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Bald gemeinsam im Kabinett? Bundeskanzlerin Angela Merkel (links) und ihre Kandidatin für das Landwirtschaftsministerium, Julia Klöckner.

Groko

Merkels Minister-Riege steht

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich nach Angaben aus CDU-Kreisen am Sonntag auf ihre Minister festgelegt. Die CDU-Ministerriege im Überblick.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich nach Angaben aus CDU-Kreisen auf ihre Minister festgelegt. Sollten die SPD-Mitglieder dem Koalitionsvertrag zustimmen, dann sieht die CDU-Ministerriege folgendermaßen aus:

GESUNDHEIT: Jens Spahn

Einer der Jüngsten im Kabinett wird der bisherige Finanzstaatssekretär Jens Spahn sein. Der 37-Jährige hatte sich schon nach der Wahl 2013 Hoffnung auf dieses Amt gemacht, weil er sich im Bundestag von Beginn an mit Gesundheitspolitik beschäftigte. Nun forcierte der gelernte Bankkaufmann aus dem Münsterland seinen Aufstieg mit Hilfe des Wirtschaftsflügels und der Jungen Union. Weil Spahn sich als Kritiker Merkels profiliert hat, in dem er rechtskonservative Positionen besetzte, galt seine Berufung als Schlüsselentscheidung der Kanzlerin. Als Minister übernimmt er nun eines der Schwerpunktthemen der Koalitionsverhandlungen: den Kampf gegen die Pflege-Krise. Im Koalitionsvertrag gibt es dazu einige Vorgaben, die aber jetzt schon als nicht ausreichend gelten.

ERNÄHRUNG/LANDWIRTSCHAFT: Julia Klöckner

Über Jahre war das Agrarministerium in der Union ein klassisches CSU-Ressort. Nun übernimmt eine CDU-Frau den Job. Die Religionslehrerin Julia Klöckner ist nach der Juristin Renate Künast von den Grünen und nach Ilse Aigner (CSU) die dritte Frau auf diesem Posten. Die 45-Jährige hat einen Bezug zum Thema: Sie stammt aus einer Winzersfamilie und ist auf jeden Fall medienerfahrener als ihr öffentlich oft etwas tollpatschig agierender Vorgänger Christian Schmidt (CSU). Eines der wichtigsten Agrarthemen: der Umgang mit dem Pflanzengift Glyphosat. Eine Konsequenz hat Klöckners Wechsel wohl für Rheinland-Pfalz, wo Klöckner zwei Mal vergeblich versuchte, Ministerpräsidentin zu werden: Für die nächste Landtagswahl muss man sich dort wohl einen neuen Spitzenkandidaten suchen.

WIRTSCHAFT und ENERGIE: Peter Altmaier

Kaum eine CDU-Rede, in der nicht auf Ludwig Erhard, den ersten Wirtschaftsminister der Bundesrepublik verwiesen wird. Nun übernimmt zum ersten Mal seit 1966 wieder ein CDU-Mann den Job: Peter Altmaier tauscht ihn gegen den Posten des Kanzleramtsministers. Der 59-jährige Jurist steht unter besonderer Beobachtung. Die CDU trägt Trauer, weil sie das Finanzministerium an die SPD abgegeben muss. Das bisher als zweitrangig wahrgenommene Wirtschaftsministerium soll den Schmerz lindern. Tatsächlich frohlockt man in der CDU schon, dass nun die Zeit des von den Grünen bestellten Staatssekretärs Rainer Baake beendet sein wird, eine zentrale Figur bei der Energiewende. Denkbar ist, dass der auch auf niederländisch und französisch kommunikationsfreudige Saarländer Altmaier eines Tages als EU-Kommissar entschwindet und eine andere Saarländerin nachrückt: die bisherige Ministerpräsidentin und mögliche Kanzlerinnen-Erbin Annegret Kramp-Karrenbauer.

