Corona-Krise in Saudi-Arabien

Den heiligen Boden nicht betreten - Mekka in Zeiten von Corona

  • Martin Gehlen
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Saudi-Arabien schränkt Zahl der Hadsch-Pilger ein. Nur 1000 Gläubige dürfen nach Mekka.

  • Auch Saudi-Arabien ist vom Coronavirus betroffen.
  • Pilgern nachMekka für Millionen fällt aus.
  • Die Grenzen sind dicht.

Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen in Saudi-Arabien gezögert, am Ende ließen ihnen die hohen Covid-19-Zahlen im Land keine andere Wahl: Der Hadsch als weltweites Pilgertreffen von 2,5 Millionen Muslimen fällt aus – zum ersten Mal in der knapp 90-jährigen Geschichte des Königreiches. Ende Juli soll es lediglich einen symbolischen Mini-Hadsch geben mit etwa 1000 Teilnehmern aus Saudi-Arabien, sagte der zuständige Minister Muhammad Saleh Benten. Kein Gläubiger von auswärts darf die Heimat des Propheten Mohammed diesmal betreten. Alle 2500 Sonderflüge sind annulliert, die Grenzen sind dicht.

Nach Mekka dürfen in Corona-Zeiten nur Auserwählte 

Auch für die meisten inländischen Pilger bleibt der heilige Boden um die Stadt Mekka in diesem Jahr gesperrt. Die wenigen Auserwählten, von denen keiner älter als 65 Jahre sein darf, müssen sich vor dem fünftägigen Ritual testen lassen und danach inQuarantäne begeben.

In den Wochen zuvor hatten bereits Nationen wie Indonesien, Malaysia, Senegal und Singapur von sich aus die Teilnahme ihrer Staatsbürger abgesagt. Das sei eine „sehr bittere Entscheidung“, sagte Indonesiens Religionsminister Fachrul Razi, dessen Nation mit 200 000 Pilgern normalerweise eines der größten Kontingente stellt.

Das Megaritual aber ist nicht nur frommer Gottesdienst, sondern auch ein gutes Geschäft. Normalerweise muss ein Muslim für die Reise nach Mekka umgerechnet 1000 bis 5000 Euro bezahlen, ein VIP-Hadsch mit Luxushotel und Blick auf die Kaaba kann leicht das Zehnfache kosten. Nach Berechnung der Wirtschaftskammer von Mekka bringt das Pilgergeschäft dem Königreich jedes Jahr rund elf Milliarden Euro ein. Umgekehrt investierte Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren enorme Summen, um das Millionenspektakel möglichst reibungslos zu gestalten. So existiert seit anderthalb Jahren zwischen Medina, der Hafenstadt Dschidda und Mekka eine Eisenbahntrasse mit Hochgeschwindigkeitszügen.

Sämtliche Visa wegen Corona gestoppt

Schon Ende Februar stoppte Saudi-Arabien wegen Corona sämtliche Visa für die Umrah, wie die kleine Wallfahrt heißt, die während des übrigen Jahres mehr als acht Millionen Besucher anzieht. Mekka und Medina wurden komplett abgeriegelt. In der Großen Moschee mit der Kabaa herrschte wochenlang totale Stille. Im Mai schwächte sich die Pandemie dann endlich ab.

Seit den ersten Lockerungen Anfang Juni jedoch steigen die Infektionsraten wieder und überschritten zuletzt mehrmals die 4000-er Marke. Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser werden die Betten knapp, immer mehr Ärzte und Pfleger erkranken. Alle internationalen Flugverbindungen der Wüstenmonarchie bleiben weiterhin auf unbestimmte Zeit gekappt.

Eine ähnliche Achterbahnfahrt erlebt auch der Gottesstaat auf der gegenüberliegenden Seite des Persischen Golfs, die Islamische Republik Iran. Hier schien bereits Ende April das Ärgste überstanden, als die Infektionszahlen unter 1000 pro Tag fielen.

Inzwischen steckt der Iran mitten in einer zweiten Welle mit täglich mehr als 2500 Neuinfektionen, so dass die Regierung der Bevölkerung androhte, es werde einen zweiten Lockdown geben, falls sich die Disziplin bei den Abstands- und Hygieneregeln nicht bessere. Fast 210 000 Iraner sind als Infizierte gemeldet, die Zahl der Toten pro Tag kletterte vergangene Woche erstmals seit Mitte April wieder auf über 100. Die Sprecherin des Teheraner Gesundheitsministeriums, Sima Sadat Lari, beschwor ihre Landsleute, zu Hause zu bleiben und keine Ausflüge in andere Landesteile zu unternehmen.

Rubriklistenbild: © AFP

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