US-Wahl

Melania Trump: Wie sie Donald Trump im Wahlkampf nützlich ist

  • Delia Friess
    vonDelia Friess
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Seit vier Jahren ist Melania Trump First Lady der USA an der Seite ihres Mannes Donald Trump. Doch handelt es sich bei der Beziehung nur um eine Zweckehe?

  • Melania Trump hatte während ihrer Zeit als First Lady immer wieder fragwürdige Auftritte.
  • Das Frauenbild von Melania Trump spricht viele Frauen in den USA an: Donald Trump nutzt seine Frau für politische Zwecke.
  • Alle Infos zu den Wahlen in den USA am 3. November finden Sie in den News zur Wahl 2020.

Washington - Laut Politikwissenschaftler:innen sind Frauen, insbesondere aus der „white middle class“ in den Vorstädten, wahlentscheidend in den USA. Die Stimmen der amerikanischen Wählerinnen sind also äußerst wichtig für den US-Präsidenten Donald Trump und seinen Herausforderer Joe Biden.

Bereits 2016 wurde Donald Trump von der Bewegung Women for Trump unterstützt. Das Frauenbild von Donald Trump und der Trump-Familie ist für die US-Präsidentschaftswahl 2020 also ein ausschlaggebender Faktor. Hochpolitisch und inszeniert sind daher auch die Auftritte von Donald Trumps Ehefrau Melania Trump.

First Lady Melania Trump: Ein unrealistisches Schönheitsideal

In den USA gibt es Frauen-Clubs, die Melania Trump als Vorbild haben und für ihr weibliches Idealbild Schönheitsoperationen in Kauf nehmen, wie eine ARTE-Dokumentation zeigt. Allerdings vertritt Melania Trump ein unwirkliches Schönheitsideal, das selbst durch zahlreiche Operationen modelliert wurde. Bereits kurz nach ihrer Begegnung in den 1990er Jahren soll sich Melania Trump für Donald Trump im Alter von Ende Zwanzig einer Reihe von Schönheitsoperationen unterzogen haben. Ein weit gehender Schritt, bedenkt man, dass der Milliardär Donald Trump in New York bekannt dafür war, sich mit vielen Frauen zu umgeben, und zum Zeitpunkt des Kennenlernens sogar noch verheiratet war.

Melania Trump: First Lady lernte Donald Trump kennen und ließ sich operieren

Melania Trump hat sich hier also dem Willen eines weißen, älteren Mannes gefügt, und sich quasi als ungenügend degradieren und durch Operationen „verbessern“ lassen. Dieser Schritt kann dafür sprechen, dass Melania die Beziehung als längerfristig einschätzte oder das zumindest hoffte. Und dafür, dass Melania Trump sich in sexistischen und rassistischen Strukturen bewegt: Wird ihrem Ehemann Donald Trump doch vorgeworfen für toxische Männlichkeit zu stehen.

Melania Trump fügt sich dem Willen eines weißen, älteren Mannes.

Doch sollte - wie schon in den USA diskutiert wurde - Melania niemandem leidtun. Die First Lady hat dieses Leben selbst gewählt und propagiert diese Strukturen, die sie mit Macht und Geld ausstatten. Sie könnte also durchaus als Kollaborateurin Trumps bezeichnet werden. Durch die freiwillige Diskreditierung ihrer Person als Objekt zugunsten Reichtum und Macht erklärt sie sich nicht gerade solidarisch mit jenen Frauen, die gerade unter diesen Machtstrukturen leiden.

Melania Tapes: Zweckehe zwischen Melania Trump und US-Präsident Donald Trump?

Melania Trump, die in eher bescheidenen Verhältnissen in dem sozialistisch geprägten Slowenien aufwuchs, wurde schon als kleines Mädchen von ihren offenbar ehrgeizigen Eltern zu Modeschauen und Modelwettbewerben geschickt. Als Melania Trump auf Donald Trump trifft, gilt sie nach branchenüblichen Maßstäben allerdings eigentlich als schon zu alt für eine Karriere.

