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Markus Lanz (ZDF): Jörg Meuthen zieht über AfD her und inszeniert sich als Reformer

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Von: Katja Thorwarth

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Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang mit Ex-AfDler Jörg Meuthen und Journalistin Nadine Lindner.
Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang mit Ex-AfDler Jörg Meuthen und Journalistin Nadine Lindner. © Screenshot_ZDF_Markus_Lanz

Bei Markus Lanz im ZDF debattieren die Gäste über den Ukraine-Konflikt, die Klimapolitik und den Zustand der AfD. Ex-AfD-Chef Jörg Meuthen darf mitdiskutieren. Unsere TV-Kritik.

Hamburg - Der Mittwochs-Talk bei Markus Lanz (ZDF) hatte einen bunten Strauß an Themen parat. Neben dem Ukraine-Russland-Konflikt, der Energiewende bzw. Klimapolitik sollten die Gäste auch den Zustand der AfD debattieren. Der kürzlich erst aus der extrem rechten Partei ausgeschiedene Jörg Meuthen war mit von der Partie. Es ist in den letzten zwölf Monaten bereits das dritte Mal, dass sich der Ex-AfD-Chef beim so verhassten öffentlich-rechtlichen ZDF-Talk präsentieren durfte.

Nun könnte man sagen, wer hätte nicht tiefere Einblicke in den Zustand der AfD, wenn nicht ein ehemaliger Insider? Jörg Meuthen ist jedoch ein spezieller Fall. In der Vergangenheit hatte der „Rechtsextreme im Professoren-Look“ (Stephan Hebel) sich stets als „gemäßigter“ AfDler zu inszenieren versucht, wobei dieses Wording regelmäßig von Teilen der Medien übernommen wird. Entsprechend wurde Meuthen bei Markus Lanz (ZDF) auch als einer vorgestellt, dem „irgendwann klar wurde, dass die AfD eine immer extremere, rechte Partei wurde“. „Wann kippte das?“, fragte Lanz.

Markus Lanz (ZDF): Ex-AfD-Chef Meuthen inszenierte sich als „gemäßigt“

Dem Moderator kann geholfen werden: 2017 reagierte der sogenannte „Gemäßigte“ auf Alexander Gaulands Forderung, die damalige Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz „nach Anatolien zu entsorgen“, mit den Worten: „Überhaupt, Ihre Bescheidenheit, nur diese eine Person entsorgen zu wollen, erscheint mir hier ausnahmsweise unangebracht.“ Im selben Jahr äußerte er beim deutschnationalen „Kyffhäuser-Treffen“, dass der Höcke-Flügel „integraler Bestandteil“ der AfD sei.

Gäste bei Markus Lanz
Ricarda LangGrünen-Vorsitzende
Jörg MeuthenEx-AfD-Chef
Clemens FuestÖkonom
Nadine LindnerJournalistin, Deutschlandradio

„Gemäßigt“, zu diesem Schluss könnte auch das ZDF gelangen, war an Meuthen nie irgendetwas, außer vielleicht seiner Rhetorik. Dennoch durfte er sich und seinen Abgang ab Minute 49 erklären. Journalistin Nadine Lindner vermutete zunächst, dass die Hochstufung der AfD als Verfassungsschutzfall Grund für dessen Ausscheiden gewesen sei. Sie sprach von seiner derzeitigen medialen Dauerpräsenz und einem „Reputationsmanagement“, das dafür sorgen könnte, Meuthen mit weißer Weste für eine weitere politische Karriere auszustatten.

Meuthen hingegen hielt es für „eine glückliche Fügung“, dass er das bei Markus Lanz „aufklären“ könne. „Frau Lindner, Sie irren“, mit dem Verfassungsschutz habe das nichts zu tun. Vielmehr sei seine Entscheidung „langfristig gereift“ und habe ihm schlaflose Nächte bereitet. Warum er die Partei immer wieder verteidigt habe, wollte Lanz wissen. Schließlich hatte Meuthen im März 2021 die AfD noch als „bürgerlich-konservativ-freiheitliche Partei“ bezeichnet. Darauf wollte der Ex-AfDler nicht konkret eingehen.

Markus Lanz (ZDF): Jörg Meuthen mimt nach wie vor den „Good Cop“

Stattdessen lenkte er mit der Erzählung ab, in der AfD immer zwei Parteien gesehen zu haben. Jörg Meuthen verschleierte bei Markus Lanz das, was er in seinen Jahren bei der AfD jedoch stets getan hat: auf der einen Seite sämtliche extrem rechten Kräfte teils inhaltlich, teils formell mitzutragen, um dann im öffentlichen Diskurs auf sich als Anführer angeblich konservativer Kräfte zu verweisen. Er habe versucht, diese Partei auf einen „bürgerlich-konservativen Kurs zu bringen“, sei aber gescheitert.

Sein Kampf sei ein „sehr schmerzhafter“ gewesen, mimte er den Helden, während Lindner ihm ein „rational-strategisches Verhältnis zu diesen rechten Parteigliederungen“ attestierte. Um zu ergänzen, dass Meuthen beim „Institut für Staatspolitik“, als rechtsextrem eingestuft, vorbeigeschaut und um Unterstützung gebeten hatte. Meuthen will dort jedoch nur eine Stunde „einen Vortrag gehalten haben, um sich das mal anzuschauen“.

Jörg Meuthen bei Markus Lanz (ZDF): Keine Machtperspektive mehr in der AfD

Mal wieder wollte Meuthen nicht an seine Vergangenheit erinnert werden, spielte bei seinem Lanz-Auftritt aber den Erklär-Bär, was er alles unterschätzt beziehungsweise nicht unterschätzt habe, und welche Vorwürfe er sich selbst angeblich mache. Dieses Meuthensche Ferkel wurde jedoch schon zu oft durchs mediale Dorf getrieben, als dass es irgendeinen Mehrwert bieten könnte.

Insofern soll die Grünen-Vorsitzenden Ricarda Lang das letzte Wort haben, die sämtliche Erklärungsversuche in einem Statement vom Tisch fegte: „Diese Reinwascherei, nachdem Sie jahrelang Rechtsextreme in der Partei geduldet haben, die nimmt Ihnen niemand ab.“ Richtig, und warum er dies einmal mehr bei Markus Lanz praktizieren durfte, bleibt in der Verantwortung des ZDF. (ktho)

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