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FR vom 15. Mai 1970

Maskierte flohen in Alfa Romeo

Die Befreiung des Frankfurter Kaufhausbrandstifters Andreas Baader in der Miquelstraße 83 spielte sich innerhalb von wenigen Sekunden ab. Es gab drei Verletzte.

Von unserem Korrespondenten Günther Werz

 Es war gegen 11.25 Uhr, als die maskierten und bewaffneten Befreier durch die geöffnete Tür des Instituts drangen, das Personal und die Justizbeamten beiseite drängten und Baader befreiten. Dann sprangen alle durch ein Fenster im Erdgeschoß und flüchteten in rasender Fahrt mit einem sandfarbenen Alfa Romeo mit italienischem Kennzeichen, der kurz zuvor im Stadtteil Charlottenburg gestohlen worden war. Nach bisher unbestätigten Berichten soll das 'Befreiungskommando' mit Tränengas geschossen haben, um bei der Aktion daß Personal und die Bewacher einzunebeln.

Wie die Berliner Polizei mitteilte, wurde ein Justizangestellter durch einen Bauchschuß lebensgefährlich verletzt. Ein Justizbeamter habe Kopf- und Halsverletzungen erlitten. Das Gebäude selbst, eine hellbraune Villa aus den zwanziger Jahren, in deren Erdgeschoß Arbeitsräume mit großen Bibliotheken untergebracht sind, bietet geradezu ideale Bedingungen für einen Überfall.

Es ist nach außen lediglich durch einen Holzzaun begrenzt. Wieso ein Zuchthäusler für die literarischen Arbeiten an einem neuen Buch - ausgerechnet über Jugendkriminalität - die Strafanstalt Tegel verlassen durfte, ist noch nicht geklärt. Der Verlag, der das Buch herausbringen will, hatte bei den Justizbehörden einen entsprechenden Antrag gestellt, damit Baader für die literarischen Studien seine Zelle verlassen durfte.

Andreas Baader war zusammen mit drei Mittätern am 31. Oktober 1968 von der Vierten Großen Strafkammer des Frankfurter Landgerichts zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden, wegen versuchter menschengefährdender Brandstiftung. Nach Ablehnung der Revisionsanträge wurde das Urteil im Februar dieses Jahres rechtskräftig Doch als die Kaufhausbrandstifter zum Strafantritt geladen wurden, waren sie nicht aufzufinden. Während sich der 26jährige Horst Söhnlein aus München im März dieses Jahres als einziger freiwillig zur Strafverbüßung stellte, wurde Andreas Baader durch Zufall einen Monat später in Berlin gefaßt. Am 4 April fuhr er mit Tempo 90 in einem Auto mit Frankfurter Kennzeichen durch die Straßen. Zwei Tage später führte die Fahndung nach seinem Wagen zum Erfolg. Bei der Festnahme wies sich Baader zunächst mit falschen Papieren aus, wurde dann aber von einem Beamten der Politischen Polizei erkannt und ins Zuchthaus Tegel eingeliefert.

FR vom 15. Mai 1970

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