Melania TrumpFirst Lady der USA und ehemaliges Model
Geburtsdatum26. April 1970
GeburtsortNovo mesto, Slowenien
EhepartnerUS-Präsident Donald Trump
GeburtsnameMelania Knavs
KinderBarron Trump (geboren 2006)

Wie wäre Melanias Leben weiter verlaufen, hätte sie Donald Trump nicht getroffen? Über die Alternative zu einer Heirat mit Donald Trump kann nur spekuliert werden. Donald bekam eine hübsche Begleiterin an den Arm, Melania zwei dynamische Jahrzehnte. Als sie Donald traf, war sie ein junges, unbekanntes Model. Dann heiratete sie, wurde Amerikanerin, bekam einen Sohn und wurde die First Lady der Vereinigten Staaten.“, beschreibt ihre ehemalige Vertraute Stephanie Winston Wolkoff die Beziehung zwischen Donald und Melania Trump gegenüber der BBC, wie auch die FAZ berichtet.

Melania Trump - viele Wählerinnen sind fasziniert von der Ehefrau von Donald Trump

Trotzdem inszeniert sich Melania Trump gerne als emanzipierte Frau, die den Geschäftsmann Donald Trump auf Geschäftsreisen begleitet, am liebsten in High-Heels. Häufig wird ihr dabei allerdings auch vorgeworfen keine Sensibilität bei ihrer Kleidungsauswahl zu zeigen und Stilettos auch in unpassenden Situationen wie bei einem Besuch in dem vom Sturm „Harvey“ erschütterten Texas getragen zu haben.

First Lady Melania Trump polarisiert wie ihr Ehemann Donald Trump.

Treu steht Melania zu Donald Trump, selbst wenn dieser durch Eskapaden auffällt. Sonst hält sie im Weißen Haus – meist schweigend – die Stellung, kümmert sich um Charity-Events und den gemeinsamen Sohn Barron Trump.

Melania Trump vermittelt also teilweise Eigenschaften, mit denen sich viele Frauen in den USA, die als Hausfrauen zuhause sind und konservative Werte vertreten, identifizieren können. Extremismus-Expert:innen sprechen auch von Rechtspopulistinnen, die sich als mütterlich sorgend inszenieren, wie auch die SZ berichtet. Das Frauenbild dieser Bewegungen wird auch mit „autoritären Anpassungsforderungen“ an Frauen beschrieben, wie Expert:innen in „Zeit“-Online berichten.

Toxische Weiblichkeit: First Lady Melania Trump gerät häufig in die Kritik

Dazu passt auch Melania Trumps Verhaltensweise. Gleichzeitig nutzt Donald Trump seine Ehefrau Melania Trump zur Verharmlosung seiner Politik: Wenn Donald Trump poltert, relativiert Melania durch leichte Beschwichtigungen oder gar Zurechtweisungen des Gatten durch Wegschlagen der Hand. Vorwürfe der außerehelichen Affären oder des sexuellen Missbrauchs von Frauen leugnet Melania Trump entweder oder verharmlost diese. „Sind halt Männer, die können nicht anders“, scheint die Haltung dahinter zu sein.

Melania Trump scheint als Migrantin aber auch zur Relativierung des Rassismus von Donald Trump ihrem Ehemann nützlich zu sein. Nach dem Motto: Wenn die Ehefrau eine gebürtige Slowenin ist, kann der Rassismus des Ehemannes ja nicht so schlimm sein. Dabei gibt es in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien teilweise sehr starken Rassismus gegenüber Minderheiten und Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen.

Melania Trump: Spekulationen um ihre Ehe mit Donald Trump

Auch der Zustand der Ehe von Melania und Donald Trump heizt immer wieder Gerüchte an: Warum geht Melania Trump nicht einfach, nimmt ihren Sohn, ihre amerikanische Staatsbürgerschaft und lässt sich eine Abfindungssumme auszahlen?, wird spekuliert. Aber das scheint Melania Trump anscheinend nicht zu reichen.

