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Russischer Ex-Diplomat überzeugt: „Putins Glückssträhne ist vorbei“

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Von: Oliver Schmitz

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Ein russischer Ex-Diplomat glaubt, dass Wladimir Putin im Ukraine-Krieg bisher vor allem Glück hatte. Das nun aber vorbei sei. Womöglich mit drastischen Folgen.

Moskau/Kiew – Mit der Teilmobilisierung der russischen Armee Ende September zeigte Wladimir Putin, dass er beim Ukraine-Konflikt nicht locker lassen wird. Und das scheinbar aus gutem Grund. Der russische Präsident wolle dadurch vor allem seine Macht erhalten, sagt der ehemalige russische Diplomat Boris Bondarew. Laut ihm sei Putins „Glückssträhne in der Ukraine vorbei“.

Aus der Sicht Russlands könnte der Krieg aktuell wohl tatsächlich besser laufen. Zuletzt haben sich die russischen Verluste in der Ukraine deutlich gehäuft. Für Boris Bondarew ist das kein Zufall. „Ich denke, dass er in den 20 Jahren, in denen er an der Macht war, sehr viel Glück hatte“, sagte der russische Ex-Diplomat im Interview mit Sky News. Dabei betont er, dass Putin seiner Meinung nach nicht sonderlich „klug“ sei.

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Die Kritik an Wladimir Putin nimmt zu.
Boris Bondarew sieht schwarz für die Zukunft von Wladimir Putin. © Gavriil Grigorov/dpa

Bondarew traut dem russischen Präsidenten zu, beim Ukraine-Krieg noch viel weiter zu gehen als bisher: „Wladimir Putin würde 10 oder 20 Millionen russische Soldaten opfern, nur um diesen Krieg zu gewinnen“. Der Ex-Diplomat ist überzeugt, dass es letztlich um das „politische Überleben“ von Putin gehe. Denn sollte Russland den Krieg verlieren, würde er in Erklärungsnot geraten. Einhergehend mit der Gefahr, dass man ihn absetzen könnte. Dementsprechend ist Bondarew davon überzeugt, dass eine Niederlage in der Ukraine Putins „Ende“ wäre.

Wer ist Boris Bondarew?

Boris Bondarew war von 2019 bis 2022 der russische Diplomat bei den Vereinten Nationen in Genf (Schweiz). Im Mai 2022 war als Protest gegen den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zurückgetreten. Seitdem lebt er im Exil.

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Dass Putin beim Ukraine-Krieg wohl nicht nachlassen will, zeigt auch die Vergrößerung der russischen Armee ab Januar 2023. Zeitgleich wächst wohl der Unmut in der russischen Bevölkerung gegenüber ihrem Präsidenten. Der Politikwissenschaftler Christopher Fettweis (Tulane University) glaubt, dass sich die öffentliche Meinung „gegen Putin wendet“, wie er gegenüber Newsweek erklärt.

Auch darüber gibt es einige Anzeichen für einen Stimmungswechsel in Russland. Für die Teilmobilisierung muss Russland teils auf bizarre Rekrutierungstaktiken zurückgreifen. Bei vielen Männern ist die Motivation in der Ukraine zu kämpfen nicht besonders hoch. Der russische Oppositionelle Ilja Ponomarjow glaubt sogar, dass Russland vor eine Revolution stehe. (os)

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