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Marrakesch – eine Stadt, in der verfolgte Jüdinnen und Juden einst willkommen geheißen wurden.
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Marrakesch – eine Stadt, in der verfolgte Jüdinnen und Juden einst willkommen geheißen wurden.

Nahost

Marokko und Israel nähern sich an

  • Inge Günther
    vonInge Günther
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Die Isolation des Staats in der arabischen Welt bröckelt mehr und mehr.

Für den israelischen Premier Benjamin Netanjahu hätte das Timing kaum perfekter sein können. Just am ersten Abend des jüdischen Lichterfests Chanukka verkündete Donald Trump, sein bester Freund im Weißen Haus, ein weiteres Abschiedsgeschenk: die mit seiner Hilfe eingefädelte Vereinbarung zwischen Israel und Marokko, ihre Beziehungen auch formell zu normalisieren. Damit erkennt der vierte arabische Staat binnen fünf Monaten Israel ganz offiziell an. Das Friedenslicht habe nie so hell gebrannt, jubelte Netanjahu beim Anzünden der ersten Chanukkakerze am Donnerstagabend.

Der Deal ist den Israelis quasi in den Schoß gefallen, ohne selbst größere Konzessionen machen zu müssen. König Mohammed VI. ging auf die Zusage Trumps ein, im Gegenzug Marokkos Souveränitätsansprüche über die Westsahara abzusegnen. Auch in den anderen Fällen hatte der US-Präsident mit fragwürdigen Lockangeboten Überzeugungsarbeit geleistet. Die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) und Bahrain erhielten die Zusage, ihnen im Gegenzug für ihre mit Israel geschlossenen Abraham-Verträge Hightechwaffen wie den Kampfflieger F-35 zu liefern. Dass Netanjahu obendrauf seine Annexionspläne im besetzten Westjordanland zurückstellte, war nur die schillernde Kirsche auf der Torte. Sudan wiederum wurde zur Belohnung für seine Anerkennung Israels von der US-Terrorliste gestrichen.

Überdies verbindet diese drei neuen israelischen Partner das Interesse an einer starken Anti-Iran-Allianz. Marokko indessen spielt im Atomkonflikt mit Teheran keine Rolle. Dafür liegt der Maghrebstaat viel zu weit westlich. Aber er ist einer der bevölkerungsreichsten Mitglieder der Arabischen Liga. Für Israel sei es von „enormer Bedeutung“, so Bruce Maddy Weitzman, Experte für nordafrikanische Studien der Hebräischen Universität, mit Marokko, dem Land mit der einst größten jüdischen Minderheit im Nahen Osten, wieder Beziehungen aufzunehmen. Ganz abgekühlt waren sie nie. Als mit den Osloer Abkommen 1993 die Hoffnungen auf einen israelisch-palästinensischen Frieden wuchsen, blühten die kulturellen Verbindungen zwischen Rabat und Tel Aviv geradezu auf. Mit Ausbruch der blutigen Intifada im Jahr 2000 gefror zwar das Verhältnis. Marokko hielt sich an die arabische Resolution, die Beziehungen zu Israel abzubrechen. Allerdings ließ Rabat weiterhin israelische Tourist:innen ins Land. Und die kamen zu Tausenden, vor allem die Nachfahren marokkanischer Jüdinnen und Juden, die in den fünfziger Jahren nach Israel ausgewandert waren.

Auf sein jüdisches Erbe hat Marokko stets Wert gelegt, etwa als es verfallene Synagogen restaurieren ließ. Ebenso beeindruckte die Israelis eine bewegende Rede, in der König Mohammed den Holocaust als Menschheitsverbrechen anprangerte. Aber auf die nachdrücklichen Bitten aus Israel, doch wieder richtige Beziehungen aufzunehmen, hieß es bislang in Rabat, erst müsse ein Friedensprozess mit den Palästinenser:innen wieder in Gang kommen.

Doch das hat sich geändert. Dem Palästinakonflikt räumt Marokko wie viele arabische Staaten in seiner Außenpolitik nicht mehr unbedingt Priorität ein. Auch wenn der König dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas in einem Anruf versicherte, die mit Israel vereinbarte Normalisierung ändere nichts daran, dass Marokko an einer Zweistaatenlösung festhalte. Die Gunst der Stunde zu nutzen, um sich seine Ansprüche auf die Westsahara von Washington bestätigen zu lassen, ging vor. Bei dem Deal soll auch der Kronprinz von Abu Dhabi mit seinen Beziehungen kräftig nachgeholfen haben. Vor zwei Monaten hatten die Golfemirate ein Konsulat in der Westsahara eröffnet. Israel jedenfalls ist dabei, auch ohne Frieden im Palästinakonflikt ein voll anerkannter Staat in der Region zu werden. Ein diplomatischer Erfolg, den sich vor allem Netanjahu anheftet. Seine Koalitionspartner:innen von Blau-Weiß erfuhren von dem Abkommen erst von den USA.

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