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Gefragt: Annegret Kramp-Karrenbauer.

CDU-Kandidaten

Merkels mögliche Nachfolger

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Nach 18 Jahren soll die CDU nun von einem neuen Parteichef geführt werden, oder einer Parteichefin. Wir stellen die potenziellen Nachfolger von Kanzlerin Merkel vor.

Welchen Beitrag kann ich persönlich in der jetzigen Situation leisten für unser Land und für meine Partei?“, fragte Bundeskanzlerin Angela Merkel und Parteichefin der CDU am Montag in Berlin. Und sie beantwortete die Frage selbst: „Auf dem nächsten Bundesparteitag der CDU im Dezember in Hamburg werde ich nicht wieder für das Amt der Vorsitzenden der CDU Deutschlands kandidieren.“

Merkel macht den Weg also für einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin frei; die FR zeigt auf, wer welche Chancen hat:

Annegret Kramp-Karrenbauer (56, CDU-Generalsekretärin, will kandidieren): Die Merkel-Vertraute liegt auf Kanzlerinnen-Linie und galt als aussichtsreiche Kandidatin für den Fall einer geordneten Übergabe. Im Zuge der Groko-Bildung hatte Merkel sie nach Berlin geholt – und die Ministerpräsidentin des Saarlands überraschend nicht zur Ministerin, sondern zur Generalsekretärin gemacht. Das galt als clever, weil „AKK“ so Merkel als „frisches Gesicht“ folgen könnte, das nicht zur Groko gehörte. Dennoch gilt sie als Merkels Wunschnachfolgerin – und scheidet so für die Konservativen aus, die einen Rechtsruck und ein Ende der Merkel-Ära wollen. Hilft AKK die Distanzierung, die sie seit Bayern- und Hessenwahl vollzieht?

Chancen: 60 Prozent

Friedrich Merz (62, Wirtschaftsanwalt, will kandidieren): Wenn die Konservativen in der CDU von früher schwärmen, fällt ihnen zuerst Merz ein. Obwohl der Westfale die Politik vor fast zehn Jahren verlassen hat, ließ er sich binnen Minuten nach der Meldung von Merkels Rückzug zur Kandidatur überreden. Dabei dürfte ihn auch Rache beflügeln: Als Parteivorsitzende hatte Merkel ihn nach der Bundestagswahl 2002 vom Fraktionsvorsitz verdrängt, den er zwei Jahre innehatte – der Anfang ihres Kurses zur Mitte. Auf den ersten Blick ist Merz eine verrückte Wahl: Nach 14 Jahren ohne Amt Parteichef? Andererseits macht für viele in Partei, Wahlvolk und Medien gerade das seinen Reiz aus: ein Querkopf, von der Ära Merkel unbelastet: Man sollte den Trump-Effekt nicht unterschätzen.

Chancen: 40 Prozent

Daniel Günther (45, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein): Der 45-Jährige, der seit 2017 in Kiel mit CDU, Grünen und FDP regiert, hat sich als sympathischer, liberaler und medienaffiner Überraschungsaufsteiger etabliert – und sich zuletzt immer wieder kritisch zu Wort gemeldet. Allerdings meist kritisch gegenüber der CSU und anderen Merkel-Kritikern – eine Integrationsfigur für die frustrierte Union wird er so nicht. Für eine spätere Kanzlerkandidatur dürfte er vielen Mitgliedern auch zu unbekannt sein.

Chancen: 20 Prozent

Jens Spahn (38, Bundesgesundheitsminister, will kandidieren): Niemand hat seine Ambitionen so lange so offen gezeigt wie der junge Minister aus dem Münsterland. Auf Parteitagen errang er kleine symbolische – und konservative – Siege gegen Kanzlerin Merkel, mischte sich immer wieder in Kurs- und Führungsdebatten ein. Merkel wollte ihn ruhigstellen und herausfordern, indem sie den Gesundheitspolitiker zum Minister machte. Spahns Versuch, das als Plattform für seinen Aufstieg zu nutzen, scheiterte: Er solle sich, hieß es schnell, doch erst einmal um Sachpolitik kümmern – worauf er in den Tiefen der Gesundheitspolitik versank. Jens Spahn ist befreundet mit FDP-Chef Lindner, der von Schwarz-Gelb ohne Angela Merkel träumt – gilt aber vielen in der Union noch längst nicht als „Kanzlermaterial“.

