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Joe Biden Tulsa
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Joe Biden in Tusla: Als erster US-Präsident der Geschichte besucht der Demokrat den Ort des rassistischen Massakers von 1921 am Jahrestag der Greueltaten.

100. Jahrestag

Joe Biden über rassistische Morde in Tulsa: „Das waren keine Ausschreitungen – das war ein Massaker“

  • VonMirko Schmid
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  • Daniel Dillmann
    Daniel Dillmann
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US-Präsident Joe Biden benennt die rassistisch motivierten Morde in Tulsa 1921 als ein Massaker. Er verspricht, sich gegen Rassismus und für einen freien Zugang zu Wahlen einzusetzen.

+++ 23.19 Uhr: Joe Biden schlägt einen Bogen vom Massaker an Schwarzen Menschen in Tulsa zu aktuellen Problemen mit dem Rassismus in den USA. Er erinnert an die Demonstration von Rechtsextremen, Neonazis und Ku-Klux-Klan-Mitgliedern in Charlottesville von 2017.

Und Joe Biden greift Donald Trump und die Republikaner indirekt an, indem er ihnen vorwirft, das „heiligste Recht des amerikanischen Volkes“, das der Teilnahme an Wahlen, beschneiden zu wollen: „Nie war dieses Recht je so in Gefahr wie jetzt.“ Biden kündigt an, seine Vizepräsidentin Kamala Harris zu beauftragen, die Bemühungen der Regierung zur Stärkung des Wahlrechts zu leiten.

Einen Seitenhieb verteilt der US-Präsident an die demokratischen Senatsmitglieder Joe Manchin und Kyrsten Sinema, die zuletzt vermehrt mit den Republikanern gestimmt hatten. Manchin hat bereits angekündigt, gegen den sogenannten „For the People Act“ stimmen zu wollen. Dabei handelt es sich um ein umfangreiches Wahlreformgesetz, dass den Zugang zu Wahlen gerade auch für Minderheiten erleichtern soll. „Ich werde wie der Teufel um dieses Gesetz kämpfen, obwohl es zwei Mitglieder unserer Senatsfraktion gibt, die häufiger mit meinen republikanischen Freunden abstimmen“, verspricht Biden.

Joe Biden: „Rassismus ist die größte Gefahr für die innere Sicherheit der USA“

Zum Abschluss kommt Joe Biden noch einmal zurück auf das in den USA weiter tagesaktuelle Thema des alltäglichen Rassismus. „Die Ideologie der Weißen Vorherrschaft ist die größte Bedrohung für die innere Sicherheit unserer Nation“, sagt der Demokrat, „sie ist gefährlicher als ISIS, gefährlicher als islamistischer Terrorismus“. Hass verstecke sich nur, so Biden, aber er verschwinde nie. Würden die Anführer der Nation ihm Luft zum Atmen gewähren, käme er hervor und gewinne an Stärke: „Wir dürfen dem Hass keinen sicheren Hafen gewähren.“

Hoffnung hingegen gebe ihm eine „neue, offene, tolerante und bestens gebildete Generation“, die heranwachse, um den Rassismus zu besiegen: „Wir haben Hoffnung. Aber wir müssen ihr Unterstützung geben. Ihr ein Rückgrat geben, indem wir nicht vergessen.“ Er beendet seine Rede mit einem Zitat des irischen Poeten Seamus Heaney: „Die Geschichte lehrt uns nicht die Hoffnung auf dieser Seite des Grabes. Aber einmal im Leben erhebt sich diese lange Flutwelle der Gerechtigkeit und Hoffnung und Geschichte reimen sich. Lasst uns dafür sorgen, dass sie sich reimen!“ 

Joe Biden über rassistische Morde in Tulsa: „Das waren keine Ausschreitungen – das war ein Massaker“

Update von vom Dienstag, 01.06.2021, 22.32 Uhr: Zu Beginn seiner Rede begrüßt Joe Biden die jüngsten und die ältesten Anwesenden: Zunächst zwei kleine Mädchen, keine fünf Jahre alt („Mein Gott, sie sind nicht einmal fünf Jahre alt und müssen sich die Rede eines Präsidenten anhören“). Er stellt sicher, dass sie anschließend ein Eis bekommen werden.