So soll Melania ihre Zustimmung für einen Umzug nach Washington an einen neuen Ehevertrag geknüpft haben, der ihrem Sohn mehr Rechte in der Trump-Dynastie und damit am Erbe einräumen soll. Zudem könnte Melania Trump wie in vielen osteuropäischen Ländern üblich, einen sehr konservativen Sinn für Familie haben, was sich daran zeigt, dass sie quasi mit ihrer gesamten Familie in den USA lebt. Ein außerehelicher Sohn ihres Vaters soll jahrelang nicht anerkannt worden sein.

Melania Trump: First Lady polarisiert und spaltet mit Kleidung

Melania Trump scheint die toxische Männlichkeit ihres Mannes Donald Trump zu nutzen und wie ihr Ehemann zu polarisieren und zu spalten – auch durch ihre Kleidung: Bei einem Besuch von einem Lager für Migrant:innenkindern, die von ihren Familien getrennt wurden, trug Melania Trump beispielsweise eine Jacke mit der Aufschrift „I really don’t care. Do you?“ Später behauptete die First Lady, dass diese Message an linke Medien gerichtet war.

Wie ihr Ehemann Donald Trump scheint die First Lady ihre Aussage, die auch an alle extremen Rechten im Lande gerichtet gewesen sein konnte, kurz darauf wieder zu relativieren, um Konservative nicht zu sehr zu verschrecken.

Eine mysteriöse Ehe: US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump bei ihrer Rückkehr ins Weiße Haus nach dem zweiten TV-Duell.

Melania Trump: Eine weitere Amtszeit von Donald Trump wäre ein Triumph

Melania Trump geht jetzt schon als First Lady, die keine gebürtige Amerikanerin ist, in die Geschichte der USA ein.* Eine weitere Amtszeit ihres Mannes Donald Trump wäre sicherlich auch ein Triumph für die ganze Familie Knavs aus Slowenien, wie Melania Trump vor ihrer Heirat mit Donald Trump mit bürgerlichem Namen hieß. Das Frauenbild, das Melania Trump vertritt, scheint gerade im ländlichen Amerika gut anzukommen. In Zeiten, in denen konservative Gruppen unter Identitätsverlust leiden, wird auch eine konservative bzw. rechte Geschlechteridentität verteidigt, begründen Politikwissenschaftler:innen diese Tendenzen.

First Lady Melania Trump dürfte für Donald Trump politisch wichtig sein.

Trotzdem offenbarte ein Enthüllungsbuch ihrer ehemaligen Vertrauten, die auch die sogenannten „Melania Tapes“ veröffentlichte, dass Melania Trump nicht unbedingt traditionell über Weihnachten denkt und gegenüber ihrer Vertrauten auch über die Trump-Familie gelästert haben soll. (Von Delia Friess)

*Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Artikels stand, dass Melania Trump die erste First Lady sei, die nicht in den USA geboren wurde. Das ist nicht korrekt. Bei der ersten First Lady, die nicht aus den USA stammt, handelt es sich um Louisa Catherine Johnson Adams, die Frau des sechsten Präsidenten John Quincy Adams. Sie wurde am 12. Februar 1775 geboren (noch vor der eigentlichen Gründung der USA) und kam in die USA erst vier Jahre nach ihrer Hochzeit mit John Quincy Adams. Wir haben den Fehler korrigiert.

Auf ARTE ist die Dokumentation über die Black Panthers zu sehen, die Teil der Bürgerrechtsbewegung in den 1960ern in den USA waren: Black Panthers, Arte, Dienstag, 20. Oktober 2020, Teil 1: 20:15 Uhr, Teil 2: 21:05 Uhr

Rubriklistenbild: © Chris Kleponis - Pool Via Cnp via www.imago-images.de

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