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Auf dem Kapitol in Rom wurden antike Statuen wurden aus Rücksicht auf den iranischen Staatschef verhüllt.
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Auf dem Kapitol in Rom wurden antike Statuen wurden aus Rücksicht auf den iranischen Staatschef verhüllt.

Verhüllte Statuen

Medien spotten über Italien

  • vonRegina Kerner
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Antike Nacktstatuen werden anlässlich des Besuchs des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani in Holzboxen versteckt. Nun ergießt sich eine Welle aus Kritik und Spott über die Regierung von Matteo Renzi: Italien habe sich einem vermeintlichen islamischen Diktat unterworfen, so der Tenor.

„Unterwerfung“, wie der Romancier Michel Houellebecq seine Vision von der Islamisierung des Abendlands betitelt hat, ist in Italien das Wort der Stunde. Es prangt groß auf Zeitungsseiten und schwirrt aufgeregt durch die empörte Debatte in Politik, Medien und Internet. Antike Nacktstatuen auf dem römischen Kapitolshügel sind anlässlich des Besuchs des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani in Holzboxen versteckt worden, darunter die berühmte kapitolinische Venus. Nun ergießt sich eine Welle aus Kritik und Spott, nicht nur aus dem eigenen Land, über die Regierung von Matteo Renzi.

Italien habe sich mit der übereifrigen Rücksichtnahme auf religiöse Empfindlichkeiten des Gastes lächerlich gemacht und die jahrtausendealte europäische Kultur einem vermeintlichen islamischen Diktat unterworfen, so der Tenor. Und das alles, um die Milliardengeschäfte mit dem Iran nicht zu gefährden.

„Renzi zieht den Statuen die Burka über“, titelte die rechtspopulistische Zeitung „Libero“. Dabei predige der Premier doch bei jeder Gelegenheit, dem islamistischen Terrorismus Kultur und Schönheit entgegenzusetzen. „War es wert, uns selbst zu beleidigen, um den iranischen Präsidenten nicht zu beleidigen?“, fragt „La Repubblica“. Die französische Zeitung „Le Figaro“ erinnerte an die alte Regel für Reisende: „Bist du in Rom, tu was die Römer tun“. Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte sich im November geweigert, in Paris zu tun, was die Iraner tun und ein Staatsdiner streichen lassen, nachdem Ruhanis Delegation verlangt hatte, es dürfe kein Wein serviert werden. In Rom war der Wein gestrichen worden.

Der Kommentator der sonst eher gemäßigten Zeitung „La Stampa“ beschuldigt seine Landsleute in einer Art Selbstgeißelung eines Mangels an Selbstbewusstsein und Würde: „Die Veranlagung, den Gast als Herren zu behandeln“ sei typisch für sie, egal ob Deutsche, Iraner oder Eskimos kämen. Im Netz zirkulieren Bilder von Michelangelos David in Unterhose und der Venus von Milo mit BH. User fragen, ob sich im Gegenzug die Mullahs in Teheran Miniröcke anziehen werden, wenn Italiener ins Land reisen.

Vereint verlangt die rechte wie linke Opposition eine Erklärung von Renzi. Man möchte wissen, ob das italienische Protokoll die Verhüllungen veranlasst hat oder ob die Iraner darum gebeten hatten. Weder der Premier noch er selbst hätten davon gewusst, versicherte gestern Kulturminister Dario Franceschini.

Die Verantwortlichen hätten völlige Ignoranz bewiesen, sagt Kunstkritiker Vittorio Sgarbi. Man dürfe den Iran nicht mit den Fundamentalisten in Saudi Arabien oder dem IS verwechseln. Die persische Kultur und Zivilisation sei älter als unsere. Die nackten Statuen in den Ruinen von Persepolis seien auch nicht bedeckt. „Und wir verstecken unsere?“ Der iranische Führer, der ja wisse, dass es in Rom jede Menge antike Akte gibt, könne sich ebenso gut in seiner Intelligenz beleidigt sehen, befindet Sgarbi. Seite 30

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