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Demonstrantinnen in London prangern an, dass Frauen aus Nordirland für eine Abtreibung nach Großbritannien reisen müssen.

Abtreibungen weltweit

Von medizinischer Eingriff bis Straftat

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Frauen leiden weltweit unter Abtreibungsgesetzen basierend auf falsch verstandenem Lebensschutz. So ist in El Salvador bereits eine Fehlgeburt eine Straftat.

Das Recht auf straffreie Abtreibungen ist weltweit ein Thema - und ein Tabu. Wie es um die Rechtslage in den verschiedenen Ländern bestellt ist, zeigen wir an vier Beispielen:

Italien: Abtreibungsgegner im Aufwind 

Die Zahl der legalen Abtreibungen in Italien ist in den vergangenen Jahren gesunken. Waren es etwa 2011 noch 110 041 Abbrüche, verzeichnen die jüngsten Statistiken für 2016 84 874 Abtreibungen. Seit 1978 sind Abbrüche bis zum neunzigsten Schwangerschaftstag erlaubt – danach nur noch, wenn das Leben der werdenden Mutter gefährdet oder der Fötus schwer missgebildet ist. Das medizinische Personal kann die Mitwirkung an einer Abtreibung allerdings verweigern. Nach Angaben des italienischen Gesundheitsministeriums machen rund 70 Prozent der Gynäkologinnen und Gynäkologen Gebrauch von dieser Regel, in manchen Regionen sogar 90 Prozent. Vor allem von der rechtspopulistischen Lega bekommt die Anti-Abtreibungs-Bewegung derzeit Unterstützung. In Verona etwa wollen Stadtratsabgeordnete der Partei Frauen bezahlen, wenn sie nicht abtreiben. Auch die Pille danach wird zunehmend verweigert.

Kanada: Ohne Fristen und Beschränkungen

Kanada gehört zu den wenigen Ländern weltweit, in denen Schwangerschaftsabbrüche überhaupt nicht gesetzlich geregelt sind. Ein Abbruch wird hier wie jeder andere medizinische Eingriff behandelt, seit der Oberste Gerichtshof 1988 ein bis dato bestehendes restriktives Abtreibungsgesetz als verfassungswidrig erklärte. Seitdem gibt es für einen Schwangerschaftsabbruch keine Fristen oder sonstige Beschränkungen. Eine Beratung gibt es nur, wenn die Frau sie möchte. Das Kanadische Institut für Gesundheitsinformationen, eine unabhängige Non-Profit-Organisation, zählte 2017 94 030 Schwangerschaftsabbrüche. Entgegen der Befürchtung von Abtreibungsgegnern, eine liberale Abtreibungspolitik würde Abbrüche bis kurz vor der Geburt provozieren, wurden die Schwangerschaften in zwei Dritteln der Fälle in den ersten 12 Wochen beendet – ähnlich wie in den Jahren davor.

Nepal: Große Probleme trotz Reform

Rund 137 00 legale Schwangerschaftsabbrüche hat es wissenschaftlichen Schätzungen zufolge 2014 in Nepal gegeben. Lange Zeit waren Abbrüche in dem Land komplett verboten – es sei denn, es bestand Lebensgefahr für die werdende Mutter. Weil viele Frauen nach illegalen Abtreibungen starben, regte sich in der Zivilgesellschaft Widerstand. 2002 wurde das Gesetz deshalb geändert. Seitdem ist ein Abbruch bis zur 12. Schwangerschaftswoche erlaubt, bei Inzest oder Vergewaltigung bis zur 18. Woche. Nepals Regierung startete gemeinsam mit NGOs ein Programm, um medizinisches Personal für sichere Schwangerschaftsabbrüche auszubilden. Trotzdem gab es 2014 Schätzungen zufolge auch rund 186 100 illegale Abtreibungen – unter anderem, weil nicht alle Frauen wissen, an wen sie sich wenden können. Zudem sind Schwangerschaftsabbrüche in manchen Teilen der Gesellschaft nach wie vor ein Tabu.

El Salvador: 30 Jahre Haft nach Fehlgeburt

El Salvador gehört zu den Ländern mit den striktesten Abtreibungsregeln weltweit. Schwangerschaftsabbrüche sind in jedem Fall illegal und strafbar. Auch bei Fehl- oder Totgeburten drohen den Frauen Strafen. Nach Informationen von Amnesty International meldet meist das Krankenhauspersonal die Frauen der Polizei. In der Folge werden viele der Frauen wegen Mordes strafrechtlich verfolgt. Verschiedene Bewegungen hatten in den vergangenen Jahren mehrmals versucht, das Abtreibungsrecht zu lockern – ohne Erfolg. Stattdessen waren immer wieder Fälle von Müttern öffentlich geworden, die nach Fehl- oder Totgeburten beschuldigt worden waren, bewusst abgetrieben zu haben. Bestraft wurden sie mit 20, manche sogar mit 30 Jahren Gefängnis. Hoffnung gibt der Frauenbewegung allerdings, dass in der jüngeren Vergangenheit einzelne Frauen vorzeitig aus der Haft entlassen wurden.

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