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Massive Brexit-Folgen: Großbritannien gehen die Arbeitskräfte aus

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Der Arbeitskräftemangel in Großbritannien spitzt sich zu: Es fehlt an Hunderttausenden, schätzen Thinktanks. Die Folgen des Brexits werden offenkundig.

London – Die Folgen des Brexits sind auf dem britischen Arbeitsmarkt deutlich spürbar: Der britischen Wirtschaft fehlt es an Arbeitskräften im sechsstelligen Bereich, schätzen Thinktanks. Seit dem Austritt aus der EU gilt im Vereinigten Königreich ein Punktesystem, das es Menschen ohne spezifische Qualifikation erschwert, eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten. Einige einst vehemente Verfechter des EU-Austritts wollen inzwischen nachjustieren, in der Wirtschaft wächst die eigennützige Erkenntnis: „That backfired“.

Großbritannien nach dem Brexit: Premierminister Sunak und den Tories fehlt es an Arbeitskräften

Gerade in geringer qualifizierten Jobs fehlen Mitarbeiter, meinen Experten. Auch auf der Insel hatten Arbeitskräfte aus dem Ausland, oft dem EU-Ausland, über lange Zeit meist schlecht bezahlte, ungelernte Arbeiten übernommen – man könnte sagen: besondere Ausbeutung erfahren, berichtet kreiszeitung.de.

Mit dem Brexit hat sich einiges geändert: Das neue Punktesystem erschwert Menschen ohne spezifische Qualifikation die Arbeitseinwanderung nach Großbritannien. Die Folge: Großbritannien unter Premierminister Rishi Sunaks Tories steckt in einer weiteren Krise.

Großbritannien ist seit Ende Januar 2020 kein Mitglied der EU mehr.
Großbritannien ist seit Ende Januar 2020 kein Mitglied der EU mehr. © dpa/(Symbolbild)

In welchem Maße, glauben Forschende nun analysiert zu haben: Wie der Guardian berichtet, kommen die Thinktanks Centre for European Reform (CER) und UK in a Changing Europe zu der Erkenntnis, insgesamt fehle es an 330.000 Arbeitskräften. Seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs stieg zwar die Zahl der Einwandernden aus Nicht-EU-Ländern, offenbar jedoch nicht in einem Maße, das den Rückgang der Einwanderung aus Nachbarländern ausgleichen könnte. Das Office for National Statistics spricht mit Stand Juni 2022 von einem Rückgang der Nettozuwanderung um 540.000 Menschen, so der Guardian.

Großbritannien unter Sunaks Konservativen: Ärztemangel, Streiks im NHS – und keine Kompromisse

Mit Blick etwa auf das Gesundheitswesen heißt es in dem Bericht: „In höher qualifizierten Sektoren wie dem Gesundheitswesen, dem Bildungswesen und der IKT hat die Zunahme von Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern den Verlust von Arbeitskräften aus der EU mehr als ausgeglichen“. Anderen Einschätzungen zufolge hat der Brexit zu einem klar spürbaren Ärztemangel in England beigetragen.

So oder so: Das Gesundheitswesen ist ein Sorgenkind, gerechte Löhne im Vereinigten Königreich ein Knackpunkt – das zeigen aktuelle Streikwellen im Land, dieser Tage streiken erneut die Krankenschwestern.

Downing Street lenkt im Streit um gerechte Löhne im Gesundheitswesen nicht ein, auch wenn man sich vorübergehend gesprächsbereit gezeigt hatte. Die „Reservearmee“ zum Drücken der Löhne schrumpft in Großbritannien. Erst vor einigen Monaten hatte der Vorstandsvorsitzende der Modegruppe Next, Lord Simon Wolfson, eine für ihn überraschende Forderung erhoben. Der eigentlich vehemente Brexit-Verfechter rief die Regierung auf, Einwanderungsregeln zu überarbeiten, um EU-Arbeitskräfte zurückzuholen.

Der Diskurs um Zuwanderung war in Großbritannien im Zuge des Brexits von konservativer Seite immer wieder auch mit rassistischen Ressentiments geführt worden. Nun merkt die Wirtschaft in höchst eigenem Interesse: England ist ein Einwanderungsland, ob es will, oder nicht.

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