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Die Soldaten erinnern Merkel daran, dass sie nur mit guter Ausrüstung einsatzfähig sind.

Kanzlerin

Merkel bei der Truppe

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Mit ihrem Besuch einer militärischen Übung in Munster sendet die Kanzlerin sowohl an Moskau wie auch an Washington Signale.

Am Anfang steht eine fast zärtliche Geste: Bundeskanzlerin Angela Merkel tätschelt einen Panzer. Der steht grün-braun gefleckt hinter einer Reihe von Offizieren, die sich zur Begrüßung aufgestellt haben. Vom Tätscheln wird schon wenig später nicht mehr viel übrig sein.

Merkel besucht den größten Heeresstützpunkt der Bundeswehr im niedersächsischen Munster. Oft ist sie nicht zu Gast bei der Bundeswehr im Inland. Der Termin ist ein Signal, eine Art Fernseh-Feldpostkarte an Wladimir Putin und Donald Trump, die Präsidenten von Russland und den USA. Die Panzerlehrbrigade stellt derzeit die sogenannte Nato-Speerspitze, die „Very High Readiness Joint Task Force Land“. Sie soll schnell eingesetzt werden können, wenn es einen Angriff gibt auf ein Nato-Land – es ist eine Reaktion auf die Annexion der Krim durch Russland.

Die USA, drängt fortwährend auf mehr Engagement Deutschlands in der Nato. Bilder von Merkel mit Panzern – vielleicht beeindruckt das Donald Trump mehr als Gespräche.

Die Kanzlerin, die sonst allenfalls beim Beenden von Pressekonferenzen etwas militärisch-zackiges bekommt, ändert ihre Tonlage. „Von Frieden reden alleine reicht nicht“, sagt sie bei einer Ansprache vor den Soldaten. Die Bundeswehr und mit ihr die Nato müssten „unter Beweis stellen, dass wir bereit sind, unseren Frieden zu verteidigen“. Wenn dies klar sei, wachse auch der Spielraum für Verhandlungen. Zum Ende ihrer Amtszeit geht Merkel also unter die Feldherren.

Die Haushaltsmittel für die Truppe müssten trotz gesunkener Steuereinnahmen weiter wachsen, setzt Merkel fort. Das ist die dritte Botschaft ihres Besuchs: der Appell vor allem an den Koalitionspartner SPD, den Verteidigungsetat zu erhöhen. Mangelndes Engagement für die Truppe war in den letzten Jahren eine stetige Klage in Teilen der Unionsparteien. Botschaft Nummer vier: Merkel hört die Wünsche ihrer Partei.

Zu den Worten passen die Bilder. Eine „dynamische Vorführung“ hat die Bundeswehr vorbereitet. Die Kanzlerin nimmt auf einer Tribüne Platz, Fernglas in der Hand, Ohrstöpsel in den Ohren.

„Schauen Sie nach vorne. Schauen Sie nach links. Schauen Sie nach rechts“, empfiehlt eine Stimme aus dem Lautsprecher in schneller Folge. Ein Amphibienfahrzeug durchquert rechts einen Fluss. Links seilen sich Soldaten aus einem Hubschrauber ab. Von rechts schießt eine Panzerhaubitze Nebelgranaten an den Waldrand. Von links kommen Scharfschützen gerannt, die Gewehre im Anschlag, die Uniform mit Zweigen getarnt. Auf 1000 Meter Entfernung könnten diese Soldaten ein Ziel treffen, versichert die Lautsprecher-Stimme. Und sie erinnert auch nochmal: „Die Vollausstattung mit Material und Personal ist eine wesentliche Voraussetzung für das Erreichen dieser hohen Einsatzbereitschaft.“

Für die Nato-Truppe sei man deshalb so gut ausgerüstet, weil man sich aus anderen Truppenteilen in ganz Deutschland alles Mögliche zusammengeborgt habe, hat zuvor ein Offizier gesagt. „Und was fährt und fliegt, funktioniert auch“ – die Fehleranfälligkeit der Ausrüstung ist auch so ein Thema in der Bundeswehr. Ziel sei es, „dass wir ab 2023 alles selber haben“, sagt der Offizier. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Wolfgang Hellmich (SPD) sagt dem RND dazu: „Das entscheidende Problem der Bundeswehr wird die Personallage sein. Wir liegen jetzt schon unter den Zielzahlen.“

Auf der Tribüne erscheint auf einem Bildschirm eine Militär-Landkarte. Über den Lautsprecher wird ein Befehl eingespielt: „Feindlage!“, schnarrt ein Mann. „Vierte Kompanie greift sofort an.“ Aus einer Baumgruppe brechen Panzer auf die Brache und schießen. „Der Panzerzug hat die fremden Kräfte links am Waldrand aufgeklärt und vernichtet“, vermeldet eine Stimme nüchtern.

„Das ist keine Theorieübung“, stellt Merkel danach ebenso nüchtern fest und betont schnell noch, dass es natürlich keine rein militärischen Lösungen gebe. Zum Abschied bekommt sie ein Bundeswehr-Esspaket mit Fertiggerichten. „Wehe, wenn mir das jemand wegnimmt“, sagt Merkel. Sie ist im Angriffsmodus.

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