KANZLERAMT: Helge Braun

Er hat über Herzrasen promoviert. Nun soll der Mediziner Helge Braun aus Gießen in der Regierung für Ruhe sorgen. Der 45-Jährige übernimmt den Posten des Kanzleramtschefs, des engsten Zuarbeiters der Kanzlerin. Er ist für die Koordination und Krisenbewältigung in der Koalition zuständig. Es ist einer der aufreibendsten und der einflussreichsten Jobs in einer Regierung – und gleichzeitig einer mit der geringsten Öffentlichkeitswirkung. Weil sie neutrale Vermittler sein sollen, bleiben Kanzleramtschefs meist eher unsichtbar. Brauns Amtsvorgänger wie Frank-Walter Steinmeier und Thomas de Maizière wurden erst mit der Übernahme anderer Ministerämter richtig bekannt. Braun, bisher Staatsminister im Kanzleramt, muss nur ein paar Büros weiterziehen. Er hat auch noch eine weitere Funktion: Er ist der Hesse im Kabinett.

VERTEIDIGUNG: Ursula von der Leyen

Eine der wenigen Konstanten im Kabinett ist neben Angela Merkel Ursula von der Leyen. Die 59-jährige Ärztin bleibt Verteidigungsministerin. Bei Amtsantritt 2013 war sie die erste Frau auf diesem Posten. Von der Leyen stellte die Planung von Rüstungsprojekten in Frage und handelte sich Ärger mit der Truppe ein, als sie nach einigen Misshandlungsvorfällen und dem Auffliegen eines rechtsextremen Soldaten mit Attentatsplänen das Traditionsverständnis der Soldaten hinterfragte und Kasernen nach Devotionalien durchkämmen ließ. Der Bundeswehrverband, der von der Leyen massiv kritisierte, hat sich schon auf die neue alte Chefin eingestellt: Verbandschef André Wüstner zollte der Ministerin via Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung ausdrücklich Respekt für ihre Leistung.

BILDUNG UND FORSCHUNG: Anja Karliczek

Die Überraschung im Kabinett ist die Bildungsministerin. Die 46-jährige Betriebswirtin Anja Karliczek hatte niemand auf dem Zettel, ein wirklich neues Gesicht also. Sie ist erst zum zweiten Mal in den Bundestag gewählt worden, kümmerte sich dort um Finanz- und Tourismuspolitik. Nach der Wahl im letzten Jahr rückte sie etwas nach oben und übernahm einen der Posten der Fraktionsgeschäftsführer. Erstaunlich ist die Personalie aus einem weiteren Grund: Kurz vor der Präsidiumssitzung am Sonntagnachmittag verkündete der neue sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, dass es künftig eine Bildungsministerin aus Ostdeutschland geben werde. Das ist Karliczek nun sicher nicht. Sie kommt aus dem nordrhein-westfälischen Münsterland, aus dem Nachbarwahlkreis von Jens Spahn. 

INTEGRATIONSBEAUFTRAGTE: Annette Widmann-Mauz

In der CDU war die Tübingerin als mögliche Gesundheitsministerin gehandelt worden. Immerhin war die 51-Jährige bislang Staatssekretärin in diesem Ressort. Annette Widmann-Mauz allerdings blieb zurückhaltend. Es hieß, sie wolle ihrem Chef Herrmann Gröhe nicht den Job streitig machen. Das hat nun Jens Spahn übernommen. Widmann-Mauz, die auch als Vorsitzende der Frauen-Union eher zurückhaltend als forsch auftrat, bezieht als Integrationsbeauftragte ein Büro im Kanzleramt. Ihre Amtsvorgängerin Aydan Özoguz von der SPD war der CDU stets ein Dorn im Auge. Die Flüchtlingspolitik hat die Union wie kaum ein anderes Thema entzweit. Eine gelingende Integration gilt nun als zentrale Aufgabe – auch im Bemühen der CDU, den Zulauf zur AfD zu verkleinern. Wofür Widmann-Mauz in der Migrationspolitik steht, ist allerdings noch offen.

KULTUR: Monika Grütters

Berlins CDU-Generalsekretär Stefan Evers hat folgenden Wunsch fürs Bundeskabinett gehabt: „Ich wünsche mir frische Gesichter.“ Seine Chefin Monika Grütters bleibt nun Kultur-Staatsministerin. Sie gilt als Vertraute Merkels und dürfte bei der nächsten Abgeordnetenhauswahl versuchen, die CDU in der Hauptstadt mal in eine etwas bessere Position zu bringen als ihre unglücklichen männlichen Vorgänger. Die 56-Jährige ist pragmatisch, weniger Partei- als Fachpolitikerin. In ihrer ersten Amtszeit stritt sie sich um illegalen Antikenhandel, in der Auseinandersetzung um das Einheitsdenkmal in Berlin blieb sie zurückhaltend.

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