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Markus Söder muss mit miesen Umfragewerten leben.

Bayern

Markus Söder und die CSU im Abwärtssog

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Eine Analyse zur Situation von Markus Söder und der CSU vor der Landtagswahl in Bayern.

Wer in diesen Wochen auf Bayern und den Ministerpräsidenten Markus Söder schaut, erlebt ein in der Politik wiederkehrendes aber seltenes Schauspiel: den strudelartigen, nicht aufhaltbaren Abwärtssog. Das Phänomen beginnt in der Regel mit ersten, überschaubaren Umfrageverlusten; es erreicht eine neue Qualität, wenn wichtige Marken unterschritten werden und ist fortan nicht mehr aufhaltbar, wobei das oft erst verzögert bemerkt wird.

Der Prozess verstärkt sich an verschiedenen Stellen durch eigene Fehler und respektable Gegenkandidaten, bis ein perfekter Strudel entsteht und bald nichts mehr so ist wie es immer war. Es gibt berühmte Opfer dieser Kräfte, meist fühlen sie sich vorher unverwundbar. Stefan Mappus in Baden-Württemberg im Jahr 2011, Sigmar Gabriel in Niedersachsen 2003.

Im Fall Söder im Jahr 2018 ist der Niedergang leicht nachvollziehbar. Söder begann seinen Wahlkampf, indem er mit ernster Miene überall in Bayern Kreuze aufhängen ließ. Anschließend forderte er immer wieder die konsequente Anwendung des Asylrechts und härtere Abschiebungen an der Grenze. Wochenlang übersah er, dass er den Staat damit als schwach präsentierte, sein Bundesland als unsicher und sich selbst als Schwarzseher. 

Erst als Söder im christsozialen Dreiklang mit Horst Seehofer und Alexander Dobrindt Union und Koalition an den Abgrund gepoltert hatte, schwante ihm, dass er den falschen Weg eingeschlagen hatte. Seitdem gibt er sich als Landesvater, was ihm aber nach all der Kraftmeierei niemand mehr abnimmt. Im Gegenteil, der Niedergang schien sich zuletzt eher noch schneller fortzusetzen. Dass Söder die Schuld nun auf Berlin abschiebt, ist eine Art logischer Folgefehler seines Wahlkampfes. In Phasen spürbarer Erfolglosigkeit verließ er zu schnell seine Position und steuerte um.

Nach dem Hardliner und dem Landesvater ist er nun plötzlich das Opfer äußerer Umstände? Diese Ausflucht wird den Abwärtssog eher noch verstärken. 31 Prozent der Bayern sind mit Söders Arbeit in ihrem Bundesland zufrieden, zeigte im Spätsommer eine Umfrage. Es ist der schlechteste Wert aller Ministerpräsidenten. Und das in einem Bundesland, dem es wirklich sehr, sehr gut geht. Das muss man erst einmal schaffen.

Demut als letzter Ausweg

Wenn Söder wollte, könnte er viel lernen aus seiner eigenen Misere. Denn es ist eben doch nicht so, dass der Durchschnittswähler zu viel Opportunismus in der Politik nicht erkennen würde. Wie sehr sich die Bayern nach einer seriösen Alternative sehnen, zeigt der parallele Aufschwung von Grünen und Freien Wählern. Ein wenig Optimismus und Kontinuität scheinen zu reichen, um aufzufangen, was Söder und die CSU verspielt haben.

Es ist ein Effekt, der nach den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen schon im Bund zu beobachten war. Die FDP ist nach dem Ausstieg in eine Glaubwürdigkeitskrise gerutscht, von der sie sich bis heute nicht erholt hat. 

Für Söder steht dieser Weg nicht mehr offen. Er muss demütig am 14. Oktober das Ergebnis in Empfang nehmen. Für die politische Kultur kann Söders Beispiel bestenfalls sogar nützlich sein. Denn seine Niederlage ist auch ein stiller Erfolg von etwas, das gerade zuletzt angefochten ist: der geraden Linien in der Politik.

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