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Söder-Imitator Krebs

K-Frage bei der Union: „Ein Markus Söder tritt nicht an, um zu verlieren“

  • Peter Riesbeck
    vonPeter Riesbeck
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Kabarettist Wolfgang Krebs hat über den Machtanspruch des CSU-Chefs Markus Söder und dessen Wandel in der Pandemie gesprochen.

Frankfurt - Wolfgang Krebs kann rechts wie links. Er hat Edmund Stoiber drauf, vor allem aber Markus Söder. Als Imitator studiert er den bayerischen Regierungschef sehr genau. Ein Gespräch über Söders sprachliche Besonderheiten, seinen Habitus und die bayerische Tradition des Derbleckens.

Herr Krebs, niemand kann sich so in Markus Söder hineinversetzen wie Sie. Hat Sie die Kandidatur des CSU-Chefs und bayerischen Ministerpräsidenten überrascht?

Markus Söder am Dienstag in Berlin.

Nein, nicht wirklich. Jeder, der Markus Söder aufmerksam verfolgt hat, konnte seinen Wandel erleben. Spätestens in den vergangenen sechs Monaten wurde klar, dass er mehr will.

Woran machen Sie das fest?

Er ist viel staatstragender geworden. Corona hat ihm unverhofft die Chance gegeben, sich als Krisenmanager zu bewähren. Auch er hat Fehler gemacht, aber in der Summe hat sich seine Strategie der Strenge bewährt. Das zeigen seine Umfragewerte – auch außerhalb Bayerns.

Wolfgang Krebs, 54, ist ein mehrfach ausgezeichneter Kabarettist und Schriftsteller.

Wolfgang Krebs: CSU-Chef Markus Söder ist sehr machtbewusst

Wie würden Sie denn Markus Söder charakterisieren?

Markus Söder ist ungemein machtbewusst. Und er kann seine Chance sehr klar kalkulieren. Ein Markus Söder tritt nicht an, um zu verlieren. Der Mann will gewinnen.

Söder schien stets etwas Unstetes zu haben und die Fähigkeit, auch Nullsätze mit viel Bedeutung aufzuladen. Sie haben das mal auf der Bühne in dem Satz zusammengefasst: „Die Zukunft ist ein starker Gegner.“ Was zeichnet Söders Sprache aus?

Söders Sprache hat sich durch die Pandemie gewandelt. Es ist ja etwas anderes, ob Sie zur Eröffnung einer Gartenbauausstellung in Bayern sprechen oder in Berlin neben Kanzlerin Angela Merkel neue Corona-Maßnahmen verkünden. Die Bühne verändert den Ton. Das weiß jeder Künstler.

Wie meinen Sie das?

Ohne jemandem zu nahetreten zu wollen. Aber ich spüre schon einen Unterschied, ob ich in Berlin auf der Bühne stehe oder irgendwo anders im Land. In Berlin ist das Publikum viel politischer. Das befeuert einen – nicht nur als Kabarettist.

Söders Auftritt in der TV-Sendung „Markus Lanz“ in der letzten Woche war schon bühnenreif. Selbst Jan Böhmermann hat auf Twitter gratuliert, Söder könne sogar noch jemanden mit einem Lob demütigen. Was sind seine rhetorischen Mittel?

Er beherrscht es, Kunstpausen einzusetzen. Gerade in der Vorwoche bei Markus Lanz. Und er inszeniert das selbstrhetorische „Warum machen wir das?“. Söder hat das nicht erfunden, aber zu einer neuen Kunstform erhoben. Um sich und dem Publikum dann gleich seine Antwort zu geben.

Strauß, Stoiber und Co: Wolfgang Krebs kann sie alle imitieren

Franz Josef Strauß 1980, Edmund Stoiber 2002 – bislang ging es nicht gut aus für die CSU-Kandidaten im Bund. Bei Söder scheint es fast, als hätte die CSU ihren Schrecken verloren?

Bei Strauß, das waren ganz andere Zeiten. Politisch viel aufgeladener. Strauß hat bewusst polarisiert. Ich bin sicher: Der würde heute ganz anders auftreten, dazu war er zu klug. Stoiber war ganz anders, bienenfleißig, aktenverschlingend. Dieses Oberlehrerhafte kann sehr schnell nerven. Ein Phänomen, das auch Karl Lauterbach kennt. Bei allen klugen Dingen, die er sagt.

Würde man Söder in Bayern nicht vermissen?

Ah, das halte ich für einen Schmarrn. Die Leute hier wissen: Ein Bundeskanzler aus Bayern kann für den Freistaat noch viel mehr erreichen als ein Verkehrsminister. (Peter Riesbeck)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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