Was ist wirksamer Klimaschutz?
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Frankfurt 16.10.20 Podiumsdiskussion: „Aufwachen, Trend, Mut – Klimaschutz schreibt Geschichte(n)„ mit Friederike Otto (rechts) und Hannah Helmke, Moderation FR Chefredakteur Thomas Kaspar, Historisches Museum Frankfurt.

Klimaschutz

„Mehr wert, als das Licht auszumachen“

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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FR-Podium: Forscherin Friederike Otto und Unternehmerin Hannah Helmke berichten über wirksamen Klimaschutz.

Das Licht ausschalten, wenn wir nicht im Zimmer sind, mehr Fahrrad fahren, weniger Fleisch essen? „Wenn sich die Diskussion um individuelle Entscheidungen dreht, bringt uns das nicht weiter“, sagte die Klimawissenschaftlerin Friederike Otto am Freitag bei Open Books - dem Lesefest der Stadt Frankfurt anlässlich der Buchmesse. Die Frankfurter Rundschau hatte Otto gemeinsam mit der Unternehmerin Hannah Helmke unter dem Motto „Aufwachen, Trend, Mut – Klimaschutz schreibt Geschichte(n)“ auf das Podium geladen, die Moderation übernahm FR-Chefredakteur Thomas Kaspar.

Die Physikerin Otto, die das „Environmental Change Institute“ an der Universität Oxford leitet sieht den Hebel zu wirksamem Klimaschutz woanders: „Die Unternehmen müssen mitkommen, ob freiwillig oder nicht.“ Diese könnten zum Beispiel verklagt werden, weil sie lange Kohle verbrannt haben und so für Überschwemmungen mitschuldig sind. „Wenn man einmal eine Klage durchgebracht hat, werden die Unternehmen merken, dass ihr Geschäftsmodell ein Risiko ist“, sagte Otto. „Es gibt im Moment eine ganze Reihe von Klimaklagen. Die Kausalketten sind aber noch zu uneindeutig. Die können wir mit der Zuordnungswissenschaft schließen.“

Otto ist Mitgründerin der Zuordnungswissenschaft, durch die einzelne Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkregen dem Klimawandel zugeordnet werden können. Zum Beispiel wäre die Hitzewelle in Frankreich im vergangenen Jahr ohne den Klimawandel um zwei Grad kälter gewesen. „Wir werden den Klimawandel nicht aufhalten, wenn wir ihn nicht mit unseren Erfahrungen zusammenbringen“, ist Otto überzeugt. Am Freitag las sie aus ihrem Buch „Wütendes Wetter“ in dem sie unter anderem schildert, wie die Initiative „World Weather Attribution“ entstanden ist, die in Echtzeit Zuordnungsstudien verfasst. Damit will die Initiative Belege für den Beitrag des Klimawandels liefern, während die Diskussion um das Wetterereignis andauert.

Auch die Unternehmerin Hannah Helmke will sich für wirksamen Klimaschutz bei den Unternehmen einsetzen - ihr Hebel ist die Transparenz. Mit ihrem Start-Up „Right. Based on Science“ hat sie ein Modell entwickelt, mit dem sie das Klima-Risiko von Unternehmen bestimmen kann. Damit errechnet das Start-Up, um wie viel Grad sich die Erde erwärmen würde, wenn alle so wirtschaften würden, wie das Unternehmen. „Statt von außen zu sagen: ‚Ihr seid schlecht‘, schaffen wir Transparenz. Die Unternehmen müssen dann selbst sehen, wie sie mit dem Wissen umgehen“, sagte Helmke. Wenn Unternehmer mit dieser Zahl konfrontiert würden, entstünden Emotionen. „Die Emotion ist ein Fenster für Veränderung“, sagte Helmke, die neben Betriebswirtschaft auch Psychologie studiert hat.

Während „Right. Based on Science“ zu Anfang das Modell als Produkt verkaufte, haben sie ihre Methoden inzwischen offengelegt. „Das gehört uns nicht, das gehört allen“, ist Helmke überzeugt. Das Start-Up lebt davon, die dazu passende Software anzubieten.

Von Thomas Kaspar nach ihrer Motivation gefragt, antwortete Helmke, dass sie das Unternehmen gründen wollte, in dem sie glücklich ist. „Schön, dass das auch noch nach außen strahlt.“ Friederike Otto zitierte ihren Kollegen, der auf diese Frage immer antworte: „for fun“.

Und gibt es dennoch etwas, was die oder der Einzelne tun kann? Hannah Helmke forderte alle auf, Transparenz zu verlangen„Wenn Ihnen Ihre Bank etwas von einem Grünen Fonds erzählt, fragen Sie nach, was das bedeutet. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber: Auf welcher Seite der Zukunft stehen wir? Das ist mehr Wert, als das Licht auszumachen.“

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