähigkeit soll im weiteren Verlauf der Ermittlungen auch untersucht werden, ob die Gefahr durch den Mann unterschätzt wurde.

Die Situation 2015 sei folgende gewesen: Im Mai 2015 sei der mutmaßliche Täter nach Deutschland eingereist. Sechs Monate später begannen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Chemnitz. Wie die Welt berichtet, soll der Mann „in einer Asylunterkunft in einen Streit geraten sein.“ Dabei soll er einer Person leichte Verletzungen zugefügt haben. Das Verfahren wurde eingestellt, weil der Tathergang von beiden Betroffenen unterschiedlich dargestellt wurde.

Messerangriff von Würzburg - Mutmaßlicher Täter fiel im Januar 2021 schon auf

Das Motiv des Messerangriffs in Würzburg ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Zeitung Welt sei der mutmaßliche Täter allerdings im Januar 2021 schon mit seinem Verhalten aufgefallen. Er habe sich auffällig verhalten und mit Mitbewohnern und Verwaltern einer Obdachlosenunterkunft gestritten. Dabei soll er auch zu einem Messer gegriffen haben. Zu tätlichen Angriffen sei es nicht gekommen.

Das damalige Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und Beleidigung führte zu einer „vorübergehende Einweisung in eine psychiatrische Anstalt.“ Das berichtet die Zeitung. Darüber hinaus wurde eine psychiatrische Begutachtung gefordert, die jedoch noch nicht vorliegt.

Im Frühjahr 2021 erhielt die Polizei weitere Hinweise zu dem mutmaßlichen Täter. Er soll bereits als Kind in Somalia Straftaten begangen haben. Diese Hinweise wurden nicht weiter verfolgt. Im Juni 2021 folgt die nächste Auffälligkeit: Der Mann belästigte einen Autofahrer. Daraufhin folgte die Einweisung in eine psychiatrische Anstalt. Er wurde jedoch nach einem Tag wieder entlassen. Dem Medienbericht zufolge kamen die Ärzte zu dem Ergebnis, dass keine „Eigen- oder Fremdgefährdung“ bestand. Nun muss ermittelt werden, ob es sich dabei um eine Fehleinschätzung handelte.

Kerzen, Blumen und zwei Kränze wurden als Gedenken an die Opfer des Messerangriffs am 25.06.2021 neben den Tatort in Würzburg gelegt.

Messerangriff von Würzburg - Asylbewerber wird zum mutigen Helfer der Polizei

+++ 14.40 Uhr: Der Messerangreifer von Würzburg wurde durch das couragierte Eingreifen von Passanten daran gehindert, weitere Taten zu begehen. Einer von ihnen ist Chia Rabiei. Der Kurde mit iranischer Staatsbürgerschaft lebt nach eigenen Worten seit 18 Monaten in Deutschland, derzeit in einer Asylbewerberunterkunft in Würzburg. „Ich habe versucht, ihn beschäftigt zu halten, bis die Polizei kommt“, erzählt Rabiei der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Dietrich Winter und zwei Freunde, die er nach eigener Aussage seit Kindesbeinen kennt, haben eingegriffen: „Stühle, Flaschen - wir haben alles versucht. Das hat ihn aber nicht abgelenkt“, sagt der 21-Jährige. „Ich habe es als meine Aufgabe empfunden, alle Leute zu warnen und möglichst schnell weg von hier zu bringen.“

Messerangriff von Würzburg - Ministerpräsident Söder will Helfer auszeichnen

Sein Freund habe ein Baustellenschild aus der Halterung rausgezogen. „Wir sind zu ihm (dem Angreifer) gerannt und haben das Ding auf ihn geworfen“, sagt Winter. „Dann hat er sich wieder auf uns fokussiert und ist nicht in dieses Restaurant rein. Wäre er da rein, wäre noch mehr passiert.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder* (CSU) hat unterdessen angekündigt, mutige Helfer mit der Bayerischen Rettungsmedaille auszuzeichnen. Der Main-Post sagte er: „Sie haben ein Höchstmaß an Zivilcourage gezeigt“.

Messerangriff von Würzburg - Anwalt wartet auf Akteneinsicht

+++ 14.20 Uhr: Der Anwalt des Messerangreifers von Würzburg rechnet damit, dass die psychische Verfassung seines Mandanten erneut von einem Experten untersucht wird. „Natürlich muss eine neue psychiatrische Untersuchung erfolgen“, sagte Rechtsanwalt Hanjo Schrepfer am Montag (28.06.2021).

Der Verdächtige sitzt in Würzburg in Untersuchungshaft - wegen dreifachen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs weiteren Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall. Schrepfer wartet derweil weiter auf Akteneinsicht. Diese Woche wolle er sich dann mit seinem Mandanten treffen - wann das sein soll, verriet er allerdings nicht.

Messerangriff von Würzburg - Ermittlungen laufen in verschiedene Richtungen

Erstmeldung vom Montag, 28.06.2021, 13.10 Uhr: Würzburg - Nach dem tödlichen Messerangriff in Würzburg* mit drei Toten und sieben Verletzten laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Welches Motiv der 24-jährige mutmaßliche Täter hatte, ist bislang ungeklärt. Indizien deuten auf islamistische Hintergründe hin. Der Täter könnte aber auch psychisch krank sein und möglicherweise schuldunfähig.

