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Mehr Hilfe für Entwicklungsländer

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Von: Tim Szent-Ivanyi

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Flüchtlinge in einem Lager in Kamischli im Nordirak, an der Grenze zu Kurdistan, greifen nach einem Block Eis.
Flüchtlinge in einem Lager in Kamischli im Nordirak, an der Grenze zu Kurdistan, greifen nach einem Block Eis. © rtr

Flüchtlinge gehen vor allem in arme Nachbarstaaten. Die GIZ arbeitete 2016 an Programmen mit einem Volumen von 2,4 Milliarden Euro.

Fast 66 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Allein in Syrien haben mittlerweile zwei Drittel der Einwohner ihren Heimatort verlassen müssen. Doch die Hauptlast dieser Völkerwanderung schultern nicht etwa reiche Länder wie Deutschland. Vielmehr sind etwa 84 Prozent der Flüchtlinge in Nachbarstaaten untergekommen, die in der Regel selbst Entwicklungsländer sind.

Darauf machte am Montag die Vorstandschefin der bundeseigenen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Tanja Gönner, aufmerksam. Einer der Schwerpunkte der GIZ sei daher, diese Länder darin zu unterstützen, mit der zusätzlichen Belastung umzugehen und damit neue Konflikte zu verhindern, sagte Gönner auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens, das weitgehend im Auftrag der Bundesregierung und mit deutschen Steuergeldern im Ausland aktiv ist.

„Die Unterstützung von Flüchtlingen und der sie aufnehmenden Gemeinden ist und bleibt eine unserer wichtigsten Aufgaben“, sagte Gönner. In Afrika seien durch die Konflikte in Somalia und im Südsudan vor allem Äthiopien und Uganda betroffen. Die Syrienkrise belaste insbesondere Jordanien, Libanon und den Nordirak. Hier sei der Anteil der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen an der einheimischen Bevölkerung besonders hoch. Im Libanon kämen auf knapp sechs Millionen Einwohner eine Million syrische Flüchtlinge. „Männer, Frauen und Kinder, die ebenso wie die eigene Bevölkerung dringend Arbeit, Schulen, sauberes Trinkwasser und medizinische Versorgung brauchen“, betonte Gönner.

Einer der Schwerpunkte der GIZ-Arbeit ist der Nordirak. Die autonome Region Kurdistan mit fast sechs Millionen Einwohnern hat rund 250.000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Zusätzlich sind rund eine Million Einwohner im Land selbst auf der Flucht vor den Kämpfen mit der Terrororganisation „Islamischer Staat“.

Mit Unterstützung der GIZ wurden 21 Schulen neu gebaut und damit Unterrichtsplätze für insgesamt 21.000 Kinder geschaffen. Etwa eine Million Menschen erhielten nach Gönners Angaben durch deutsche Projekte Zugang zu sauberem Trinkwasser.

In Kurdistan und in anderen Ländern rund um Syrien schuf die GIZ mit der gleichfalls bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 61.000 Jobs für Flüchtlinge über sogenannte Cash-for-Work-Programme. Bei diesen Projekten erhalten Flüchtlinge Geld zum Beispiel für gemeinnützige Arbeiten in Flüchtlingslagern. Diese Projekte sollen weiter ausgebaut werden. Laut Gönner ist geplant, mit französischen und spanischen Entwicklungsgesellschaften Flüchtlinge und die lokale Bevölkerung unter anderem dabei zu unterstützen, Schulen instand zu setzen oder Straßen auszubessern.

Die GIZ arbeitete 2016 an Programmen mit einem Volumen von 2,4 Milliarden Euro. 1,9 Milliarden Euro davon stammten aus dem Haushalt des Entwicklungshilfeministeriums. Weitere Mittel kamen vom Umweltministerium und anderen Ressorts sowie der EU. Daneben betreibt die GIZ auch einen Geschäftsbereich, der Hilfsprojekte im Auftrag von Privatunternehmen, anderen Regierungen und multilateralen Organisationen übernimmt. Dieser Bereich, für den keine deutschen Steuergelder eingesetzt werden, hatte ein Volumen von 150 Millionen Euro.

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