Anschließend Viola “Mother” Fletcher, Hughes “Uncle Red” Van Ellis and Lessie “Mother Randle” Benningfield Randle – alle über hundert Jahre alt und die einzigen noch lebenden Zeitzeugen des Mobs von Tulsa. Bidens erste Nachricht an sein Publikum: „Unrecht kann versteckt werden, aber man kann es nicht ungeschehen machen. Nur das Aussprechen der Wahrheit hilft, Wunden verheilen zu lassen.“

Joe Biden: 1921 waren bekennende Mitglieder des Ku-Klux-Klan in den Parlamenten

Die Behörden hätten seinerzeit von 36 Todesopfern gesprochen, betont Joe. Er vergleicht die Zahl mit Studien, die belegen, dass hunderte Menschenleben in Tulsa dem rassistischen Mob zum Opfer gefallen waren. Biden betont: „Meine lieben Landsleute: Das waren keine Ausschreitungen. Das war ein Massaker.“ Der US-Präsident erinnert daran, dass zu dieser Zeit 37 Mitglieder des Repräsentantenhauses und fünf des US-Senats bekennende Mitglieder des Ku-Klux-Klan gewesen waren.

Joe Biden auf dem Weg nach Tulsa: Präsident prangert „systemischen Rassismus“ in den USA an

Erstmeldung von vom Dienstag, 01.06.2021, 05.52 Uhr: USA - US-Präsident Joe Biden hat einen Besuch der Stadt Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma zum 100. Jahrestag des brutalsten rassistischen Massakers in der jüngeren Geschichte der USA angekündigt. Der US-Präsident wird am heutigen Dienstag nach Tulsa reisen und dort in einem Kulturzentrum der schwarzen Gemeinse eine Rede zum Jahrestag des Pogroms halten. Das hatte Pressesprecherin Jen Psaki im Weißen Haus mitgeteilt.

Am Tag genau vor 100 Jahren hatte ein weißer Mob das von Schwarzen bewohnte Viertel Greenwood attackiert und buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Hunderte Häuser gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden ebenso wie die vorhandene Infrastruktur zerstört. Greenwood galt damals als Vorzeigeort einer aufblühenden Schwarzen Gemeinde. Rund 11.000 Menschen wohnten dort. Der Bürgerrechtler und Pädagoge Booker T. Washington verlieh dem Stadtteil deshalb den Spitznamen „Black Wallstreet“.

Massaker von Tulsa: Weißer Mob tötet bis zu 300 Menschen

Bei dem Massaker am 1. Juni 1921 herrschte dann 24 Stunden ein offener Krieg in dem Viertel. Mehr als 800 Menschen wurden verletzt. Rund 6.000 Schwarze Menschen wurden im Anschluss für mehrere Tage in Lagern festgehalten. Über 10.000 Menschen waren in Folge des Pogroms obdachlos. Bei dem Angriff auf Greenwood sollen laut Augenzeugen sogar Flugzeuge zum Einsatz gekommen sein, die Bomben über der Stadt abgeworfen hatten. Anlass bot dem Mob damals ein angeblicher Angriff eines 19 Jahre alten Schwarzen Schuhputzers auf ein 17 Jahre altes weißes Mädchen.

Greenwood nach dem Massaker von Tulsa 1921.

Über die Anzahl der Todesopfer gibt es unterschiedliche Angaben. Offiziell wurden von den Behörden nur 36 Todesfälle an diesem Tag registriert. Eine Untersuchungskommission zu den Ereignissen in Tulsa kam im Jahr 2001 aber zu dem Ergebnis, dass die tatsächliche Zahl der Todesfälle deutlich höher liegt. Bei Ausgrabungen in den folgenden Jahren wurden mehrere Massengräber gefunden. Die Morde wurden im Anschluss also vom weißen Mob buchstäblich unter den Teppich gekehrt. Mittlerweile muss beim Massaker von Tulsa von bis zu 300 ermordeten Menschen ausgegangen werden. Das Smithsonian-Museum für Afroamerikanische Geschichte und Kultur in Washington bezeichnet die Angriffe von Tulsa heute als das „tödlichste rassistische Massaker in der US-Geschichte“.

Massaker von Tulsa: Joe Biden hebt Bedeutung des Tages für die USA hervor

Bereits im Vorfeld zu seinem Besuch hatte Joe Biden die Bedeutung des Tages für die USA hervorgehoben. Von Washington DC aus rief der US-Präsident die Bevölkerung des Landes dazu auf, „über die tiefen Wurzeln des rassistischen Terrors in unserer Nation“ nachzudenken und dabei mitzuhelfen, den „systemischen Rassismus überall in unserem Land“ zu bekämpfen. Gleichzeitig solle das Land „den Mut und die Kraft derer feiern, die die Ereignisse überlebt hatten und sich wieder ein Leben aufgebaut“ hätten. Seine Regierung würde sich der Verantwortung stellen.

Über den Umgang mit dem historischen Massaker herrscht in Oklahoma und den USA bis heute ein Kulturkrieg. Die Republikaner versuchen, die Beschäftigung mit dem systemischen Rassismus aus den Klassenzimmern fernzuhalten. Die Demokraten wollen dagegen, dass das Massaker von Tulsa in den Kanon des Unterrichts der amerikanischen Geschichte im ganzen Land aufgenommen wird. (Daniel Dillmann mit dpa)

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