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SS marschiert mit

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Am Sachsen-Anhalt-Tag marschierte beim Festzug am Wochenende eine Gruppe in Uniformen von Wehrmacht und SS durch die Stadt. Das Land fühlt sich "immens provoziert". Die Träger entschuldigen sich halbherzig. Von Christian Schafmeister

Von CHRISTIAN SCHAFMEISTER

Thale im Harz kennen Literaturfreunde als Kulisse des Romans Cécile von Theodor Fontane. Die Titelheldin wird immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt - Thale auch. Am Sachsen-Anhalt-Tag marschierte beim Festzug am Wochenende eine Gruppe in Uniformen von Wehrmacht und SS durch die Stadt. Eine "immense Provokation" sei das, sagt Frank Hirschelmann, Pressesprecher des Landesfestes mit insgesamt 200.000 Besuchern.

Der "Förderverein für ein Militärhistorisches Museum Anhalt" war als Zugteilnehmer ordnungsgemäß angemeldet - vom Kulturamt der Stadt Dessau-Roßlau, wie diese bestätigt. Sachsen-Anhalts Regierungssprecherin Monika Zimmermann sagt, es sei "sehr schwierig, solche Akteure im Vorfeld auszuschließen", schließlich bekomme man keine Vorab-Bilder der Züge.

Der Vereinsvorsitzende Rainer Augustin versuchte zuerst zu beruhigen: Der Verein nehme doch seit Jahren an Festen in Sachsen-Anhalt teil. Man stelle dann stets "Bilder der Militärgeschichte in Anhalt" dar, beim Landesfest etwa das Ende des Zweiten Weltkriegs. Deshalb seien neben russischen und US-Soldaten Wehrmachtsangehörige marschiert.

Erst am Donnerstag dann entschuldigte sich Augustin: bei dem Auftritt "mangelte es an gebotener Sorgfalt". Außer Soldaten in Wehrmachts- und einem in der schwarzen Uniform der Panzertruppen trugen zwei Männer SS-Uniformen, die verbotenen Sig-Runen auf den Kragenspiegeln notdürftig abgeklebt. Auch die Hakenkreuze unter den Wehrmachtsadlern waren überklebt.

Der Verein Miteinander vermutet eine gezielte Provokation. "Bewusste Anklänge an die SS", sagt Sprecher Sebastian Striegel, seien "für jeden erkennbar gewesen". Auf der Landesebene forderte FDP-Fraktionschef Veit Wolpert schärfere Kontrollen: "Wenn man es mit einem militärhistorischen Verein zu tun hat, muss man fragen, was der vorhat."Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sieht beim Land keine Verantwortung: "Für ihren Auftritt im Festumzug zeichnen die Landkreise oder Städte verantwortlich." Zu den Uniformen sagte Regierungssprecherin Monika Zimmermann, sie sehe darin kein Problem: "Das ist ein historisches Bild gewesen."

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