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Die Plätze am Kabinettstisch für Merkel und Vizekanzler Scholz bleiben am Mittwoch leer. rtr

Kontaktverbot

Merkels Appell kommt verzögert

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Kanzlerin verkündet Verlängerung des Kontaktverbots in einer Telefonschalte.

Angela Merkel sagt gerade noch „es gab ein gutes Miteinander in diesen schwierigen Zeiten“ – und gibt es ein Problem. Minutenlang ist die Kanzlerin verschwunden, nur ein elektrisches Sirren ist zu hören, lange Pausen, Telefontuten.

Gerade hat Merkel über ihre Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidenten berichtet, in einem telefonischen Pressestatement. Sie sitzt ja noch zu Hause in Quarantäne, weil sie Kontakt hatte zu einem Arzt mit Corona-Infekt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist zugeschaltet und der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). In Berlin hängen die Leute vom Bundespresseamt mit in der Leitung und eine Handvoll Journalisten.

„Geht es weiter oder nicht?“, fragt Söder ungeduldig. Er ist eigentlich an der Reihe jetzt. Aber es dauert noch ein bisschen. Es habe eine extreme Rückkoppelung bei der Aufnahme gegeben, heißt es dann aus dem Presseamt. „Hold the line, bitte warten Sie“, ertönt eine Ansage und dann: „Ja, Merkel.“ Die Kanzlerin ist wieder da und fragt schnell: „Ist Herr Söder noch dabei?“ Die Ungeduld hat sich offenbar mitgeteilt. Merkel beginnt von Neuem, der selbe Text, nur mit kleinen stilistischen Varianten.

Eines bleibt gleich in Merkels Statement. Sie spricht in beiden Versionen ungerührt von einem „gewohnten Format“ der Pressekonferenz. Das ist es maximal seit zehn Tagen.

Aber eigentlich ist ihre Botschaft eine andere: Bund und Länder verlängern die Kontaktbeschränkungen bis zum 19. April, also etwa bis zum Ende der Osterferien. Es gibt nichts zusätzliches, nichts strengeres. Aber alles dauert länger. Und es gibt die dringliche Bitte, an den Osterfeiertagen daheim zu bleiben und auf die traditionellen Familienbesuche zu verzichten. „Leider ist eine Pandemie nicht an Feiertagen orientiert“, sagt Merkel. Das sei hart. „Aber es rettet Menschenleben.“ Später wird sie noch etwas pathetischer: Sie verweist auf Artikel 1 des Grundgesetzes. Die darin festgehaltene Würde des Menschen „wird gelebt“, sagt sie. Und sie dankt einmal mehr den Bürgern.

Bund und Länder einig

Wie es nach Ostern weitergeht, lässt Merkel offen. „Wir können heute dazu keine Aussage machen“, sagt sie. Die Infektionsrate habe sich zwar leicht abgeschwächt, aber man sei weit von einer Lage entfernt, in der man Beschränkungen lockern könne.

„Damit haben wir ein bundeseinheitliches Vorgehen“, betont Merkel, und das ist gar nicht so selbstverständlich. In den ersten Wochen der Krise hatten die Länder sich zum Teil gegenseitig mit Maßnahmen überholt. Söder hatte mehrfach am Tag nach einer Ministerpräsidentenkonferenz neue Maßnahmen verkündet – sehr zum Ärger mancher seiner Kollegen.

Dann ist der Bayer selbst an der Reihe. Er warnt vor Exit-Debatten und betont wie Merkel und Tschentscher, dass es jetzt besonders wichtig sei, Pflegeeinrichtungen und Altenheime gut mit Schutzkleidung auszustatten. Der Mangel ist hier groß. Das mag zu einer weiteren Entscheidung geführt haben. „Wir werden derzeit keine Pflicht für Schutzmasken ausrufen“, sagt Söder.

Merkel spricht dann über die Idee, Kontaktpersonen von Infizierten künftig über Handydaten zu benachrichtigen. Sie glaube, „dass wir eine solche Entwicklung gut brauchen können in einer Phase, in der wir Kontakte wieder mehr möglich machen“, sagt die Kanzlerin. Würde Sie selbst eine solche App auch nutzen? „Ich würde unbedingt dafür sein, das zu empfehlen. Und ich wäre auch bereit, das für mich selber anzuwenden.“

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