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„Kleine Paschas“: Merz legt nach – Ziemiak sieht sogar „gelenkte Debatte“

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Von: Florian Naumann

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Nach dem Ärger um Friedrich Merz‘ „Lanz“-Auftritt geht die CDU in die Offensive. Von einer „gelenkten Debatte“ ist gar die Rede. Doch die Kritik hält an.

Berlin/Frankfurt – Viel Ärger ist nach seinem „Lanz“-Auftritt über Friedrich Merz hereingebrochen. Trotzdem hat der CDU-Chef seine Aussagen nun verteidigt. Es sei nötig, „dass wir uns über die Frage unterhalten: Was läuft in diesem Land eigentlich schief?“, sagte Merz am Freitag (13. Januar) im ZDF-„Morgenmagazin“.

Der CDU-Chef hatte in dem „ZDF-Talk“ unter anderem Kindern von Menschen mit Migrationshintergrund als „kleinen Paschas“ gesprochen – im Kontext mit Problemen an Schulen in Deutschland. Anlass waren die Silvester-Krawalle in Berlin und die Suche nach Gründen. Wenige Sätze später hatte Merz vor allem „Jugendliche aus dem arabischen Raum“ ins Auge gefasst. Unter anderem der prominente Ökonom und „Lanz“-Mitdiskutant Marcel Fratzscher hatte das auf Anfrage von IPPEN.MEDIA nachträglich als „populistisch“ und wirtschaftlich kontraproduktiv gerügt.

„Pascha“-Debatte: Merz legt nach – und bekommt CDU-Schützenhilfe

Lehrerinnen und Lehrer hätten in den Schulen oftmals das Problem, von den Schülern anerkannt zu werden, sagte Friedrich Merz nun. Oftmals handle es sich um Schüler aus Migrantenfamilien. Über diese Themen müsse man diskutieren können, denn „was in der Schule schiefläuft, kann man hinterher in der Gesellschaft kaum noch wieder korrigieren“.

Schützenhilfe erhielt Merz von der früheren CDU-Familienministerin Kristina Schröder. „Wir haben das Problem mit Männlichkeit, Ehre und Gewalt gerade in migrantischen muslimischen Familien. Das hat Friedrich Merz gemeint und ins Talkshow-Deutsch übersetzt, als er von den kleinen Paschas sprach“, erklärte sie in einem Interview von Kölner Stadt-Anzeiger und Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Es war doch ganz klar, dass man ihm danach Populismus und Rassismus und whatever vorwerfen wird. Er hat Dinge ausgesprochen. Er hat den Debattenraum geweitet“, meinte die Ex-Politikerin.

Merz in der Kritik: „Gelenkte Debatte“? CDU-Chef sieht sogar „unerwarteten Zuspruch“

Der CDU-Abgeordnete Paul Ziemiak erhob gar Vorwürfe gegen Merz‘ Kritiker. Merz habe bei „Lanz“ keinesfalls Menschen über einen Kamm geschert, behauptete er in einem Tweet. Die Diskussion über einen „kleinen Ausschnitt“ der Debatte zeige, „wie man heute Debatten im Netz lenken kann“. In einer angehängten – ebenfalls kurzen – Sequenz ist Merz zu hören, der von sich weist, „pauschal“ mangelnde Integration anzuprangern. „Wir haben ein Problem mit einer kleinen Gruppe von Ausländern“, betonte der CDU-Chef darin.

Merz sprach im „Morgenmagazin“ hingegen sogar von „Zuspruch“ für seine Aussagen. „Wir haben eine interessante Diskussion geführt, und ich habe nach der Sendung eine für mich sehr unerwartete Zustimmung bekommen“, sagte er. „Es war eine gute Diskussion, aber eine notwendige Diskussion, was läuft in diesem Land schief.“

CDU „am Abgrund“: ZDF-Meteorologe und Klöckner zoffen sich auf Twitter über Merz

Abgeräumt ist das Thema damit aber wohl kaum. SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert warf Merz beim nächsten „Lanz“-Talk Unkenntnis der Sachlage vor. „Mich stört an dieser Diskussion, dass Zerrbilder von Berlin geschaffen werden durch Personen, die die Stadt überhaupt nicht oder nur das Regierungsviertel kennen“, rügte er. Kritik kam am Freitag auch von der SPD aus Bayern.

Auch am Tag nach Merz‘ Auftritt schlug die Debatte hohe Wellen auf Twitter. So gerieten sich etwa Julia Klöckner – eine weitere frühere CDU-Bundesministerin – und der ZDF-Meteorologe Özden Terli in die Haare. Terli hatte der CDU vorgeworfen, „am Abgrund“ zu stehen. Klöckner provozierte das zu Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Terli verwies darauf, dass es sich um seine Privatmeinung handele. Und bekräftigte seine Kritik: „Es ist verantwortungslos, die Debatte so zu führen, das ist auch politisches Kalkül, nichts davon ist zufällig!“, schrieb er. Stein des Anstoßes war ein Posting des CDU-Abgeordneten Sepp Müller. Er hatte Merz verteidigt und zugleich den einstigen CSU-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber zitiert: „Wer randaliert, fliegt raus, und wer kein Deutsch kann, kommt gar nicht erst rein.“ Terli rügte das als „ekelhaft“. (fn mit Material von dpa)

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