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Adrienne Woltersdorf leitet das Afghanistan-Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kabul.
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Adrienne Woltersdorf leitet das Afghanistan-Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kabul.

Sicherheitslage in Afghanistan

"Die meisten fürchten die Macht der Taliban"

Adrienne Woltersdorf, für die Ebert-Stiftung in Kabul, über die Stimmungslage der Afghanen und die Ausschreitungen nach der Koranverbrennung durch US-Soldaten.

Die Proteste in Afghanistan sind das Ergebnis von verletzten Gefühlen durch die Koran-Schändung, von Frust über den schleppenden Aufbau des Landes und Ärger über Korruption. Das sagt Adrienne Woltersdorf, Chefin des Afghanistan-Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Frau Woltersdorf, wie erklären Sie die teils blutigen Proteste in Afghanistan?

Die Stimmung hier ist aufgeladen. Die Koran-Schändung durch US-Soldaten gehört zu einer Reihe von Taten, die die Gefühle der Menschen verletzten. Erinnert sei an das Video, das US-Soldaten zeigt, die auf tote Taliban urinieren. Oder auch an die nächtlichen Hausdurchsuchungen durch Isaf-Soldaten. Oder an zivile Opfer, wenn US-Soldaten Aufständische jagen. Der Zorn richtet sich nach solchen Vorkommnissen immer wieder gegen die USA und die Regierung Karsai.

Was wollen die Demonstranten?

Sie wollen, dass ihre Gefühle, ihre Kultur und natürlich ihre Religion respektiert werden und sich solche Ereignisse nicht mehr wiederholen. Da sie sich aber jüngst häuften, haben viele das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Das macht die vielerorts angespannte Stimmung explosiv. Denn viele sind generell von dem schleppenden Aufbau des Landes frustriert und zusätzlich verärgert über die Korruption. Bei vielen kommt die westliche Hilfe schlicht nicht an.

Bundeswehr-Soldaten haben den Stützpunkt Talokan nach Angriffen aufgegeben. Richtet sich der Unmut nun auch gegen Deutsche, die bisher eher geschätzt wurden?

Meiner Erfahrung nach unterscheiden die meisten hier sehr genau, aus welchem Land die Soldaten kommen. Die Bundeswehr hat immer noch einen guten Ruf. An deren Standorten wünschen sich viele Afghanen allerdings eine aktivere humanitäre Rolle.

Wird die Wut vieler Afghanen auch geschürt und instrumentalisiert?

Vor allem konservativ-religiöse Gruppen versuchen den Frust für ihre Zwecke zu nutzen. Sie wollen den Unmut gegen die sogenannten Besatzungskräfte und die Regierung Karsai vergrößern.

Fürchten Sie wie andere einen Flächenbrand?

Das hängt auch davon ab, wie erfolgreich vor allem jene Kräfte sind, die den Unmut schüren und welche Fehler der Westen noch machen wird.

Wie werden in dieser Stimmung die Bemühungen von Präsident Hamid Karsai aufgenommen, mit den Taliban über einen möglichen Frieden zu sprechen?

Die meisten fürchten, dass die Taliban am Ende zu viel Macht bekommen. Viele sind der Ansicht, dass die internationale Gemeinschaft ihre Truppen früher als 2014 abzieht und danach die Hilfen für das Land reduziert.

Das Gespräch führte Andreas Schwarzkopf.

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