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Eine Helferin verteilt Essen an Flüchtlinge in der Kasai-Provinz.
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Eine Helferin verteilt Essen an Flüchtlinge in der Kasai-Provinz.

Demokratische Republik Kongo

Massaker im Kongo

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Der UN-Menschenrechtsrat entsendet Experten in die kongolesische Kasai-Provinz. Sie sollen dort entsetzliche Gräueltaten aufklären.

Als Chef der UN-Menschenrechtskommission ist Zeid Ra’ad al-Hussein einiges gewohnt. Doch als der Jordanier jüngst in Genf die in den kongolesischen Kasai-Provinzen begangenen Grausamkeiten vortragen musste, verschlug es auch ihm fast die Sprache. In dem Bericht ist von Hunderten verstümmelten Körpern, von niedergebrannten Dörfern und Massengräbern die Rede. „Mein Team sah zweijährige Kinder, denen die Arme und Beine abgehackt wurden“, sagte al-Hussein mit stockender Stimme: „Selbst Babys wiesen Brandwunden und Verletzungen von Macheten auf.“ Ein Säugling sei vier Stunden nach seiner Geburt von zwei Kugeln getroffen worden: Mindestens zwei schwangere Frauen wurden bei lebendigem Leib von Milizionären aufgeschnitten und ihre Embryonen zerstückelt.

Allein in einem Dorf hätten Kämpfer der mit der Regierung verbündeten Bana-Mura-Miliz in einer Gesundheitsstation 90 Patienten und das Pflegepersonal ermordet. Mindestens 20 Dörfer in den drei Kasai-Provinzen wurden nach Angaben der katholischen Kirche in der Demokratischen Republik Kongo dem Erdboden gleichgemacht: Die Hälfte von ihnen von Regierungstruppen und der mit ihnen verbündeten Bana-Mura-Miliz, die andere Hälfte von Kämpfern der aufständischen Kamuina-Nsapu-Miliz. Die Kirche, die als einzige verlässliche große Organisation in dem Land von der Größe Westeuropas gilt, teilte außerdem mit, dass in den vergangenen neun Monaten nicht wie von der UN zuvor behauptet rund 400 sondern mindestens 3383 Menschen getötet wurden.

Fast täglich wird auch die Existenz weiterer Massengräber bekannt. UN-Menschenrechtschef Hussein sprach Ende vergangener Woche noch von 42 solcher Gräber, inzwischen haben kongolesische Soldaten offenbar zehn weitere gefunden. Beide Seiten des Konfliktes werfen sich gegenseitig vor, für die Massengräber verantwortlich zu sein. Augenzeugen wollen wiederholt Militärlastwagen gesehen haben, von denen aus Leichen in eine Grube geworfen wurden.

Die Kasai-Region gilt als Hochburg der Opposition

Der Konflikt in der Kasai-Region begann im August 2016, als ein traditionelles Oberhaupt, der Kamuina Nsapu, von Soldaten umgebracht wurde, nachdem er zum Aufstand gegen die Regierung aufgerufen hatte. Daraufhin organisierten sich Anhänger des Kamuina Nsapu in einer Miliz desselben Namens und erklärten Repräsentanten des Staates den Krieg. Allein bei einem Zwischenfall töteten die Milizionäre mehr als 40 Polizisten und hackten ihnen dann den Kopf ab.

Die Kasai-Region gilt bereits seit Jahrzehnten als Hochburg des im Januar verstorbenen Oppositionsführer Étienne Tshisekedi. Dieser war kurz vor seinem Tod wieder ins Rampenlicht gerückt, weil er den Widerstand gegen die Weigerung des Präsidenten Joseph Kabila angeführt hatte, zum von der Verfassung vorgeschriebenen Zeitpunkt im Dezember zurückzutreten. Kabila ist noch immer im Amt: Wann Wahlen veranstaltet werden, um seinen Nachfolger zu bestimmen, steht nach in den Sternen. Der UN-Menschenrechtsrat beschloss nun, ein Expertenteam in den Kongo zu senden, um den Hintergrund der Grausamkeiten aufzuklären. Dabei kam es zu einem Konflikt zwischen der kongolesischen Regierung und der Europäischen Union, deren Vertreter eine unabhängige internationale Untersuchung gefordert hatte. Die Forderung scheiterte am Widerstand der kongolesischen und anderen afrikanischen Regierungen: Sie sahen dadurch die Souveränität des zentralafrikanischen Staates gefährdet.

Die Parteien einigten sich schließlich auf einen Kompromiss: Danach soll UN-Menschenrechtschef Hussein ein Expertenteam in den Kongo schicken, das nach „internationalen Standards“ arbeitet, mit der „vollen Unterstützung“ Kinshasas rechnen kann und „ungehinderten Zugang“ zu allen relevanten Orten erhält. Kongos UN-Botschafter in Genf vertrat später allerdings die Überzeugung, dass das Expertenteam lediglich die kongolesischen Ermittler unterstützen werde und alle Erkenntnisse vor der Veröffentlichung von Kinshasa abgesegnet werden müssten. Im März wurden zwei UN-Experten bei Recherchen in der Kasai-Region ermordet.

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