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Der neue starke Mann bei der SPD: Martin Schulz

SPD

„Martin Schulz kann zupacken“

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Der frühere Wahlkampforganisator der SPD, Kajo Wasserhövel, spricht im Interview über die Chancen des Kandidaten und dessen Kurs.

Herr Wasserhövel, die einfachste Frage zuerst: Stellt die SPD den richtigen Kanzlerkandidaten auf?
Ja. Martin Schulz ist ein leidenschaftlicher Sozialdemokrat, europäisch denkend. Er hat enorme praktische Erfahrung und ist ein Politiker, der zupacken kann. Das sieht man ja. Und das sind alles wichtige Voraussetzungen für einen guten Wahlkampf.

Für Schulz scheint seine Popularität ebenso zu sprechen wie seine Begeisterungsfähigkeit und die Tatsache, dass er bundespolitisch noch ein unbeschriebenes Blatt ist. Sehen Sie das auch so?
Martin Schulz kennt Europa und die Welt – das ist gerade in diesen Zeiten ein starkes Pfund. Aber er hat darüber hinaus lange Zeit als Bürgermeister überzeugend gearbeitet und kennt eben auch die kleinen Säle und nicht nur die großen Bühnen. Ich weiß selbst noch aus meiner aktiven politischen Zeit, dass Martin Schulz seit vielen Jahren an allen aktuell wichtigen innenpolitischen Themen eng dran ist.

Gegen Schulz wird gleichwohl umgekehrt ins Feld geführt, dass er von Bundespolitik keine Ahnung habe und als Europolitiker angreifbar sei in Zeiten, in denen Europa als Quell allen Übels gilt. Ist an beidem nicht was dran?
Diese Angriffe werden gewiss kommen. Davor muss man aber keine Angst haben. Denn Martin Schulz hat im kleinen Finger mehr innenpolitische Kompetenz als die ganzen rechten Abschottungspopulisten zusammen. Wir müssen für ein starkes Europa und für einen gemeinsamen Weg eintreten. Nicht nur die SPD. Abschottung und Isolation würden bloß in Konfrontation und Unsicherheit führen. Das wissen wir gerade als Deutsche doch sehr genau. Auch darüber muss man in diesem Wahlkampf sprechen.

Schulz ist kein Linker. Dabei begeistern in der westlichen Welt gerade linke Sozialdemokraten oder Sozialisten wie Bernie Sanders in den USA, Jeremy Corbyn in England oder Benôit Hamon in Frankreich. Hat die SPD keinen solchen Linken? Oder will sie ihn nicht?
Wenn man Martin Schulz nur zehn Minuten zuhört, wenn man hört, was ihn antreibt und was er über Gerechtigkeit denkt – dann wird man schnell zu der Einsicht kommen, dass er eine sehr starke sozialdemokratische Botschaft hat.

Welche Strategie empfehlen Sie Schulz denn nun, um Angela Merkel zu attackieren?
Das Schöne ist: Er braucht solche Ratschläge nicht.

Kann die SPD tatsächlich gewinnen? Oder geht es nicht allein darum, den Schaden zu minimieren?
Wir hatten eine lange Zeit, in der schien die politische Debatte in Deutschland still zu stehen. Das ist vorbei. Jetzt haben wir eine erhebliche Bewegung bei den Wählerinnen und Wählern. Und wir werden einen enorm politischen, engagierten, heftigen und hoffentlich auch einigermaßen sachlichen Wahlkampf erleben. Ich bin der festen Überzeugung, dass viele Bürgerinnen und Bürger aufgewühlt sind, sich Sorgen machen, zugleich aber auch Hoffnung haben möchten. Sie werden genau hinhören. Und genau hier liegt die große Chance von Martin Schulz.

Ein Kanzler Schulz wäre notwendigerweise ein rot-rot-grüner Kanzler. Oder sehe ich das falsch?
Naja, nach Rot-Schwarz sieht es gerade nicht aus. Sicher ist, dass die klassischen Zweierkonstellationen – also Sozial-Liberal, Rot-Grün und Schwarz-Gelb – eher unwahrscheinlich sind und dass die Mehrheitsbildung im neuen Bundestag komplizierter werden wird. Von daher kann keiner derzeit ausrechnen, was kommt. Martin Schulz genießt jedoch Wertschätzung und Vertrauen in vielen politischen Lagern.

Interview: Markus Decker

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