Medienzar gegen Sultan

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Schlammschlacht um Türkei-Premier Erdogan

Dogan gegen Erdogan lautet das Duell. Der Chef der größten türkischen Medienholding, Aydin Dogan, kämpft mit Premier Tayyip Erdogan. Auslöser der Auseinandersetzung sind Medienberichte über eine Verwicklung Erdogans in den Deniz Feneri-Spendenskandal, der zurzeit das Landgericht Frankfurt beschäftigt.

Die Frankfurter Richter verhandeln seit vergangener Woche gegen drei ehemalige Funktionäre des in Deutschland tätigen türkischen Wohltätigkeitsvereins Deniz Feneri. Sie sollen Spenden in Höhe von mindestens 18 Millionen Euro in die Türkei verschoben und in private Kanäle geleitet haben - auch ins Umfeld von Erdogans Regierungspartei AKP? Darüber spekulieren seit Tagen Blätter der Dogan-Mediengruppe. Ein Zeuge habe in dem Frankfurter Verfahren ausgesagt, ein Teil der in die Türkei transferierten Spenden sei Erdogan persönlich ausgehändigt worden, schrieben Dogan-Zeitungen. Diesen Vorwurf hatte bereits zuvor Oppositionsführer Deniz Baykal erhoben. Erdogan dementiert jede Verbindung zu dem Spendenskandal.

Mit den Veröffentlichungen eskalierte eine Fehde, die seit langem schwelt. Die Medien der Dogan-Gruppe, darunter die Traditionsblätter Hürriyet und Milliyet, die liberale Zeitung Radikal sowie die Fernsehsender Kanal D, Star TV und CNN Türk, begleiten Erdogans Regierungsarbeit durchaus kritisch - vor allem wegen dessen Herkunft aus dem politischen Islam. Nicht selten schreiben Dogan-Blätter von Erdogan spöttisch als dem "Sultan" - in Anspielung auf seine selbstherrliche Amtsführung. Auf Kritik in den Medien reagiert Erdogan seit jeher dünnhäutig. Die Fehde des Premiers mit der Dogan-Gruppe bekommt aber deshalb besondere Schärfe, weil der Medienzar Aydin Dogan noch anderen Geschäften nachgeht. Seine Dogan Holding ist die drittgrößte Unternehmensgruppe der Türkei. Sie umfasst mehr als 50 Firmen, darunter Petrol Ofisi, die größte Mineralölgesellschaft der Türkei. Dogans Tochter Arzuhan ist Präsidentin des einflussreichen Unternehmerverbandes Tüsiad.

Raffinerie-Bau verweigert

Doch nicht alle Dogan-Geschäfte laufen reibungslos. So habe ihm Erdogan die Genehmigung zum Bau einer Ölraffinerie im südtürkische Ceyhan abgeschlagen, behauptet Dogan. "Dort will Calik schon eine Raffinerie bauen", habe ihm der Premier erklärt. Der Unternehmer Ahmet Calik gilt als Vertrauter des Premiers. Erdogans Schwiegersohn hat eine Führungsposition in der Calik-Gruppe. Sie bekam 2007 den Zuschlag bei der Privatisierung der Mediengruppe ATV-Sabah, deren Zeitungen und Fernsehkanäle seither betont regierungsfreundlich berichten.

Der regierungskritische Dogan dagegen kommt nicht so recht voran. Vergeblich wartet er auf die Zuteilung einer terrestrischen Frequenz für den bisher nur per Kabel und Satellit zu empfangenden Sender CNN Türk. Auch bei seinen Plänen für das Istanbuler Hilton Hotel, das er 2006 für 255 Millionen Dollar ersteigerte, spürt Dogan Gegenwind. Er will auf dem Hotelgelände Luxuswohnungen bauen und bemüht sich bislang erfolglos um die notwendige Änderung der Bebauungsordnung.

Wie der Kampf ausgehen wird, fragt sich auch die Börse. Am Montag gingen die Dogan-Kurse auf steile Talfahrt - um am Dienstag wieder rasant zu steigen.

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