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Unter sechs Augen: Kanzlerin Merkel (Bildmitte) mit Frankreichs Staatspräsident Macron und US-Präsident Trump.

Washington

Merkel und Trump haben viel zu besprechen

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Von Angela Merkels Besuch in Washington hängt für ganz Europa einiges ab.

Die Zeiten, in denen wir uns auf andere verlassen konnten, die sind ein Stück weit vorbei“, hatte Angela Merkel im Mai 2017 gesagt. Obwohl die Bundeskanzlerin US-Präsident Donald Trump und die USA gar nicht erwähnt hatte, verstand jeder, wer damit gemeint war.
Bis heute gilt ohne jeden Zweifel: Die USA sind seit dem Wechsel von Barack Obama zu Trump für Europa und insbesondere Deutschland ein schwieriger Partner geworden. Und: Merkel hat zu Trump einen eher schlechten Draht. Also zum mächtigsten Mann der Welt, den sie am Freitag in Washington besucht.

Auch wenn Merkel sich auf Trump nur bedingt verlassen kann und möchte, lassen sich ohne die USA international viele Probleme nicht lösen. Anders ausgedrückt: Der US-Präsident hat jede Menge Möglichkeiten die Weltlage zu verbessern oder auch zu verschlechtern. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit ihm – oder zumindest der Versuch einer geordneten Kooperation – unerlässlich.

Zölle und Deals

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Merkel jetzt zu Trump nach Washington reist. Zu besprechen gibt es bei dem Arbeitstreffen viel: Das gilt für den Handelskonflikt, den Trump vom Zaun gebrochen hat. Die EU ist zwar von den erhöhten US-Zöllen auf Stahl und Aluminium ausgenommen, aber vorerst nur bis zum 1. Mai. Es besteht also rascher Klärungsbedarf, um die Gefahr einer Eskalation einzudämmen.

Auch in Sachen Atomdeal mit dem Iran wollen Deutschland und Frankreich versuchen, Trump davon abzuhalten, das mühevoll erarbeitete Abkommen einseitig aufzukündigen. Macron war in dieser Woche bereits vor Merkel in Washington. Zwischen ihm und Trump läuft es menschlich besser als zwischen Merkel und dem US-Präsidenten.

Macron wurde von Trump mit viel Pomp empfangen. Der französische Präsident wiederum setzte auf eine Umarmungsstrategie und tätschelte Trump auf einer gemeinsamen Pressekonferenz immer wieder am Arm. Das Treffen mit Merkel dürfte nüchterner ausfallen. Aber am Ende komme es vor allem auf das Ergebnis an, das Merkel und Macron gemeinsam erreichten – so sieht das die deutsche Bundesregierung.

Verbesserungspotenzial besteht bei diesem Treffen zwischen Trump und Merkel ja auch schon in den ganz einfachen Dingen. Als Merkel vor rund einem Jahr zum Antrittsbesuch bei Trump in Washington war, forderten die Fotografen Trump und Merkel zum Händeschütteln auf. Merkel fragte Trump ermunternd: „Wollen Sie die Hände schütteln?“ Trump reagierte nicht. Er schaute stur nach vorn, während die Kanzlerin ihn zugewandt anblickte. Hinterher ließ Trump verbreiten, er habe die Frage nicht gehört.

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