Chancen: 30 Prozent

Julia Klöckner (45, Bundesagrarministerin): Noch vor und im Zuge des Zuzugs vieler Flüchtlinge wurden der langjährigen Fraktions- und Landeschefin der pfälzischen CDU eine große Bundeskarriere zugetraut. Taktisch schlug sie oft den Mittelweg zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer ein: konservativ, aber Regierungslinie. Sie besetzte Themen wie das Burka-Verbot, stand im Asylstreit mit der CSU, aber klar zu Merkel. Ein Aufbruchsignal wäre sie nicht. Zudem hat sie als Spitzenkandidatin noch keine Wahl gewonnen, ist als Bundesvize seit 2012 mitten in den Merkel-Zirkeln und kassierte bei ihrer Wiederwahl zur Landeschefin gerade ihr schlechtestes Ergebnis.

Chancen: 10 Prozent

Ursula von der Leyen (60, Verteidigungsministerin): Lange galt sie als Merkels Wunschkandidatin für deren Nachfolge. Als Joachim Gauck nicht mehr Bundespräsident sein wollte, zog Merkel als Nachfolger sogar SPD-Mann Frank-Walter Steinmeier ihrer langjährigen Ministerin vor – damals war die Lesart: Die Niedersächsin wird als Kanzlerreserve gebraucht. Doch ihr Stern sinkt, seit sie im Verteidigungsministerium in diversen Skandalen abgetaucht ist, in denen sich ihr Talent zur Selbstinszenierung totlief. Im „Stern“ gab sie jetzt ein Abschiedsinterview – wissend, dass sie fester Teil der endenden Ära Merkel ist. „In jeder Generation gibt es eine, die Kanzlerin ist“, sagte sie da. „Und in meiner Generation ist es Angela Merkel. Dabei bleibt es.“

Chancen: 5 Prozent

Peter Altmaier (60, Wirtschaftsminister): Lange war der 60-Jährige aus dem Saarland Merkels rechte Hand und Helfer in der Not – und wurde Anfang des Jahres mit dem Posten als Wirtschafts- und Energieminister belohnt, wo er Sachpolitik machen kann, für die er sich interessiert. Zuvor war er Fraktionsgeschäftsführer der Union, Umweltminister sowie Kanzleramtschef und Flüchtlingskoordinator. Seine Kanzlerstärke wäre ein moderierender, sachorientierter und ausgleichender Stil. Gefragt sind stattdessen aber Visionen jenseits von Merkel. Altmaier wird wissen, dass er sich darum nicht einmal bemühen muss.

Chancen: 10 Prozent

Wolfgang Schäuble (76, Bundestagspräsident): Im Laufe seiner langen Karriere war Schäuble Kanzleramts-, Bundesfinanz- und Innenminister – und Parteichef, nach Kohls Niederlage 1998 bis 2000, als er wegen der Spendenaffäre abtrat und die „Verlegenheitskandidatin“ Merkel zugriff. In der CDU gab es vor- und nachher immer wieder Sehnsucht nach einem Parteichef Schäuble, seine Autorität in der Union ist unantastbar – auch, weil er Merkel gelegentlich kritisierte, dabei aber letztlich loyal blieb. Zuletzt deutete Schäuble an, die Groko könne auch ohne Merkel als CDU-Chefin und Kanzlerin weitermachen. Meinte er etwa, mit ihm als Übergangskanzler? Dann wäre der Parteivorsitz hilfreich gewesen. Nun aber hat sich Merkel selbst zur Übergangskanzlerin gemacht – CDU-Chef muss nun jemand werden, der ihr auch im Kanzleramt folgen soll.

Chancen: 5 Prozent

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