Söder, CSU-Chef, war früher als Polterer bekannt.
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Söder, CSU-Chef, war früher als Polterer bekannt.

Bayerns Ministerpräsident

Markus Söder: Kümmerer statt harter Hund

  • Bascha Mika
    vonBascha Mika
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Markus Söder nutzt die Corona-Krise als Vehikel für seine Karriere in der Union. Sein Wille zur Macht ist extrem ausgeprägt.

  • Markus Söder nutzt die Corona-Krise für einen Karrieresprung.
  • Wo andere die Krise als Ausnahmesituation sahen, sah er seine Bühne.
  • Markus Söders Wille zur Macht ist stark ausgeprägt.

Was hat Corona bloß mit den Deutschen angestellt? Die Seuche forderte viele Opfer, hat aber einen Gewinner: Markus Söder. Wo andere die Krise als Ausnahmesituation sahen, sah er seine Bühne. Immer preschte er vor, immer einen Tick schneller und härter als andere Ministerpräsidenten. Das Ergebnis: Viele Menschen wünschen sich Söder, 53, als Nachfolger von Angela Merkel. Ein Bayer in Berlin? Ein CSUler als Kanzler?

Markus Söder: „Mein Platz ist in Bayern“

Söder, der Machthungrige. Er selbst gibt sich unschuldig. K-Frage? Nicht sein Problem. „Schauen Sie, ich führe die Debatte ja nicht. Es wird ja ständig über mich geredet“, beschwerte er sich in einem Interview. Stimmt. Er selbst hat sich als Kandidat nie offen ins Spiel gebracht – tut aber alles dafür, damit er im Spiel bleibt. Da kann er noch so oft herunterbeten: „Mein Platz ist in Bayern.“

Denn so selbstverständlich Machtstreben zu Politikern gehört, so überbordend scheint dieser Wille bei Markus Söder. Der Journalist und Verleger Wolfram Weimer beobachtet ihn seit Jahren und hat ihn als einer der Ersten als möglichen Kanzlerkandidaten ins Spiel gebracht. „Söder hat eine hundertprozentige Leidenschaft zur Macht“, sagt Weimer, „bei ihm ist dieser Zug in beinahe erotischer Form ausgeprägt.“

Könnte der Kanzler direkt gewählt werden, bekäme Söder derzeit über 40 Prozent der Stimmen. „Corona war das Vehikel“, analysiert Forsa-Chef Manfred Güllner. „Söder konnte Menschen das Gefühl geben, dass er sich kümmert. Ob er dabei immer das Richtige tut, ist zweitrangig.“

Markus Söder, der Kümmerer. Das hat er wohl von Merkel gelernt. Die Kümmerin in der Krise zu geben war stets eines ihrer Erfolgsrezepte. Die Kanzlerin als lebender Rettungsschirm – und Söder spielte in den vergangenen Monaten das männliche Pendant dazu. Traf meist den richtigen Ton und gab sich eng mit der Chefin wie nie zuvor. Profilierung als Merkel-Ersatz und Nachfolger.

Markus Söder: Wo ist der Provokateur?

Der Kanzlerin scheint das zu gefallen. Was für ein perfektes Bild Merkel und Söder doch zeigten, als sie kürzlich in einer Kutsche zum Schloss Herrenchiemsee fuhren. Zur Zepterübergabe. Auch so kann man sich vor einen Karren spannen lassen. Der Mann, der neben der Kanzlerin saß – ist das noch der gleiche Markus Söder, der sich den größten Teil seines Politikerlebens als harter Hund aufführte? Als Provokateur und Polterer?

Markus Söder, das Chamäleon. Die wundersame Wandlung des bayerischen Ministerpräsidenten begann Anfang vergangenen Jahres. Die Bayern-Wahl 2018 hatte ihn in die Sackgasse geführt, sein rechtspopulistischer Aufritt einen erklecklichen Teil der CSU-Anhänger vergrätzt. Er schwenkte um. Viele unzufriedene CSU-Wähler waren zu den Grünen gewandert, also hängte sich der Politiker ein grünes Mäntelchen um.

Markus Söder ist ein Opportunist der besonderen Art

Das fiel ihm nicht schwer. Sieht man es positiv, könnte man sagen, Söder ist flexibel und lernfähig. Er hängt nicht an Positionen. Weniger freundlich ausgedrückt: Er ist ein Opportunist. Doch von besonderer Art.

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Denn so wie der Farbwechsel eines Chamäleons zu dessen Natur gehört, scheint auch Söder seine Rollen aus seinem Persönlichkeitsfundus zu schöpfen. Er verkleidet sich nicht, er trägt jeweils eines seiner unterschiedlichen Kleider aus dem eigenen Schrank. Wolfram Weimer: „Söder macht es zuweilen Spaß, ein Chamäleon zu sein. Das sieht er spielerisch, so macht er auch Politik. Die Lust an der Variation gehört zu seinem Wesen.“

Dank dieser Variationsbreite kann sich Söder dahoam als Bayer geben, obwohl er gar keiner ist. Stammt aus Franken, ist Protestant, redet fast hochdeutsch und ist Anhänger des 1. FC Nürnberg. Wahrscheinlich liegt darin ein Teil seines Erfolgs. Jenseits von Bayern geht er fast als Saupreuße durch.

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