Was wir über den Messerangriff von Würzburg schon wissen

Die Tat: Freitagnachmittag (25.06.2021) betritt der 24-jährige Mann den Ermittlungen zufolge ein Kaufhaus am Barbarossaplatz in Würzburg. Demnach fragt er eine Verkäuferin nach der Haushaltsabteilung und nimmt sich dort ein Messer aus der Auslage. Offensichtlich ohne jede Vorwarnung sticht er auf mehrere Menschen ein. Drei Frauen sterben. Er verlässt das Kaufhaus und attackiert in einer gegenüberliegenden Bank und auf der Straße Passanten, die er nach bisherigem Kenntnisstand wohl nicht kannte. Sieben Menschen werden verletzt, fünf davon lebensgefährlich, darunter ein Kind.

Die Opfer: In dem Kaufhaus sterben drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren. Sie wohnten in Unterfranken - in den Landkreisen Main-Spessart und Würzburg und in der Stadt Würzburg. Der Angreifer verletzte zudem drei weitere Frauen (39, 52, 73), ein Mädchen (11) und einen Jugendlichen (16) lebensgefährlich mit dem Messer sowie einen Mann (57) und eine weitere Frau (26) leicht. Die Elfjährige ist die Tochter der getöteten 49-Jährigen. Die 26-Jährige wohnt im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Alle anderen Verletzten kommen laut Polizei aus Stadt und Landkreis Würzburg.

Mutmaßlicher Täter von Würzburg lebt in einer Obdachlosenunterkunft

Der Täter: Im 6. Mai 2015 reist der Mann aus dem Bürgerkriegsland Somalia nach Deutschland ein. In Würzburg ist er seit dem 4. September 2019 als Asylbewerber. Sein Asylantrag wird zwar 2016 abgelehnt, aber er erhält subsidiären Schutz - er hält sich also legal in Deutschland auf, darf nicht in das afrikanische Land abgeschoben werden.

Der 24-Jährige soll in Mogadischu geboren worden sein. Zuletzt lebt er in Würzburg in einer Obdachlosenunterkunft. Warum genau er sein Heimatland, in dem seit 30 Jahren Bürgerkrieg* herrscht, verließ, ist unklar. Der Polizei war der Mann bereits vor der Attacke wegen aggressiven Verhaltens bekannt. Nach psychischer Auffälligkeit musste er auch in psychiatrische Behandlung - zwangsweise, wie Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU*) sagt.

Die Ermittlungen: Am Tattag ist die Polizei mit einem Großaufgebot in der Universitätsstadt präsent. Auch ein Hubschrauber wird eingesetzt. Die Obdachlosenunterkunft wird durchsucht, Beamt:innen sichern Beweise. Hinweise auf einen zweiten Täter haben die Ermittler nicht. Am Samstag (26.06.2021) übernehmen Landeskriminalamt (LKA) und Generalstaatsanwaltschaft München die Ermittlungen. Dies ist dann der Fall, wenn eine Amoklage vorliegt. Für einen klaren Terrorangriff wäre allerdings der Generalbundesanwalt zuständig.

Neben weiteren Gegenständen werden auch zwei Handys in der Unterkunft gefunden. Das LKA geht davon aus, dass sie dem Verdächtigen gehören. Die Funde werden derzeit von Islamwissenschaftlern bewertet. Unklar ist, ob auch Gegenstände entdeckt wurden, die auf ein politisches Motiv hindeuten könnten. Welche Beweise im Detail gesichert wurden, sagt das LKA bilang nicht.

Was wir über den Messerangriff von Würzburg nicht wissen

Das Motiv: Was hat den Mann zur Tat bewogen? Hinsichtlich dieser Frage gibt es viele Spekulationen und Theorien. Ist der 24-Jährige ein Islamist? Oder psychisch krank und womöglich schuldunfähig, oder war er nur zeitweise verwirrt? Ging er zielgerichtet vor? Wollte er überwiegend Frauen töten? Innenminister Herrmann sagt, es gebe Indizien für einen islamistischen Anschlag. Er stützt dies auf die Aussage eines Zeugen, wonach der Verdächtige bei der Tat „Allahu Akbar“ (deutsch: „Gott ist groß“) gerufen haben soll.

„Allahu Akbar“ wird von Dschihadisten und Salafisten oft wie einen Schlachtruf. Damit kapern die Extremisten die zentrale religiöse Formel des Islam, die seit Jahrhunderten von Muslimen weltweit benutzt wird.

Die Vorgeschichte: Seit seiner Einreise nach Deutschland ist der Mann bereits mehrfach in Erscheinung getreten. Einmal soll er in der Obdachlosenunterkunft nach einem Streit mit Mitbewohnern und der Verwaltung ein Messer geschwungen haben. Verletzt wurde dabei niemand. Zuletzt belästigte er vor wenigen Wochen in Würzburg in psychisch angeschlagenem Zustand Verkehrsteilnehmer, setzte sich bei einem Autofahrer sogar auf den Beifahrersitz. Daraufhin kam der 24-Jährige in eine psychiatrische Einrichtung, konnte sie aber nach einem Tag wegen fehlenden Behandlungsbedarfes wieder verlassen. (ktho/sot/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand /dpa

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