+
Wird als einer der "Erwachsenen" in der Regierung bezeichnet: Verteidigungsminister James Mattis.

USA

Mattis’ Tage im Kabinett scheinen gezählt

  • schließen

Donald Trump distanziert sich von seinem Verteidigungsminister, weil der ihn immer wieder in die Schranken weist.

Das Verhältnis zwischen dem US-Präsidenten und dem Verteidigungsminister war von Beginn an nicht ohne Spannungen. Donald Trump, der sich gern mit hohen Militärs umgibt, hatte anfangs um James Mattis zwar regelrecht geworben und ihn schließlich mit der Zusage ins Kabinett gelockt, ihm weitestgehend freie Hand in der Führung des Pentagons zu lassen. Zugleich soll sich Trump aber an der Wertschätzung gestört haben, die Mattis von Beginn an in der Öffentlichkeit erfuhr.

Ganz gleich, ob sich Mattis hinter vorgehaltener Hand über den „Commander in Chief“ nun lustig gemacht hat oder nicht (er soll Trump die Auffassungsgabe eines Sechsklässlers zugesprochen haben), gab es mehrfach unterschiedliche Auffassungen in verteidigungspolitischen Fragen.

So betonte Mattis erst vor wenigen Tagen, dass die USA „eisern“ zur Nato stehe – während Trump gern seine Distanz zum Bündnis demonstriert. Auch Trumps harscher Umgangston selbst mit engsten Verbündeten wird von Mattis nicht geteilt. Als nicht gesichert gilt allerdings die Behauptung, dass sich Trump für weitaus robustere Vergeltungsschläge gegen Syrien ausgesprochen habe und es Mattis gewesen sei, der im Frühjahr vergangenen Jahres auf einen eng begrenzten Angriff gedrungen habe. Fest steht, dass viele Beobachter Mattis ebenso wie den geschassten Außenminister Rex Tillerson und Noch-Stabschef John Kelly als die „Erwachsenen“ in der US-Regierung bezeichnen, die die gegenwärtige Präsidentschaft von radikaleren Kurskorrekturen abgehalten hätten. Mit der – relativen – Zurückhaltung könnte es tatsächlich bald vorbei sein. Vor allem Sicherheitsberater John Bolton, aber auch der neue Außenminister Mike Pompeo gelten als Verfechter eines schärferen Kurses, die Trump bei weiteren Alleingängen ermuntern könnten.

Der renommierte Washingtoner Journalist Bob Woodward beschreibt in seinem jüngsten Bestseller „Fear“ jedenfalls mehrere bedrückende Szenen: Demnach soll es nur den engsten Mitarbeitern des Präsidenten zu verdanken sein, dass Trump über radikale Schritte zwar lautstark in aller Öffentlichkeit nachdenke, seine Handlungen aber regelmäßig gegenüber seinen Ankündigungen zurückbleiben würden.

Auch Michael Beschloss, der in Washington zu den anerkanntesten Historikern zählt, sorgte in jüngster Zeit mit seinen Warnungen für Aufsehen. Der Geschichtswissenschaftler, der zu den Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte forscht, hält es für durchaus möglich, dass Trump gezielt einen bewaffneten Konflikt suchen könnte, um sich seine Wiederwahl 2020 zu sichern.

Anspielungen dieser Art werden in Regierungskreisen allerdings empört zurückgewiesen: Trump, so heißt es im Weißen Haus, habe Amerika mit seiner Außenpolitik vielmehr vor einem drohenden Krieg bewahrt. Während sich unter seinem Vorgänger Barack Obama die Auseinandersetzung mit Nordkorea immer weiter zugespitzt habe, setze der gegenwärtigen Präsident auf Ausgleich.

Wie lange sich Mattis an dem Ringen um den richtigen Regierungskurs noch beteiligen kann, bleibt gleichwohl fraglich. Im Interview mit der langjährigen CBS-Journalistin Lesley Stahl kündigte Trump am Sonntagabend an, sein Kabinett in Kürze umzubauen. Es würden einige Leute in seiner Administration arbeiten, die „phantastisch“ seien. Andere seien es dagegen nicht. Namen nannte Trump erwartungsgemäß nicht.

Auf die Frage, ob er den Verteidigungsminister demnächst entlasse, antwortete Trump: „Es könnte sein, dass er geht.“ Er glaube, Mattis sei in gewisser Weise ein Anhänger der Demokratischen Partei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion