US-Wahlkampf

McCain fehlen die Schlagzeilen

Der Zweikampf zwischen Clinton und Obama wird von den Medien als Entscheidung zwischen zwei überlebensgroßen Polit-Stars inszeniert. Die Zeitungen liefern tägliche Sonderseiten darüber, während über McCain nur kurz und knapp berichtet wird.

Von MARKUS GÜNTHER

Washington. Das Argument klingt bestechend: Je länger der Zweikampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama dauert, desto größer die Chancen für John McCain, die Präsidentschaftswahl im November zu gewinnen. Doch vermutlich stimmt eher das Gegenteil: Die Demokraten können womöglich von dem langen Streit um die Präsidentschaftskandidatur profitieren; für John McCain wird es noch schwerer.

Das klingt verblüffend, zumal viele Demokraten selbst das Gefühl haben, dass es im Augenblick nicht gut läuft. Die Republikaner stehen längst geschlossen hinter McCain. Bei den Demokraten dagegen ist noch alles offen. Muss das nicht zwangsläufig schaden?

"Nein, überhaupt nicht", meint Paul Begala, früherer Berater von Bill Clinton, "wir bleiben in den Schlagzeilen, für McCain interessiert sich kein Mensch, unsere Basis wird mobilisiert, und die Wahlkampfspenden fließen in Strömen. Was will man mehr?" Das mag übertrieben und einseitig sein, aber im Kern stimmt es wohl: Der Zweikampf zwischen Clinton und Obama wird von den Medien als Entscheidung zwischen zwei überlebensgroßen Polit-Stars inszeniert. Die Zeitungen liefern tägliche Sonderseiten darüber, während über McCain nur kurz und knapp berichtet wird: Der Trip des Senators in den Irak, die offizielle Unterstützung Nancy Reagans für McCain, seine Grundsatzrede zur Außenpolitik - all das wären unter anderen Umständen große Themen. Doch im Schatten des demokratischen Nominierungsdramas nimmt keiner Notiz davon.

"Die ganze Energie ist einfach auf der demokratischen Seite", sagt selbst Rick Davis, der Wahlkampfmanager von McCain, "das ist und bleibt ein großes Problem für uns." Und diese Energie schlägt sich in handfesten Zahlen nieder. In allen Vorwahlen bis zum 5. Februar (solange auch das Rennen bei den Republikanern noch offen und spannend war) haben 19 Millionen Demokraten abgestimmt, aber nur 13 Millionen Republikaner. In Missouri - meist ein besonders umkämpfter Staat in der Präsidentschaftswahl, den beide Parteien unbedingt gewinnen wollen - stellten die Demokraten einen neuen Rekord auf: Die Wahlbeteiligung wurde um 47 Prozent gesteigert, während sie bei den Republikanern nicht höher war als vor vier Jahren. In New Jersey übertrafen die Demokraten ihre frühere Rekordwahlbeteiligung sogar um 69 Prozent.

In Pennsylvania, ebenfalls einer der im November umkämpften Staaten, wo am 22. April die nächsten Primaries stattfinden, haben die Demokraten diese Woche einen neuen Mitgliederrekord aufgestellt. Wenn nur ein Teil dieser zusätzlichen Wähler aus der "Primary-Season" bei der Wahl im November kommt, wird es für die Republikaner noch schwerer.

Noch dramatischer ist der Blick auf die Wahlkampfspenden: Der Wettstreit zwischen Hillary Clinton und Barack Obama hat die Spender motiviert wie nie zuvor: Von den rund 110 Millionen Dollar, die bis Ende Februar für die Primaries gespendet wurden, entfallen mehr als 90 Millionen auf die Kandidaten der Demokraten. Nur 20 Millionen Dollar wurden für McCain und Co. gespendet. Kein Wunder, dass der Republikaner im Augenblick mehr Veranstaltungen zum Eintreiben von Spenden macht als echte Wahlkampfveranstaltungen.

McCains Umfragewerte sind in den letzten Wochen gestiegen. 67 Prozent aller Amerikaner sagen jetzt, dass sie eine positive Meinung von ihm haben. Auch im direkten Vergleich gegen Obama und Clinton hat McCain aufgeholt, in einigen Umfragen liegt er jetzt sogar knapp vorn. Aber Meinungsforscher halten das mehr für die natürliche - und vorübergehende - Folge seines Sieges in den Primaries und weniger für eine Trendwende.

"Wo man hinschaut, alles spricht immer noch gegen uns", sagt Neil Newhouse, Meinungsforscher in Diensten der Republikaner. Der zähe Zweikampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama habe seiner Partei bislang überhaupt nicht genutzt. Die Motivation der demokratischen Parteibasis sei einfach zu hoch. Erst wenn die Auseinandersetzung zwischen Clinton und Obama wirklich hässliche Züge annehme oder eines der beiden Lager über den Ausgang verbittert sei, könnten die Republikaner profitieren.

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