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Martin Dulig während des SPD-Wahlkampfes zur Landtagswahl in Sachsen.

Landtagswahl

Martin Dulig: Karriere, Frau, Lebenslauf - Das ist der SPD-Mann aus Sachsen

Der SPD-Spitzenkandidat in Sachsen ist Martin Dulig. Hat er Frau und Kinder? Was steht in seinem Lebenslauf? Wir stellen Ihnen den Politiker vor.

Update vom 1. September 2019, 18 Uhr: Martin Dulig muss das historisch schlechteste Ergebnis der SPD verkraften. In Sachsen verliert die SPD fast fünf Prozent gegenüber 2014 und bleibt voraussichtlich unter acht Prozent. „Wir haben das schlechteste Wahlergebnis, sind aber der coolste Landesverband“, versuchte Dulig nach der Wahl seinen Parteimitgliedern Mut zu machen. Die SPD dürfe wegen ihres schlechten Abschneidens durchaus „traurig“ sein. Anlass zur Zuversicht gebe aber, dass die AfD nicht noch stärker geworden sei.

Martin Dulig: Karriere, Frau, Lebenslauf - Der SPD-Mann aus Sachsen

Ursprungsmeldung vom 27. August 2019: Dresden - Der „inakzeptable Höhepunkt“ sei es gewesen. Der Höhepunkt einer Reihe von Provokationen und Einschüchterungen. Ende Juli öffnete Martin Dulig, Vize-Ministerpräsident des Freistaates Sachsen und Wirtschaftsminister des Landes ein Paket, in dem eine Attrappe eines Sturmgewehrs platziert wurde - nur kurz, nachdem ein Rechtsextremer dem hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke in den Kopf geschossen hatte.

Matin Dulig hat eine Frau und sechs Kinder

Für einen wie Dulig, den Familienmenschen, muss eine solche Drohung besonders schlimm gewesen sein. Der 45-jährige Spitzenkandidat der SPD bei der Landtagswahl in Sachsen ist seit 27 Jahren mit seiner Frau Susanna verheiratet, hat sechs Kinder und lebt - ganz bodenständig - seit mehr als 20 Jahren in der 8.000-Einwohner-Gemeinde Moritzburg. Moritzburg, nach einem herrlichen Barockschloss benannt, ist so ganz ostdeutsche Provinz - und trotzdem nur eine halbe Stunde von der Landeshauptstadt Dresden entfernt, in der er als Wirtschaftsminister wirkt. Ein Mann zwischen zwei Welten.

Martin Dulig will seine SPD „mit Land und Leuten versöhnen“

So sieht sich Dulig auch als Bindeglied dieser Welten, die mehr und mehr voneinander zu entgleiten scheinen: Der Metropole und der durch Landflucht gebeutelten Peripherie. Sein Ziel sei es, seine Partei wieder mit „Land und Leuten zu versöhnen“, sagte er einmal. Das Image des bodenständigen, verständnisvollen und heimatliebenden Familienvaters soll ihm dabei helfen. Besonders betont er die Verbundenheit mit seinem Heimatort Moritzburg: „Hier spiele ich Volleyball, treffe Freunde zum Musizieren und hier saß ich viele Jahre im Gemeinderat“, schreibt Dulig auf seiner Homepage.

Um das Image als „Kleine-Leute-Versteher“ zu pflegen, hat sich Dulig schon so einiges einfallen lassen: „Deine Arbeit, meine Arbeit“ heißt sein Lieblingsprojekt. Da wird der Vize-Ministerpräsident für einen Tag zum Koch, zur Putz- oder Pflegekraft. Oder er nimmt einen Küchentisch mit in die Provinz, an dem er dann mit Menschen debattiert. Auf Social Media hat Dulig keine Hemmungen, sich privat zu zeigen. In einem Instagram-Post nimmt er seine Frau Susanna in den Arm, mal hat er einen Fahrradhelm auf dem Kopf, mal teilt er Urlaubsfotos von der Nordsee.

Duligs Lebenslauf kennt keine Extravaganzen

Auch Duligs Lebenslauf spart mit Extravaganzen. Sein Vater war Dozent an einem evangelischen Diakoniehaus in Meißen, er wuchs in einem kirchlich geprägten Elternhaus auf. Ursprünglich sollte er Steinmetz werden, machte dann eine Ausbildung zum Maurer. Kommunalpolitik und Engagement beim Deutschen Gewerkschaftsbund - eine Karriere ganz an der Basis. Als er vor gut zehn Jahren im Alter von 35 Jahren den Landesvorsitz übernahm, galt er trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - als große Hoffnung der Sozialdemokraten im Osten. Er sollte die Partei aus der Krise führen: 2009 wurde die SPD mit 10,4 Prozent abgestraft - heute sieht die Lage in Umfragen beinahe noch dramatischer aus.

Warum das bodenständige Konzept von Maring Dulig nicht aufgehen will, ist schwer zu sagen. Mit dem Negativ-Klischee des abgehobenen Altparteien-Politikers, das spätestens seit Pegida mehr Verbreitung findet, hat er jedenfalls nicht viel zu tun. Vielleicht ist es der schlechte Ruf der Bundespartei, der Erfolge im Freistaat schwer möglich macht. Vielleicht fehlen Martin Dulig aber auch die nötigen Reibungspunkte. Zur Rolle des verständnisvollen Parteichefs gehört es anscheinend auch, Kontroversen zu meiden. Zur Flüchtlings-Thematik, die viele der sächsischen Bürger umtreibt, hielt er sich mit Äußerungen zurück. 

Familie Dulig machte üble Erfahrungen mit Pegida

Umso mehr überrascht deshalb das Ausmaß der Anfeindungen, dem Dulig in letzter Zeit ausgesetzt ist. Berührt habe ihn besonders, erzählt er der Zeit, als er 2015 am Tag der Deutschen Einheit mit seinem Sohn und seiner Frau den Festgottesdienst in Dresden besuchen wollte. Vor Ort waren auch tausende Pegida-Demonstranten, die die angereiste Politikprominenz - darunter auch die Familie Dulig - niederschrie. Irgendwann sagten die Eltern ihrem Sohn, er solle hinter ihnen laufen, damit man nicht merke, dass er zu ihnen gehöre. Das hat Spuren hinterlassen.

Ende August dieses Jahres sind zwei Drittel seiner Plakate im eigenen Wahlreis zerstört oder entfernt worden. Das teilte Dulig seinen Followern bei Facebook mit.

Und dann war da ja noch die Sache mit der Sturmgewehr-Attrappe.

Ehefrau hätte Martin Dulig beim Wechsel nach Berlin unterstützt

Susanne Dulig, Martins Frau, hätte kein Problem damit gehabt, wenn ihr Mann mit der Familie nach Berlin gegangen wäre. 2018 gab es das Angebot, Teil der Bundesregierung zu werden. Er verzichtete. Er will es hier schaffen. In seiner Heimat. Allen Widerständen zum Trotz.

Zunächst scheint klar, dass Martin Dulig im Jahr 2019 nicht der nächste Ministerpräsident von Sachsen werden kann. Die SPD ist in seiner Heimat weit von einem Wahlsieg entfernt. Die Chancen auf dieses Amt haben in Sachsen andere Spitzenkandidaten.

Die Ergebnisse, Reaktionen, Prognosen und aktuellen Meldungen bekommen Sie am Sonntag in unserem Live-Ticker zur Landtagswahl in Sachsen.

bah

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